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Sternzeit

Von Die Europäische Raumfahrtorganisation auf der Suche nach Sonnenstürmen.
Prost Swarm, auf eine erfolgreiche Mission. Klicken Sie sich durch die Fotostrecke. (Alle Bilder: Oliver Debus) Bilder > Prost Swarm, auf eine erfolgreiche Mission. Klicken Sie sich durch die Fotostrecke. (Alle Bilder: Oliver Debus)
Ja was war das denn? Da schaut alle Welt nach Plesetsk, und dann hüllt sich das russische Kosmodrom im hohen Norden Russlands in Nebel, wie einst das sagenumwobene Feenreich Avalon aus der Artuslegende.

Gut, vielleicht schaute nicht die ganze Welt dorthin, aber zumindest Europa und die Europäische Raumfahrtorganisation ESA und ihre internationalen Partner. Ganz sicher aber alle zum Presse-Event der ESA angereisten Gäste, die sich am vergangenen Freitag im europäischen Kontrollzentrum ESOC in Darmstadt eingefunden hatten. Keine Frage, dass auch ich wieder dabei war, um den Start der neuen europäischen Erdbeobachtungsmission Swarm von Darmstadt aus mitzuverfolgen. Der Start vom russischen Kosmodrom Plesetsk war schon einmal um eine Woche verschoben worden, doch nun sollte die Rockot Rakete, auf deren Spitze die drei baugleichen Satelliten saßen, in den Weltraum starten und die Robotforscher in ihre Umlaufbahn bringen.

Im großen Konferenzsaal des ESOC hatten sich viele ESA-Mitarbeiter, Pressevertreter und Gäste von anderen Raumfahrt- und Forschungsinstitutionen aus Europa, Kanada und Russland eingefunden, um dem Beginn dieser Mission beizuwohnen. Swarm, das sind drei Satelliten, die die Erde auf einer über die Erdpole führenden Umlaufbahn umkreisen. Ihre Aufgabe ist die Untersuchung des irdischen Magnetfeldes. Das soll mit einer bisher nicht dagewesenen Genauigkeit geschehen. Die europäischen Forscher wollen herausfinden, wie das Magnetfeld der Erde durch den flüssigen Erdkern, dem Erdmantel, der Kruste und den Meeren gebildet und beeinflusst werden. Man möchte verstehen, warum sich das Erdmagnetfeld abschwächt und wieso die magnetischen Pole wandern. Zudem ist es für unsere technisierte Zivilisation wichtig, die Wechselwirkung des Erdmagnetfeldes mit dem von der Sonne kommenden Teilchenstrom, dem Sonnenwind und die Sonnestürme zu verstehen. Daraus erhofft man sich ein Frühwarnsystem zu schaffen, dass uns hilft unsere technischen Einrichtungen, unsere erdumlaufenden Satelliten, die wir für die Erdbeobachtung, für die Navigation und die Kommunikation benötigen, zu schützen.

Kein Wunder also, dass nicht nur ich dem erfolgreichen Start entgegen fieberte. Würde alles gut gehen? Raumfahrt ist mit Risiken verbunden, wie Jean Jacques Dordain, ESA General-Direktor, in seiner Ansprache erklärte. Neben ESOC Direktor Dr. Thomas Reiter, Professor Volker Liebig, der Leiter des Erdbeobachtungsprogramms und Wissenschaftler der Swarm Mission erläuterten die wissenschaftlichen Hintergründe der Mission und welche Erkenntnisse man sich erhofft. Dabei fiel mir wieder mal auf, wie die aktuelle Forschung der letzten Jahre unser Wissen erweitert und dass Dinge, die wir in der Schule lernten teils überholt werden. Unterbrochen wurden die Kurzvorträge durch eingespielte Animationen zur Verdeutlichung.

Allmähliche wurde die Spannung in mir immer größer, daran änderten auch die Live-Schaltungen in den Hauptkontrollraum des ESOC nichts, die zeigten, dass alle Systeme auf grün standen, was bedeutete, dass alles in Ordnung und für den Start bereit war. Jederzeit könnte etwas ausfallen und den Start gefährden. Auch im Kosmodrom Plesetsk waren die Ingenieure für den Start bereit. Lediglich das Wetter zeigte sich nicht von seiner besten Seite. Nebel trübte den Blick auf die Startanlage mit der Rockot Rakete und den drei Swarm Satelliten. Der zugeschaltete Russische Vertreter schien davon etwas irritiert zu sein, was im Saal für Belustigung sorgte.

Dann waren es nur noch wenige Sekunden bis zum Start und die Anspannung stieg weiter. Die Rakete hatte die Kontrolle übernommen, nun konnte niemand mehr eingreifen. Dann Spannung pur, die Bilder aus Plesetsk werden nun nicht mehr kommentiert, der übliche Countdown fehlte, vielleicht ein Ausfall der Kommunikation zwischen Plesetsk und Darmstadt. Plötzlich ein Blitz, Feuer, Rauch steigt auf, Donnergrollen ist zu hören. Die Rakete löste sich vom Startkomplex und verschwand wenige Sekunden nach dem Abheben in den tiefhängenden Wolken. Das einzige, was man jetzt von der startenden Rakete mitbekam, war das Grollen der Triebwerke, die den Raum beben ließen. Schade.

Im Kontrollraum liefen die Daten ein. Die Rakete funktionierte prächtig und war dabei, den Kampf gegen die Erdschwerkraft zu gewinnen. Applaus brandete auf. Kurz danach kam die Meldung, dass die zweite Stufe erfolgreich gezündet war. Die Schutzhülle um die Satelliten löste sich. Später dann die glückliche Nachricht, dass die drei Satelliten erfolgreich vom Träger abgetrennt wurden. Jetzt fehlte nur noch eine Meldung. Diese kam bald über die Empfangsstation in Kiruna in Schweden. Alle drei Satelliten senden Signale und haben ihre polare Umlaufbahn erreicht. Freude und Erleichterung ging durch die Gäste, und nicht nur Thomas Reiter und Volker Liebig waren stolz darauf, dass das Kontrollzentrum ESOC in Darmstadt eine neue Mission betreut.

„So sehen Sieger aus“, witzelte ein Fotograf. Auch wenn das Wetter nicht so mitspielte, so war gestern ein guter und spannender Tag, für die Wissenschaft, die ESA, für Darmstadt und die Region und auch ein besonderer Tag mit vielen Eindrücken für mich.

Mehr zu den wissenschaftlichen Hintergründen der Swarm Mission können Sie unter blog.astronomieschule.de lesen. Noch mehr Hintergründe, Animation und ein Replay des Event können Sie auf der Webseite der ESA und der Swarm-Missionsseite sehen.

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