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Neulich im Supermarkt

Von Der Kunst der Verführung erliegen wir ständig. Wir kaufen immer mehr, als wir wollen.
70 Prozent der Kaufentscheidungen fallen im Supermarkt erst während eines Einkaufs. Dass der Kunde am Ende noch mehr mitnimmt, als er eigentlich wollte und obendrein als Getriebener der Zeit meist ohne Plan und Einkaufszettel daherkommt, ist eine Riesenchance. Für den Markt. Er muss die Zeit des Kunden-Aufenthalts in die Länge ziehen. Mit allen Tricks. Und das passiert täglich.

Das beginnt bei der Temperatur: Wenn es kalt ist im Markt, will ich schnell wieder raus. Also erleben wir das höchst selten. Zu warm darf es aber auch nicht sein. Das macht uns träge, wissen Marketingexperten, und dann sind wir für die zahlreichen Botschaften im Supermarkt nicht mehr so empfänglich. Die Aufmerksamkeit lässt nach. Optimal sind etwa 20 Grad.

Die passende Musik muss es auch noch sein. Traben morgens eher noch die Rentner durch die Märkte, wollen diese gerne ihre Klassiker hören. Ob sie dadurch munterer einkaufen, ist zumindest eine Hoffnung. Und vielleicht bleiben sie deshalb auch etwas länger.

Abends sind es die hektischen Berufstätigen, die „schnell noch was“ einkaufen wollen oder müssen. Diese Zielgruppe ist am schwierigsten länger im Markt zu halten. Sie kommt ja schon mit dem Vorsatz hinein, gleich wieder rauszugehen. Warum also nicht einen Aktionstisch am Eingang platzieren mit künstlichen Düften und irgendwo ein paar frisch gebrutzelte Snacks anbieten, denn das bremst den Hunger des Kunden und dessen Eile. Dazu etwas entspannende Musik…

Supermärkte mitten in der Stadt sind noch raffinierter. Sie werden innen immer freundlicher gestaltet, mit riesigen Fotos oder Bildern, die an Kunstobjekte erinnern, und die Räume werden immer heller. Einige bieten sogar ein kostenloses WLAN an, um vor allem junge Leute, auch Studenten, in ihre Hallen zu locken. Dazu stehen dann zur Mittagszeit für wenige Euro ein paar schnelle und leckere Bissen an diversen Bistrotischen zur Auswahl. Studenten haben doch immer Hunger.

Es gibt allerdings auch fiese Methoden: Das Fieseste, das ich als Kunde erlebe (und so empfinde): Plötzlich ist keine Ware mehr an ihrem Platz. Jedenfalls nicht so, wie es gefühlt jahrelang gewesen ist. Das passiert meist schleichend: Der Supermarkt stellt um, platziert teuren Wein plötzlich doch in die unteren Regale, oder die Milch steht auf einen Schlag nicht mehr bei den übrigen Milchprodukten. Auf einmal steht sie irgendwo mittendrin, und ich muss weitere Wege gehen, neue Schnäppchen entdecken und mich noch länger im Markt aufhalten.

Wir dürfen gespannt sein, was sich die Strategen noch alles einfallen lassen im Supermarkt der Zukunft.
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