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Sternzeit

Von Bin ich ein Skeptiker, Kritiker oder womöglich selbst ein Außerirdischer?
Es gibt ja Verschwörungstheoretiker, die behaupten, Hitler lebe noch... (Foto: Archiv) Es gibt ja Verschwörungstheoretiker, die behaupten, Hitler lebe noch... (Foto: Archiv)
Das ist kein Spaß, sondern eine sehr ernste Angelegenheit. Echt jetzt! Es gibt sogar ein Skeptikersyndrom, und die wirklich Wissenden und Aufgewachten unter uns haben ein genaues Bild davon, wie ich ihrer Meinung nach bin. Ich bin immer schlecht gelaunt und negativ und neige zur Depression, da ich mit meinem Leben unzufrieden bin und mit der Welt hadere. Dazu kommen noch ein geringes Selbstwertgefühl und eine dogmatisch ablehnende Haltung Neuem gegenüber. Mein Leben führe ich nach dem Motto, was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht. Soll heißen, was ich nicht kenne und was nicht in mein naturwissenschaftlich, materialistisches Weltbild passt, lehne ich ab oder leugne dessen Existenz. Neue Denkansätze verweigere ich mich komplett und habe auch keine Neigung, mal über den Tellerrand meines unglaublich beschränkten Horizontes zu schauen.
 
Das ist schlimm, wirklich schlimm. Es wird aber noch schlimmer, habe ich doch selbst schuld an diesem schrecklichen Schicksal. Denn ich könnte es so leicht ändern, würde ich nur mal meinen Verstand ausschalten, der wie Scheuklappen wirkt und auf meine Gefühle, auf mein Herz hören und mich für die neue Spiritualität und die Welt hinter der Materie öffnen. Zudem, als Physiker könnte ich mich bemühen, die wirklichen Aussagen der Quantenphysik zu verstehen.
 
Aber nein, ich höre auf das, was mir die Professoren in der Universität eingetrichtert haben, um mich auf die Linie der Wissenschaftsmafia zu bringen. Dabei wird mir doch Hilfe überall angeboten. Bücher und DVDs in den Buchläden, die mich über die Wahrheit aufklären, über Astrologie und UFOs, über die kosmischen Einflüsse und positive Energiefelder, über Engelbotschaften und wohlwollende Außerirdische oder über die gefälschte Mondlandung. Im Internet gibt es unglaublich viele Seiten, auf denen ich mich über die wahren Zusammenhänge und die finsteren Machenschaften der Neuen Weltordnung NWO informieren könnte und darüber, das Adolf Hitler gar nicht 1945 in Berlin Selbstmord begangen hat, weil es mit seinem tausendjährigen Reich gerade nicht zum Besten stand, sondern dass er mit seinen Getreuen in die Antarktis ausgewandert ist, weil ihn die Deutschen und der Rest der Welt völlig verkannt haben und für seine Visionen von einer besseren Welt nicht bereit waren. Jetzt wohnt er in Neuschwabenland, in der Antarktis oder in der hohlen Erde, wahlweise auch auf der Rückseite des Mondes, denn dorthin soll er mit seinen Reichsflugscheiben geflohen sein. Andere Seiten klären darüber auf, dass wir alle mit Chemtrails vergiftet, gelenkt oder was auch immer werden, die von Flugzeugen versprüht werden und unseren Himmel verschleiern. Wer es nicht glaubt kann sich zum Beispiel bei YouTube zahlreiche „Dokus“ ansehen.
 
Warum lebe ich eigentlich noch, denn nach über 40 Jahren in der Nähe des Frankfurter Flughafen sollten doch Vergiftungserscheinungen durch Chemtrails auftreten - oder sind diese Chemtrails doch ganz gewöhnliche Kondensstreifen?
 
Ja, ich könnte auch zu den „Wissenden“ und „Aufgewachten“ zählen, aber nein, ich ziehe es vor, weiter in meinem alten Weltbild verharrend zu schlafen.
 
Mal ganz ehrlich, wenn man den „Wissenden“ bei ihren Erklärungen zu ihren, aus meiner Warte recht außergewöhnlichen Thesen zuhört, und feststellt, auf welch realitätsfernen Annahmen ihr Denkgebäude beruht, dann kann man nicht anders, als depressiv werden, so wie der Roboter Marvin aus Douglas Adams „Per Anhalter durch die Galaxis“. Dann frage ich mich oft, ob ich echt zu dieser seltsamen Spezies dazu gehöre oder wann mich endlich meine eigenen Artgenossen von diesem eigenartigen Planeten wieder abholen. Auf der anderen Seite wird mir aber klar, warum die Aliens mit uns bis heute noch keinen Kontakt aufgenommen haben. Wahrscheinlich haben sie unser Sonnensystem zu einer galaktischen Quarantänezone erklärt und ihre Raumschiffe fliegen einen großen Bogen darum.
 
Nee nee, ich bleibe lieber Skeptiker und benutze auch weiterhin meinen Verstand und hinterfrage auf Grundlage meines Wissens kritisch seltsame und weniger seltsame Thesen und Aussagen. Damit geht es mir erstaunlicherweise gut und ich bin weder depressiv noch immer schlecht gelaunt. Dass das so ist, liegt sicher auch daran, dass ich mich mit skeptischen Leidensgenossen in einer „Selbsthilfegruppe“ monatlich, immer am letzten Mittwoch im Monat, zum Skeptiker Stammtisch treffe. Dort tauschen wir uns zu neusten Verschwörungstheorien aus oder diskutieren über alternative, medizinisch zweifelhafte Heilmethoden und andere sehr skurrile Themen, über die wir auch sehr gerne sehr herzhaft lachen. Da kann es auch vorkommen, dass wir uns eigene, noch seltsamere Theorien ausdenken. Kritisches Denken, so lerne ich es bei unseren Sitzungen, hilft nicht nur, Unsinn als solchen zu erkennen, sondern macht auch noch richtig Spaß.
 
Schön, dass es bald wieder soweit ist. Wer Lust hat, kann ruhig mal am Mittwoch, 29. Januar, um 19.30 Uhr im Neuen Volkswirt in der Kleinen Hochstraße in Frankfurt bei den Skeptikern Rhein-Main vorbei kommen und mit uns Spaß haben.
 

Schauen Sie auch mal auf der Webseite der GWUP (www.gwup.org) vorbei oder treten Sie der Facebook Gruppe Skeptiker Rhein-Main bei. Wir freuen uns.
            
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