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Sternzeit-Blog

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Astronomen beschäftigen sich schon lange mit der Frage, ob es neben unserem Universum noch weitere gibt. Existiert ein Paralleluniversum oder leben wir in Wirklichkeit in einem Multiversum? Computersimulationen zeigen, dass es neben unserem Universum noch weiter geben könnte. Spannend ist die Frage, ob es dort ähnlich ist, wie bei uns oder ob dort gänzlich andere Naturgesetze gelten. Wie wäre es wohl, wenn es eine Verbindung zwischen den Universen gäbe. In der Science Fiction geht das mit Rissen im Raum-Zeit-Kontinuum oder speziellen Wurmlöchern. Klingt irgendwie verrückt, oder? Und doch gibt es Menschen, die ernsthaft glauben, dass es solche Verbindungen gibt und von Reisenden aus anderen Universen genutzt werden. Mancher Ufologe ist überzeugt davon, dass die ein oder andere rätselhafte Lichterscheinung mit Aliens aus einem Paralleluniversum zu erklären seien.
 
Ist das wirklich so abwegig? Nun, seit vergangenem Sonntag bin ich mir nicht mehr so sicher, ob nicht doch mehr daran ist. Naja, also nicht wirklich, aber irgendwie kam ich mir schon vor, wie in einem anderem Universum, in dem ganz eigene Naturgesetze herrschen. Wo? Mitten in Frankfurt, genauer in Bornheim. Nun, wenn Sie es genau wissen wollen, auf den Esoterik-Tagen. Ja, ich gestehe, zusammen mit einem Skeptikerkollegen besuchte ich diese Veranstaltung. Wir wollten uns mal informieren was es da so alles gibt. Und was soll ich sagen, es war wie eine Reise in ein anderes, für mich sehr kurioses Universum.

Schon am Eingang ging es los. Da prasselte es auf uns ein. Love, peace und healing, spirituelles Heilen, Lebensberatung und Zukunftsdeutung, Tarot und Astrologie, also all das, was man in der Esoterik erwarten kann. Schon hier spürte ich deutlich, wie sich meine Aura verbog. Die Aura, auch so ein schöner Begriff, der uns an dem Nachmittag ständig begegnete, genauso wie das Chakra. Okay, bevor wir nun die Halle der Kuriositätensammlung betraten, beschloss ich erst nochmal mein Wurzelchakra zu spülen. Noch ein wenig Meditation und Kraft sammeln und los ging es.
 
Als erstes durften wir eine Gruppe spiritueller Heiler bestaunen. Schon ein eher seltsames Bild, da sitzt jemand, ja, meist sind es ja Frauen und davor steht ein Herr oder eine Dame aus Fernost, mit geschlossenen Augen, tief konzentriert, die rechte Hand über dem Kopf der zu behandelnden Person haltend. Fehlte eigentlich nur noch das silbrige oder weißliche Leuchten der Hände, wie man es oft bei Heilern in den Fantasy Filmen sieht.
 
Vorbei ging es an Ständen mit Mineralien und Heilsteinen, esoterischen Büchern und was der Erleuchtete noch so braucht, Lebensberatern und Handlesern. Das mit den Heilsteinen fand ich spannend, aber vor allem zogen mich die wunderschönen Mineralien an. Wie das wohl mit den Heilsteinen funktioniert, wollte ich von dem Aussteller wissen. Im Laufe des Gesprächs hörte ich eine Vielzahl an Begriffen aus der Physik, die gerne in der Esoterik mit ganz eigener, meist neuer Bedeutung Verwendung finden; Energie, Energiefeld, Strahlung, Frequenz und Resonanz um nur einige zu nennen und natürlich, die Aura. Die Steine haben ein Energiefeld, das mit meiner Aura in Resonanz tritt. Das stärkt meine Aura und mir geht’s gut. Okay, klingt toll, aber ist nicht zu viel Energie von so einem Stein nicht ungesund?
 
Deshalb sollte man geschliffene Steine nehmen, die übrigens auf die eigene Aura abgestimmt werden. Beim Weitergehen grübelte ich, warum man sich eigentlich in Kernkraftwerken solche Gedanken um strahlende Steine und Brennstäbe macht. So kam ich zu einem Stand, an dem Nullpunktenergiesteine angepriesen wurden. Nullpunkternergie ist ja auch so ein schöner Begriff aus der Quantenphysik, der gerne in der Esoterik für die Lösung aller Probleme gehandelt wird. Hier nun also besondere Steine, die die kosmischen Energien verdichten sollen. Und was macht man mit diesen verdichteten Energien, klar die eigene Aura aufpolieren und stärken. Ich durfte auch mal einen Stein in die Hände nehmen und schauen, was passiert. Irgendwie nichts, aber ich erfuhr, dass meine Aura um das 400-fache wuchs. Und nein, es sei nicht schädlich, wenn man zu viel Energie abbekommt. Ich war mir nicht ganz so sicher und zweifelte, ob ich bei einer derart gewachsenen Aura noch durch die Eingangstür kommen würde. Vorbei an Atlantisgloboli, kam ich zu einem Einhornstand (Atlantis und Einhörner sind auch ganz beliebte Themen in der Esoterik).
 
Dort wurde mir von einem bärtigen Herrn, ich dachte schon fast einem Waldschrat gegenüber zu stehen, der auch mit Einhörnern zu tun hat, die Funktion eines Tensors erläutert. Nein, es ging nicht um den mathematischen Tensor. Dieser sah eher aus wie ein, aus dem Baumarkt zusammengebastelter Zauberstab. Ein Holzgriff, mit längerem Metallstab und kleiner Holzkugel am Ende. Was man damit macht? Man kann damit bestimmen, welches Gemüse für mich gut ist oder verlegte Dinge suchen und finden. Auch hier wieder wichtig, die Schwingung und die Resonanz und da wir alle Schwingung sind können wir mit allem in Resonanz treten, klingt wieder nach Quantenphysik, hat mit dieser aber, außer der Ähnlichkeit der Begriffe nichts zu tun. Beim Testen des Tensors prognostizierte mir der freundliche Herr eine natürliche Begabung im Umgang mit dem Gerät. Kaufen wollte ich mir dann aber doch keinen. Vielleicht war das doch ein Fehler.


Die Esoterik, so viel habe ich mitgenommen, stellt ein ganz eigenes Universum dar, das mit der Realität nicht wirklich viel zu tun hat. Der Mensch und sein Wohlbefinden scheint im Fokus der Esoteriker zu stehen. Viele Wege scheinen zum Glück dieser Welt zu führen, aber welcher der persönlich richtige ist, bleibt dann doch jedem selbst überlassen. Das ist das schöne an der Beliebigkeit in der Esoterik. In Wirklichkeit geht es in der Esoterik auch nur darum Geld zu verdienen. Und die Esoterik ist ein stark wachsender Markt. Dumm nur, dass dann doch wieder der, in der Esoterik Hilfe suchende Mensch letztlich mit seinem Unglück auf der Strecke bleibt.
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