Lade Login-Box.
E-Paper
Abo & Service Immo Stellen Trauer

Sternzeit-Blog

Von

Ein Wahnsinns-Schauspiel. Aber bloß nicht die Augen verbrennen!

Für die meisten ist der Sommer die schönste Zeit des Jahres. Jetzt kann man die Freizeit draußen richtig schön genießen, ins Schwimmbad gehen, grillen, oder abends lange draußen feiern. Herrlich, oder? Nun, nicht für alle ist das eine tolle Zeit. Für uns Amateurastronomen ist der Sommer eine Durststrecke, vor allem die Wochen um die Sommersonnenwende am 21. Juni sind eine Zeit des Darbens.

Ich weiß, was Sie denken, und Sie haben recht damit. Die Nächte im Sommer sind angenehm warm, und man muss nicht mehr stundelang in dicker Kleidung der eisigen Kälte der Winternächte trotzen. Aber nicht nur, dass wir durch die Zeitumstellung von Normalzeit auf Sommerzeit abends eine Stunde länger auf die anbrechende Dunkelheit warten müssen, nein, die Nächte sind jetzt sehr kurz, und von Mitte Juni bis Mitte Juli wird es nicht mehr richtig dunkel. Vor allem für die Freunde der Deep Sky-Astronomie wird es schwierig. Die lichtschwachen Objekte wie Sternhaufen, Gas- und Staubnebel, Galaxien und sogar die Milchstraße verblassen im Dämmerlicht. Wenn dann nicht, wie in diesen Wochen, Planeten zu sehen sind, bleibt nur noch der Mond.

Mars und Saturn sind jetzt die Planeten der Sommernächte, die schon mit bloßem Auge zu sehen sind. Vor allem der Saturn ist sehr reizvoll, da er schon in einem kleinen Teleskop sein Ringsystem offenbart und man seine großen Monde, allen voran den Mond Titan, betrachten kann. Ebenfalls sichtbar sind die Gasplaneten Uranus und Neptun, aber um sie beobachten zu können, braucht man ein Teleskop. Am Morgenhimmel kommen dann noch die Planeten Merkur und Venus dazu.

Tja, das ist echt eine schwere Zeit für den Sterngucker, und bald stellen sich auch Entzugserscheinungen ein. Aber zum Glück können wir auf den Tag ausweichen und den uns am nächsten liegenden Stern beobachten, die Sonne.
Doch Vorsicht! Wer glaubt, sich in Badehose oder Bikini - ähnlich wie die zahlreichen Sonnenanbeter - hinter das Teleskop stellen zu können, wird bald mit einem Sonnenbrand oder schlimmer bestraft. Ohne Schutz geht es nicht. Wenn ich jetzt die Sonne beobachte, bin ich zum einen gut eingecremt, zum anderen trage ich eine Sonnenbrille und einen Sonnenhut mit Nackenschutz. Und auch beim Teleskop muss man einiges beachten. So darf man nie mit dem Teleskop einfach so in die Sonne schauen. Das Teleskop sammelt die Lichtstrahlen der Sonne und bündelt sie auf einen Punkt, ganz so wie ein Brennglas. Jeder dürfte das schon mal ausprobiert haben und mit einem Brennglas gezündelt haben.

So wie man damit das Sonnenlicht bündelt und Papier zum Entzünden bringen kann, so kann man das auch mit dem Teleskop. Nicht auszudenken, was passiert, wenn sich nun statt Papier ein Auge hinter dem Teleskop befinden. Daher sollte man das Teleskop oder auch das Fernglas immer mit spezieller Sonnenfilterfolie ausrüsten, also die Folie vor dem Objektiv befestigen. Jetzt kann man gefahrlos die Sonne auch für längere Zeit beobachten. Was man auf der Sonnenoberfläche sehen kann, sind Sonnenflecken. Diese stehen entweder einzeln oder in Gruppen. Mit einem größeren Teleskop und einem Kontrast verstärkenden Filter kann man auch die Granulation der Sonnenoberfläche betrachten. Denn die Sonnenoberfläche gleicht einem Topf mit kochendem Wasser. Dieser Anblick der Sonne ist schon sehr beeindruckend, denn man erhält einen Eindruck von der Dynamik unseres Zentralgestirns.

Weitaus beeindruckender wird es, wenn wir die Sonne durch ein spezielles Sonnenteleskop betrachten, ein sogenannte H-alpha Teleskop. Das ermöglicht uns, die Sonne im Licht des Wasserstoffs zu beobachten. Und der Wasserstoff ist das bestimmende Element der Sonne. Nicht nur, dass wir in diesen Teleskopen viel mehr Oberflächendetails bestaunen können. Neben den Sonnenflecken und der Granulation können wir Sonnenfackeln und Flares sehen. Spektakulär sind die am Sonnenrand sichtbaren Protuberanzen. Hier sieht man die Dynamik der Sonne durch die auf der einen Seite vom Sonnenrand aufsteigenden Gasmassen, die dem Magnetfeld der Sonne folgen, einen Bogen bilden, um dann wieder zum Sonnenrand abzustürzen. Doch es gibt auch solche, die wie Finger meist über hunderttausende Kilometer in den Weltraum reinragen und anzeigen, wo der nächste Sonnensturm entsteht. Und das Beste daran ist, dass man das Fließen der Gasmassen richtig sehen kann.

Ein Wahnsinns-Anblick.

Wenn Sie jetzt auch mal die Sonne beobachten wollen, aber keines der Geräte haben, dann gehen Sie doch einfach mal in die nächste Sternwarte. Dort wird man ihnen die Sonne zeigen können. Eine gute Gelegenheit dafür ist der Sonntag, 22. Juni. Das ist der internationale Sonnen-Tag. Mehr über die Sonnen, Sonnenbeobachtung und den internationalen Sonnen-Tag können Sie auf meiner Webseite www.astronomieschule.de lesen, und gerne können Sie auch am 22. Juni zur Sonnenbeobachtung in die Astronomieschule kommen.
Ich freue mich auf Sie.
Zur Startseite Mehr aus Oliver Debus - Sternzeit

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2016 Frankfurter Neue Presse