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Kosmetik-Gutschein

Ganz Frankfurt unterzieht sich offenbar heimlich und permanent einer Schönheitskur.
Der Besuch bei der Kosmetikerin sollte ja eigentlich pure Entspannung sein. Denkste! (Symbolbild: dpa) Der Besuch bei der Kosmetikerin sollte ja eigentlich pure Entspannung sein. Denkste! (Symbolbild: dpa)
Wellness-Gutscheine haben als Geburtstagsgeschenk einen tiefen Sinn. Bringen sie doch dem Beschenkten eine Erholung von dem Stress, den er ohne Geburtstagsfeier gar nicht gehabt hätte. Und einer dieser wunderschönen Gutscheine, die ich im Februar bekam, war für einen Besuch bei der Kosmetikerin. Wie wunderbar, sich dort im Sessel zu entspannen, sich einer sanften Behandlung zu unterziehen und hinterher besser auszusehen, dachte ich. Natürlich aus Unwissenheit.
 
"Drei Jahre gültig", stand auf dem Gutschein - das schien ein fast unendlich langer Zeitraum. Allerdings nur, bis ich versuchte, einen Samstagstermin zu vereinbaren. "Bis August sieht es ganz schlecht aus", sagte die nette Dame am Telefon. Und nach dem Ausmaß ihres Bedauerns zu urteilen, meinte sie vermutlich August 2016. Denn drei Jahre im Terminkalender einer Kosmetikerin sind wie ein ungetuschter Wimpernschlag.
 
Nächster Versuch, nächster Anruf, nächste Kosmetikerin. Alle sind besetzt, das ist die ungeschminkte Wahrheit. Ganz Frankfurt unterzieht sich offenbar heimlich und permanent einer Schönheitskur. Wer weiß, wie die Menschen hier sonst aussehen würden. Also rufe ich wieder das erste Studio an, für dessen Behandlung ich den Gutschein habe. Ich bettele jetzt fast, biete der netten Dame einen freien Tag in der Woche an, der allerdings schon zwei Wochen später liegt. "Da bin ich bei der Uhrzeit ganz flexibel", säusele ich. Mit Erfolg. Ich werde auf die Warteliste gesetzt.
 
Der freie Tag kommt, ich warte und warte. Kein Anruf, kein Termin. Ich traue mich nicht, etwas zu unternehmen oder mir auch nur ein Mittagessen zuzubereiten, das länger dauert als ein Spiegelei. Es könnte ja kurzfristig ein Termin freiwerden. Wird aber nicht. Gegen Abend fahre ich mit dem Rad zum Studio, die Tür ist verschlossen. "Wir sind gerade in Behandlung", steht darauf. Ich hämmere mit meinen unbehandelten Händen an die Tür. Keine Reaktion. Ich radele resigniert zurück, es beginnt zu regnen. Tropfen perlen auf mein Gesicht - immerhin etwas. Aprilregen soll ja gut für die Haut sein. 
 
Drei Tage später geht im Kosmetikstudio endlich mal wieder jemand ans Telefon. "Können Sie auch am 25. August morgens um 7 Uhr?" fragt die nette Dame. Ich stimme sofort zu, ohne in den Kalender zu sehen. Wenn ich dann Urlaub habe, sage ich eben die Reise ab. Ein Kosmetiktermin ist bestimmt ein Stornierungsgrund - und 7 Uhr eine großartige Zeit. Denn so müde, wie ich dann bin, kann ich eine Stunde später nur besser aussehen - egal, was die Kosmetikerin macht. Außerdem weiß ich erst seit der Terminjagd, wie dringend nötig ich eine Kosmetik-Behandlung habe. Ich habe seitdem nämlich eine neue Zornesfalte. (Pia Rolfs)
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