Lade Login-Box.
E-Paper
Abo & Service Immo Stellen Trauer

Sternzeit-Blog

Von Kommen Sie und schöpfen Sie aus der Leere.
Liebe Leserin, lieber Leser, sicher haben Sie schon mal etwas von Sheng-Fui gehört. Nein, Sie haben sich nicht verlesen. Ich meine tatsächlich Sheng-Fui und nicht Feng Shui.
 
Feng Shui ist ja diese aus China herüberschwappende Harmonielehre, die gerne von esoterisch angehauchten Architekten, Innenarchitekten  und Gartengestaltern als Kundenfänger benutzt wird. Sie wollen durch besondere Raum- oder Gartengestaltung oder durch Möbelrücken den Energiefluss harmonisieren. So soll sich Glück oder Reichtum einstellen. Denn die kosmischen Energien würden sich manifestieren und die Art der Manifestation könne man mit besonderen Steinen, Farben etc. beeinflussen - glauben die Feng-Shui-Berater.  
 
Sheng-Fui dagegen sei älter und wirkungsvoller, so sagt der Initiator, reinkarnierte Meister und Guru des Sheng-Fui, Lorenz Meyer.

Ja, es stimmt. Meine Wohnung habe ich nach Sheng-Fui-Regeln eingerichtet, nach dem es nach Feng Shui nicht so wirklich funktionierte. Jetzt steht meine Bibliothek im Herzen der Wohnung. Die fließenden Energien werden nun von den Büchern aufgeladen, und das darin enthaltene Wissen verbreitet sich in der ganzen Wohnung. So kann ich gemütlich im Wohnzimmer auf dem Sofa lümmeln und dabei gleichzeitig Stephen Hawkings „Eine kurze Geschichte der Zeit“ „lesen“. Einfach Klasse. Bei dieser Erfahrung ist es kein Wunder, dass ich seit längerem dem Guru Meyer folge und Mitglied in der Tempelgemeinde des Meisters geworden bin. Und ich bin froh, dass ich das nun ganz ohne Scham zugeben kann, denn offenbar bin ich nicht der einzige Verrückte in diesem Haufen.
 
Regelmäßig treffen sich Meyers Jüngerinnen und Jünger im virtuellen Tempel des Gurus und lauschen seinen klugen Worten und Weisheiten, die er direkt aus der „fernöstlichen Leere“ bezieht. Beinahe täglich erfreut er unser Herz mit Sprüchen alter Meister wie Tse-Tang, der Ältere (spricht sich Seetang), oder verrät uns, was unser Horoskop nach Fidel-Astro für den Tag bringt. Bei diesen Treffen werden gerne Laktose freier Basmatitee und Cookies gereicht.
 
Einmal im Monat kommen wir zum gemeinsamen Bullshit-Bingo zusammen. Dann gilt es, genau zuzuhören, was Politiker, Sportreporter, Prominente, Esoteriker etc. von sich geben. Wenn dann die Gemeinplätze fallen, die auf der Bingokarte stehen, etwa „Evolutionssprung und Aufstieg“ oder „Synchronisationsstrahl richtet die Menschen neu aus“ (entnommen aus dem Last-Minute-Bullshit-Bingo zum Weltuntergang 2012), muss man diese schnell aus der Liste streichen. Und wer die Reihe, Spalte oder Diagonale als Erster voll hat, schreit laut: „Bullshit!“ Das ist jedes Mal ein Heidenspaß, und die Tempelgemeinde denkt sich neue, lustige und sinnfreie Sprüche aus.

Bislang, so muss ich zugeben, habe ich meinen Guru Lorenz Meyer noch nicht persönlich getroffen, doch, und da werde ich nun ganz aufgeregt, in einigen Tagen wird sich das ändern. Denn dann kommt Lorenz Meyer, selbsternannter und fremdbestimmter Guru und Initiator der Sheng-Fui-Bewegung, nach Frankfurt. Eingeladen von den Skeptikern Rhein-Main und der Giordano Bruno Stiftung, berichtet er live und in Farbe über sein spirituelles Wirken im Internet. Doch Vorsicht, denn seine Ausführungen können Spuren von Satire enthalten.


Wer gerne selber mal den einzig wahren Guru Lorenz Meyer erleben möchte, der ist herzlich eingeladen, seinen Worten am Samstag, 28. Juni, um 19.30 Uhr im Saalbau Gallus, Frankenallee 111, zu lauschen.
Mehr über diese Veranstaltung, über Lorenz Meyer und Sheng-Fui können Sie in meinem Blog  nachlesen.

Strömen Sie also herbei, schöpfen Sie aus der fernöstlichen Leere und gehen Sie keinem anderen Guru auf den Leim.
 
Zur Startseite Mehr aus Oliver Debus - Sternzeit

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2016 Frankfurter Neue Presse