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Maniküre

Von Bei mir ist der Lack ab - na endlich!
Lange, lackierte Fingernägel sind ein Hingucker, doch im Alltag leider hinderlich, findet unsere Bloggerin Pia Rolfs. (Symbolbild: dpa) Lange, lackierte Fingernägel sind ein Hingucker, doch im Alltag leider hinderlich, findet unsere Bloggerin Pia Rolfs. (Symbolbild: dpa)
Manche Frauen können Männer angeblich um ihre kleinen Finger wickeln. Aber diese Finger sehen wohl anders aus als meine. Deswegen will ich heute versuchen, mir eine kleine Auszeit vom praktischen Denken zu nehmen - und gehe zu meiner ersten Maniküre.
 
Unvorbereitet bin ich natürlich nicht. Damit die Kosmetikerin Raum hat, um sich kreativ auszutoben, habe ich meine Fingernägel zweieinhalb Wochen lang nicht geschnitten. Sie soll ja etwas zum Gestalten haben, schließlich lese ich immer wieder das Wort "Nageldesign". Das scheint eine neue Kunstform zu sein. 
 
Vor dem Kosmetikstudio setze ich den Fahrradhelm ab - und kratze mich dabei versehentlich selbst, wie so oft in den letzten Tagen. Aua! Überhaupt fühle ich mich mit den langen Nägeln unwohl. Immer wieder höre ich im Geiste meine alte Klavierlehrerin. Wenn mich als Kind an den Tasten abmühte und an meinem Nagel nur ein halber Millimeter weißer Streifen zu sehen war, fuhr sie mich an: "Es klackert!" Übrigens war diese gestrenge Dame - endlich kann es einmal ganz zufällig nebenbei erwähnen - auch die Klavierlehrerin von Wigald Boning. Ich muss bei seiner nächsten Sendung unbedingt auf seine Fingernägel achten.
 
Langer Nägel kurzer Sinn aber ist: Sie müssen manikürt werden. Die Kosmetikerin betrachtet meine Finger schon beim Handschlag mit Expertenblick. Sie erkennt vermutlich sofort das laienhafte Wachstum meiner designunwilligen Nägel. Welche Farbe ich denn möchte, fragt sie. Ich will Rot. Wenn schon, denn schon. French Manicure sieht so natürlich aus, dass am Ende gar keiner den Unterschied bemerkt. Und Eiscreme-Töne sind etwas für Teenager.
 
Nach einer Viertelstunde Bemalen mit verschiedenen Schichten sehen meine Fingernägel schön aus. Und sehr, sehr fremd. Das trifft sich auch gut, weil ich sie vorerst nicht bewegen darf. Damit der Lack trocknen kann, darf  ich die Zeitschriften-Seiten nur mit der flachen Hand umdrehen. Später wird mir vorsichtig in den Mantel geholfen wie einer Kranken. "Machen Sie die nächste halbe Stunde lieber nichts", rät die Kosmetikerin. Nichts!! Dieser Gedanke stresst mich bereits so, dass ich mich unmöglich erholen kann.
 
Immerhin wird mir jetzt klar, dass Luxusweibchen nicht freiwillig faul sind. Einmal lackiert, können sie gar nicht anders. Kann doch fast jede Tätigkeit den Lack angreifen. Für mich allerdings, die ich weiterhin in Büro und Haushalt arbeiten muss, sind die Nägel nun ein neuer Stressfaktor. Ich sorge mich um sie, wenn ich putze. Ich kann sie nicht mehr unbefangen zum Öffnen meines Shampoo-Klappdeckels nutzen. Und ich höre sie auf der Tastatur meines Computers. Es klackert.
 
Nach vier Tagen entdecke ich den ersten schweren Lackschaden am Nagel. Ein Auffahrunfall mit dem Shampoo-Deckel. Endlich! Freudig greife ich zu Nagellackentferner und Nagelknipser, bringe die Finger in ihren Urzustand zurück. Ich bin eben 44, und der Lack ist ab. Was für ein Glück!
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