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Sternzeit-Blog

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Trifft ein Sonnensturm die Erde, können wir uns über Polarlichter freuen. Unser Blogger Oliver Debus kann es kaum erwarten. Foto: dpa Trifft ein Sonnensturm die Erde, können wir uns über Polarlichter freuen. Unser Blogger Oliver Debus kann es kaum erwarten. Foto: dpa
Das war mal eine Wettermeldung, wie ich sie liebe. HR-Wetterfee Laura Di Salvo verkündete diese Woche im sozialen Netzwerk Facebook ein Wochenende mit tollen Wetter. Bereits ab Donnerstag würde sich Sonne und Wärme einstellen. Also gleich mal Feldstecher und Teleskope vom Staub befreit, Kamera und Stative bereitgestellt. Das schöne Wetter will ich nutzen, um am neuen Standort erstmalig zu beobachten. Und wenn schon die Sonne so schön vom Himmel lacht, dann wird sie auch von meinen Teleskopen ins Visier genommen.
 
Schnell einen guten Platz im Garten gesucht, das Teleskopstativ aufgestellt, Montierung drauf gesetzt und nach Norden ausgerichtet. Als Optik nehme ich mal meinen Bresser Messier AR 152S Linsenfernrohr (Refraktor) mit 152mm Objektivdurchmesser und 760mm Brennweite. Auf den Fotoadapter kommt noch mein Coronado Solarmax II 60. Das Solarmax, für alle nicht kundige, ist ein sogenanntes H-a Teleskop, also ein spezielles Teleskop für die Sonnenbeobachtung, dass uns die Sonne im Licht des Wasserstoffs zeigt. Es ist ebenfalls ein Linsenfernrohr mit einem Objektivdurchmesser von 60mm, einer Brennweite von 600mm und verfügt über verschiedene Filter, damit man gefahrlos auf die Sonne blicken kann. Das ist mit dem AR 152S nicht so einfach möglich. Entweder verwendet man einen Objektivfilter mit einer Sonnenfilterfolie, die gut 97% des Sonnenlichtes schluckt und so die Gefahr der Augenschädigung ausschaltet oder man verwendet einen Herschelkeil, der vor das Okular angesetzt wird. Ohne diese Schutzvorrichtungen darf man mit normalen Teleskopen keine direkte Sonnenbeobachtung machen, da man sich sonst die Augen verbrennen würde.
 
Ich entscheide mich für den Herschelkeil, da er gleichzeitig als Umlenkspiegel Verwendung findet. Endlich kann es losgehen. Eines fehlt aber doch noch, hieß es doch, man solle sich eincremen, um einen Sonnenbrand zu vermeiden. Ebenso wichtig ist ein Kopfschutz vor der doch schon sehr intensiven Sonnenstrahlung. So findet mein Sonnenhut mit Nackenschutz seit langer Zeit mal wieder Anwendung. Der Blick durch den großen Refraktor ist ein bisschen langweilig, denn außer einer hellen Sonnenscheiben mit wenigen dunklen Flecken, die im wesentlichen in zwei größeren Fleckengruppen angeordnet sind, ist nichts weiter zu sehen. Doch diese Sonnenflecken haben es in sich.
 
Sind es doch Gebiete an den das Magnetfeld der Sonne durch die Oberfläche bricht und geladenes Gas mit sich reißt, um an anderer Stelle, dort steht dann ein weiterer Fleck, wieder in die Sonne einzutauchen. Im Solarmax sieht die Sonne schon viel spektakulärer aus. Die Sonnenflecken sind ebenfalls als dunkle Stellen zu sehen. Doch in diesem Instrument zeigt sich noch viel mehr. Dunkle Linien ziehen sich über die Sonnenoberfläche, die Filamente. Das die Sonne keine ruhige, sondern eine sehr aufgewühlte Oberfläche hat, zeigt die zu sehende Granulation. Da sieht es beinahe so aus als würde man auf einen Kochtopf mit blubbernd kochendem Wasser schauen. Am Sonnenrand sieht die Sonne aber noch spektakulärer aus. Denn dort zeigt das H-α-Teleskop  seine eigentliche Stärke, indem es die Protuberanzen sichtbar macht. Das sind teils gewaltige, mehrere Millionen Kilometer in den Weltraum raus ragende Materieausbrüche, die mal wunderschön als Bögen sichtbar sind, teils aber auch einfach im Raum enden.
 
Das diese Ausbrüche nicht ganz ungefährlich sind, zeigt sich daran, dass die Raumfahrtorganisationen sehr genau diese Sonnenphänomene beobachten, um nötigenfalls Satelliten oder Raumsonden zu schützen oder Raumfahrer zurück zur Erde zu holen. Trifft solch ein gewaltiger Materieauswurf, der auch als Sonnensturm bezeichnet wird, die Erde, können wir uns über Polarlichter freuen. Aber derzeit ist die Sonne eher ruhig, nichts desto trotz wunderbar im Teleskop anzuschauen. Nachdem ich lange genug auf die Sonnen gesehen habe und sie auch langsam hinter dem Nachbarhaus verschwindet, beende ich die Beobachtung und bereite das Teleskop für die Sternenbeobachtung am Abend vor. Denn derzeit sind die Planeten Jupiter und Mars, später in der Nacht auch der Saturn zu bestaunen.       
 
Wenn Sie, liebe Leserin und lieber Leser, auch mal mit einem Teleskop auf die Sonnen oder den Mond, die Planeten und andere Himmelsobjekte blicken wollen, dann können Sie am Samstag, 5. April, dem Tag der Astronomie in die nächste Sternwarte gehen, oder besuchen mich in meinem Weltraummuseum. Mehr dazu können Sie auf meiner Webseite astronomieschule.de oder in meinem Astronomieblog blog.astronomieschule.de lesen.

Ich freue mich auf ihren Besuch.
Ihr Sternzeitblogger Oliver Debus
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