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Supermarkt-Blog

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Schleichwerbung? Lehne ich ab. Wenn ich heute aber eine bestimmte Supermarktkette herausstelle, dann deshalb, weil es sie hierzulande  gar nicht gibt. Leider nicht, muss ich sagen. Die US-Supermarktkette „Whole Foods Market“ hatte mich schon 1997 beim Erstkontakt  fasziniert. Die gesamte Palette an Bio-Lebensmitteln kombiniert mit dem typisch-amerikanischen Gigantismus und einem kaum zu  überbietenden Service – einfach beeindruckend.

Bis zu 50 Sorten Fleisch, Lebensmittel aus allen Ländern dieser Welt, 15 Salatarten, Dutzende Kaffee- und Teesorten in Holzfässern  drapiert, 700 verschiedene Weine und jede Menge frisch zubereitete Backwaren, Wraps, Salate oder Sushi. Und nahezu alles ist Bio,  sind die „natürlichen“ Lebensmittel einer strengen Auslese unterworfen, die keine künstlichen Zusätze, geschweige denn  genmanipulierte, zulässt. Der Kunde wandelt durch einen Gourmettempel mit freundlichen Farben und bis zu zwei Meter hohen Regalen,  durch die mehrere Einkaufswagen gleichzeitig nebeneinander passen. Vor den zahlreichen Kassen regeln „Traffic Cops“ in  uniformähnlichen Schürzen den Kundenverkehr und anschließend packen Helfer die Waren in Papiertüten, die sie dann sogar noch bis ans  Auto des Kunden bringen.

Bilderstrecke Wer ist die Schönste (Kuh) im ganzen Land?
Muh! Die Nase ist ja schon mal ganz hübsch, aber bis diese Kuh damit bei einem Wettbewerb in Oldenburg Aussichten auf den Sieg als schönste Kuh Deutschlands hat, muss (wie bei menschlichen Models auch) noch einiges getrickst werden. Foto: Friso Gentsch/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++Kuhfriseurin Astrid Ostkämper rasiert erstmal das Fell. Beim Schaulaufen auf der Deutschen Holstein Schau treten rund 250 rot- und schwarzbunte Kandidatinnen traten zur tierischen «Miss Germany» an. Foto: Friso Gentsch/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++Das "Werkzeug" eines Kuhfriseurs liegt in Oldenburg (auf Stroh. Foto: Friso Gentsch/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

 
Solche Superlativen gibt es freilich nur in den USA. Entsprechend amerikanisch-kapitalistisch liest sich der Werdegang von „Whole  Foods Market“: 1978 eröffnete John Mackey zusammen mit seiner damaligen Freundin einen vegetarischen Supermarkt. Zwei Jahre später  entstand durch Zusammenschluss und Beteiligung weiterer Interessenten das heutige Label „Whole Foods Market“. Mit inzwischen 13  Milliarden (9,3 Mrd. Euro) US-Dollar Umsatz (2013), 28.000 Mitarbeitern und 163 Filialen auf dem nordamerikanischen Kontinent  (inklusive Kanada) ist das börsennotierte Unternehmen auch bei Anlegern beliebt. Zumal das Geschäft beständig wächst.

Während reine Biomärkte hierzulande noch nicht so zahlreich – und schon gar nicht so riesig – sind, sprengen die Amis mal wieder alle  Grenzen. Die größte „Whole Foods“-Filiale findet sich – wen wundert‘s – im New Yorker Time Warner Center. Der Tempel dort bietet eine  gigantische Verkaufsfläche von 55.000 Quadratmetern mit bis zu zwei Meter hohen Regalen, 42 Kassen, ein Café mit 248 Plätzen, eine  Pizza-Bar und Sushi-Theke.

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Hier geht's um die Wurst: Das jährliche Hotdog-Wettessen zum Unabhängigkeitstag in New York hat Joey Chestnut, ein 29-jähriger Kalifornier zum siebten Mal in Folge gewonenn.Sonya Thomas stopfte was das Zeug hielt und sicherte sich den Sieg der Damen.Essthetik: Eine schöne Figur machen die Sieges-Anwärter bei dem Fresswettbewerb durchaus nicht.

Organic Food, wie die Amis das Bio-Essen nennen, ist gefragt. Solch enormer Zuspruch in einem Land, das weltweit Vorreiter bei genmanipulierten Lebensmitteln und industrieller Schlachtung ist, mag  verwundern. Amerikaner, die es sich leisten können, 5,10 Euro für 500 Gramm luftgetrocknete Hühnchenbrust oder knapp 9 Euro für eine  Tüte Bio-Kirschen zu bezahlen, treibt jedoch seltener der Wunsch nach nachhaltiger Lebensmittelproduktion und artgerechter  Tierhaltung in die Öko-Feinkost-Tempel. Analysten haben herausgefunden, dass den amerikanischen Biomarktkunden – anders als den  deutschen – weniger eine Weltanschauung antreibt als vielmehr das reine Interesse an gesunder und pestizidfreier Nahrung.

Nun ja – wie kann es das eine ohne das andere geben, möchte ich da einwerfen. Eine bedeutende Biomarktkette muss ein Interesse daran  haben, dass sich die Bedingungen für ihre Lebensmittelproduktion nicht verschlechtern und sich die Anbauflächen vergrößern – wenn sie  selbst weiterwachsen will. Insofern gibt es für „Whole Foods“-Anhänger vielleicht irgendwann auch in Deutschland die Chance auf einen  Einkauf. Ansonsten bleibt ihnen nur ein Trip nach Großbritannien. Auf der Insel gibt es die einzigen europäischen Filialen.
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