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Sternzeit

Von Weihnachtsstern auseinander gebrochen - nicht nur Astronomen sind enttäuscht.
Ein Anblick, auf den Himmelsgucker in diesem Jahr leider verzichten müssen: Am Heiligen Abend 2007 wanderte der Mond vor dem Mars vorbei, das Bild entstand an der großen Kurve auf dem Weg zum Feldberg. Klicken Sie sich durch die Fotogalerie. (Alle Bilder: Oliver Debus) Bilder > Ein Anblick, auf den Himmelsgucker in diesem Jahr leider verzichten müssen: Am Heiligen Abend 2007 wanderte der Mond vor dem Mars vorbei, das Bild entstand an der großen Kurve auf dem Weg zum Feldberg. Klicken Sie sich durch die Fotogalerie. (Alle Bilder: Oliver Debus)
Och nö, was war das für eine Enttäuschung. Der bereits als möglicher Weihnachtsstern gefeierte Komet ISON ist leider bei seinem Vorbeiflug an der Sonne Ende November auseinander gebrochen. Die 1,3 Millionen Kilometer Abstand zu Sonne, was dem Durchmesser der Sonne entspricht, war wohl doch zu nah - und was vorher als schöner Komet mit wunderbarem Schweif auf den Bildern der Sonnensonde SOHO zu sehen war, kam nur noch als undefinierbare Wolke hinter der Sonne hervor.

So gespannt ich am Abend des 28. Novembers immer wieder die Bilder von SOHO aktualisierte und den Periheldurchgang des Kometen (so nennt man den sonnennächsten Bahnpunkt) verfolgte, so enttäuscht war ich zunächst, als der Komet oder das was von ihm überblieb als schwaches Etwas hinter der Sonne erschien. Schnell machte im Netz die Nachricht die Runde, dass der Komet es nicht überlebt hat. Am nächsten Tag keimte noch mal Hoffnung auf, aber bald war klar, der Komet ist zerbrochen und wird kein spektakuläres Himmelsschauspiel am 2. Weihnachtstag bieten. Es wäre wieder mal ein besonderes Schauspiel zu Weihnachten gewesen, zumal der Komet mit bloßem Auge die ganze Nacht über sichtbar gewesen wäre, da er auf seinem Weg zurück in die Unendlichkeit am Polarstern vorbei geflogen wäre. Nein, natürlich fliegt der Komet nicht wirklich am Polarstern vorbei, aber seine Bahn liegt so, dass ihn sein Weg von der Erde aus gesehen vor dem Polarstern vorbei geführt hätte. Die Sterne sind ja unglaublich weit entfernt, daher bilden sie für uns so etwas wie ein Bühnenbild, vor dem wir die Planeten und Kometen vorbei wandern sehen.

So machen Weihnachtsstern habe ich schon gesehen, sei ein besonders Kometen oder die Bedeckung eines Planeten wie Mars oder Jupiter durch den Mond oder gar eine besonders nahe Konjunktion der Planeten Jupiter und Saturn. Offenbar bin ich nicht der einzige, dem solche Himmelschauspiele beeindrucken und begeistern. So hat es wohl eine ganz besonders enge dreifache Konjunktion der Planeten Jupiter und Saturn im Jahre 7 vor Christus den Sprung in die Bibel geschafft. Der Evangelist Mathäus berichtet im 2. Kapitel (Math: 2,1-12) von der Huldigung der Sterndeuter, die dem als Stern von Bethlehem bekannt gewordenen Himmelsschauspiel gefolgt seien.

Tatsächlich verbirgt sich hinter der Erzählung ein Bericht über ein besonderes astronomisches Ereignis in dieser Zeit. Leider ist der Bericht in der Übersetzung etwas verfremdet, aber das griechische Original gibt deutliche Hinweise. Da sind es Gelehrte, die einen besonderen Stern im Aufgang gesehen haben. Diesem Stern gaben sie die Bedeutung, dass dem Volk Israel der Heiland geboren worden ist und der Stern zeigte nach Bethlehem. Diesen Stern sahen sie auch, als sie Jerusalem in Richtung Bethlehem verließen und an diesem Abend blieb der Stern im Gehen stehen, wie es im Originaltext heißt. Die gelehrten Männer, ich will sie mal Priesterastronomen nennen, haben den „Stern“ über eine lange Zeit beobachtet, seit er nach längerer Zeit wieder in der Morgendämmerung kurz vor Sonnenaufgang über dem östlichen Horizont erschien.

Es war nun kein Komet, den die Männer erblickten, als solcher wir der Stern von Bethlehem gerne dargestellt, sondern eine besondere, seltene, dreifache Konjunktion der Planeten Jupiter und Saturn, wie sie nur gut alle 800 Jahre stattfindet. Damals standen die Planeten im Sternbild der Fische. Astrologisch deuteten die Gelehrten dies als Zeichen, dass dem Volk Israel (Saturn) ein neuer König (Jupiter) geboren wurde und dieser neue König war in Palästina (geographische Bedeutung der Fische) zu finden. Auch den Mars, damals als Bote von Unglück gedeutet, finden wir in der Geschichte von Mathäus wieder. Er ist, der die Gelehrten vor Herodes warnt und in der Tat, lässt man sich das Himmelsschauspiel im Jahre 7 vor unserer Zeit von einem Planetariumsprogramm anzeigen, sieht man, wie der Mars Ende Dezember auf die Planeten Jupiter und Saturn zuwanderte und so dem neuen König Unheil ankündigte.

Dieses Jahr wird es an Weihnachten leider kein so schönes Spektakel geben, aber der Blick an den weihnachtlichen Sternhimmel lohnt sich trotzdem.  So strahlt nach Sonnenuntergang die Venus über dem südwestlichen Horizont als heller Abendstern. Noch bevor sie untergeht, steigt der nicht minder helle Jupiter am östlichen Horizont in den Zwillingen stehend auf. Nach Mitternacht geht der rötliche Mars über dem Osthorizont auf, der im Frühling im höchsten Glanz erstrahlt. In der Nacht zum zweiten Weihnachtsfeiertag steht der abnehmende Halbmond dicht unterhalb des Roten Planeten. Ansonsten lockt natürlich der winterliche Sternhimmel rund um das Sternbild Orion, und wer mit einem Fernglas oder Teleskop spazieren schaut, kann in der Abenddämmerung oder früh am Morgen den im Herkules stehenden Kometen Lovejoy  erspähen.

Mit diesem kleinen Ausblick auf den Sternhimmel der kommenden Tage möchte ich mich bei Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, bedanken und wünsche Ihnen schöne, besinnliche Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr, das viele spannende Ereignisse rund um den Sternenhimmel und die Raumfahrt zu bieten hat. 2014, so viel möchte ich jetzt schon verraten, wird das Jahr der europäischen Kometensonde Rosetta, die am 20. Januar 2014 aus ihrem über zwei Jahre andauernden Tiefschlaf erwachen soll.

Bis dahin wünsche ich Ihnen alles Gute.

Ihr Sternzeit-Blogger Oliver Debus     

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