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Ausschlafen

Sich zu entspannen kann ganz schön stressig sein. Oder ist es mit 44 doch langsam Zeit für den ersten Burnout?
Als Kind hat unsere Bloggerin Pia Rolfs gern, lang und viel geschlafen. (Symbolbild: dpa) Als Kind hat unsere Bloggerin Pia Rolfs gern, lang und viel geschlafen. (Symbolbild: dpa)
Ich bin gerade 44 geworden, da wird es eigentlich höchste Zeit für den ersten Burnout. Viele Freunde und Bekannte können davon schon Spannendes berichten oder stehen nach eigenen Angaben kurz davor. Aber ich bin innerlich noch nicht bereit. Deswegen teste ich jetzt in diesem Blog verschiedene Möglichkeiten, die mich entspannen könnten oder wenigstens davon ablenken, dass ich nicht entspannt bin. Alle 14 Tage werden Sie erfahren, wie das ausgeht. Ganz schön stressig. Einfach und kostengünstig erscheint die erste Methode "Ausschlafen".

Da ich am Sonntag meistens Dienst habe, bleibt dafür der Samstag. Also los! Ich gehe weit nach Mitternacht ins Bett und warte auf das wohlige Gefühl am späten Morgen, das sich im Studentenleben immer eingestellt hat. Bis mittags werde ich es wohl nicht mehr schaffen. Aber beim Ausschlafen kommt es nicht auf die Uhrzeit an. "Liebe bedeutet, niemals um Verzeihung bitten zu müssen", heißt es im Film "Love Story". Ausschlafen bedeutet, niemals auf den Wecker gucken zu müssen. Von wegen! Um 8 Uhr klingelt es an der Tür. Hoffentlich will die Post kein Päckchen abgeben. Ich seufze, steige aus dem Bett und schlurfe gähnend zur Tür. Zu spät. Der Postbote ist weg, das Zehn-Sekunden-Fenster zwischen Klingeln und Zetteleinwurf in den Briefkasten hat sich geschlossen.

Nun muss ich am Montag früher aufstehen, um das Päckchen noch vor der Arbeit von der Post abzuholen. Ein böses Eigentor. Aber so schnell gebe ich nicht auf. Zurück ins Bett, Decke über den Kopf, damit ich den Straßenverkehr nicht höre. Draußen mäht bereits ein hyperaktiver Rasenmäher, Handwerker bohren bei den Nachbarn. Warum gilt Samstag als normaler Werktag für den Lärm, aber als Tag des frühen Ladenschlusses für Postfilialen und kleine Geschäfte? Bereits jetzt holen Menschen Brötchen beim Bäcker, die ich später nicht mehr bekommen werde. Was soll's. Brötchen sind ohnehin nur Kohlenhydrate in Pappform. Um 8.15 Uhr klingelt das Telefon. Freiwillige Frühaufsteher kenne ich nicht mehr, diese Bekanntschaften sind aus biologischen Gründen längst eingeschlafen. Wahrscheinlich handelt es sich um eine übermüdete Freundin mit Kindern.

Warum wird es als naturgegeben angesehen, dass Eltern so früh aufstehen müssen? Ich habe als Kind schon gern lang geschlafen, das kann doch kein Einzelfall sein. Viele Schüler würden bestimmt lieber länger aufbleiben, viele Eltern spätabends einen guten Film sehen. Aber Kindergärten und Schulen zwingen alle Familien brutal zu einem spaßfeindlichen Frühaufsteher-Rhythmus. Jemand müsste mal untersuchen, ob Morgenmuffel überdurchschnittlich oft kinderlos bleiben... ich lasse das Telefon klingeln und schlafe wieder ein. Ein furchtbares Geräusch reißt mich um 8.30 Uhr aus dem Schlaf. Der Wecker! Offenbar habe ich gestern vergessen, ihn auszustellen. Ich ärgere mich so sehr über mich selbst, dass ich hellwach bin. Ausschlafen ist heute nicht mehr möglich. Bestimmt gibt es einen Weg, das Terrorregime der Frühaufsteher zu brechen. Aber ich muss noch mal darüber schlafen. Aus. (Pia Rolfs)
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