Lade Login-Box.
E-Paper
Abo & Service Immo Stellen Trauer

Neulich im Supermarkt

Von Stress in der Kassenschlange ließe sich vermeiden. Aber nichts passiert: Denn verärgerte Kunden kosten nichts.
Einer meiner Kollegen hat sich kürzlich im Supermarkt wieder mal schwer geärgert. „Warum sind die  Kassenbänder so kurz und die Ablageflächen dahinter so klein?“, hat er gefragt. Denn das verlängere die Wartezeit vor der Kasse doch erheblich, weil sich die Kunden in die Quere kommen. Regelmäßig müsse er in einem der modernsten Frankfurter Supermärkte so lange anstehen.

Ein Supermarkt kann noch so modern sein – an den Kassen löst sich dieses Versprechen selten ein. Zumindest aus der Sicht des Kunden. Aus der Perspektive der Betreiber schon: Denn eigentlich beschleunigen die kurzen Kassenbänder das Abfertigen des Kunden sogar, dafür wurden sie ja so kurz gebaut. Möglich machte das die Einführung der Scannertechnik, denn so schnell wie die Ware durch die Kasse rast, kann der Kunde mit dem Einpacken nicht folgen.

Da die Ablagefläche hinter der Kasse so klein ist und der nächste Kunde oft heftig nachdrängelt, ja, einem mitunter schon auf den Hacken steht, bleibt bei größeren Einkäufen nur eines: Erst mal alles zurück in den Einkaufswagen und später in Tüten packen. Bei den Discountern wie Aldi oder Lidl ist das Ende des Kassenbandes schon so beschaffen, dass dem Kunden keine andere Wahl bleibt. Eine Ablage ist eigentlich gar nicht vorhanden.

Techniksoziologen wie Günther Voß weisen darauf hin, dass der Kunde auf diese Weise unter Druck gesetzt wird. Aber auch das Personal an der Kasse. Es muss häufig eine recht hohe Scannerquote erfüllen, wie auch Gewerkschaften beklagen. Wenn Kassierer und Kunde derart aufeinandergehetzt werden, wird das Abfertigen beschleunigt. Da kann sich ein Marktbetreiber auch mal erlauben, nur eine einzige Kasse zu besetzen und so Personalkosten einzusparen. Schließlich kostet ihn die Wartezeit des Kunden ja nichts. Und genau deshalb müssen wir an der Supermarktkasse häufig so lange anstehen.

Ärgerlich für den Kunden. Er fühlt sich dabei gar nicht als König. Warum können denn die Ablageflächen hinter den Kassen nicht deutlich größer sein, so wie in zahlreichen anderen Ländern (wir hatten das hier schon einmal thematisiert)? Warum steht dort niemand, der einem die Waren einpackt? In solchen Supermärkten würde ein Kunde doch immer wieder gerne einkaufen.
Leider ist das kein harter Faktor für einen Supermarktbetreiber. Verärgerte Kunden kosten nichts.

Lösungen oder Ansätze gibt es dennoch, wie zum Beispiel die „amerikanische Warteschlange“. Sie funktioniert nach dem Prinzip: Es gibt nur eine Schlange, an deren Ende die Kunden jeweils an die nächste freiwerdende Kasse geschickt werden.

Schneller komme ich außerdem aus der „Supermarkthölle“, wenn ich meine Ware während des Einkaufs selbst scanne. Dann muss ich die Ware an der Kasse nur noch in Ausnahmefällen (zur Kontrolle) aus dem Wagen nehmen. Auch dieses Thema hatten wir hier schon mal: Nicht alle Supermärkte möchten ihrer Kundschaft einen solchen Scanner anvertrauen oder welche anschaffen. Am besten wären auch RFID-Chips an jeder Ware, da scannt sich an der Kasse alles von selbst und kann zudem im Wagen liegenbleiben.

Bietet der Markt Ihres Vertrauens weder das Eine noch das Andere an, können Sie noch Ihre Einkaufstaktik ändern. Eine Kassiererin gibt dazu hier einige Tipps. Da sieht es so aus, als ob vor allem das Bezahlen die Abfertigung an der Kasse verlangsamt. EC- oder Kreditkarte sind hingegen kein Hindernis. Und: Wer’s eilig hat, sollte sich nicht hinter Senioren oder Müttern anstellen.


Übrigens ist die gefühlte Wartezeit vor einer Kasse (nicht nur Supermarkt) meist länger als die gemessene: So steht jeder Deutsche im Schnitt sieben Minuten an. Das klingt erst mal nicht nach viel. Aber es geht besser: Österreicher warten nur drei Minuten. Aber wer kann schon zum Einkaufen schnell mal nach Österreich fahren?


 
Zur Startseite Mehr aus Peter Schmitt - Supermarkt-Blog

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2016 Frankfurter Neue Presse