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Auszeit-Blog

Von Diesmal: Ich habe ein Bad Hair Life! Ein Frisörbesuch ist für mich purer Stress.
Wer glaubt, beim Frisörbesuch ging es um die Kundin, der irrt: Schließlich wollen sich auch Frisörinnen mal ihren Frust von der Seele reden... (Foto: dpa) Wer glaubt, beim Frisörbesuch ging es um die Kundin, der irrt: Schließlich wollen sich auch Frisörinnen mal ihren Frust von der Seele reden... (Foto: dpa)
Männer denken, es ginge bei einem Frisörbesuch tatsächlich ums Haareschneiden. Dabei hat er für Frauen eine viel wichtigere Funktion: Er strukturiert das Leben. Denn egal, ob Abiball, Hochzeit, Trennung oder Vorstellungsgespräch anstehen - immer denkt eine Frau sofort: Ich muss vorher noch zum Frisör. Schließlich heißt es ja nicht umsonst Lebens-Ab-Schnitt. Und zwischen diesen Ereignissen gibt es natürlich noch viele weitere Frisörbesuche. Zur Erholung.
 
Als ich heute im Salon ankomme, ernte ich allerdings erst einmal strafende Blicke. Mein Haar ist vom Fahrradhelm zerdrückt, den ich als Beweisstück auch noch in der Hand halte. Das zeigt mangelndes Frisurbewusstsein. Ich sehe wahrscheinlich aus wie der Schluck Wasser, den die Auszubildende mir anbietet. Aber was soll’s. Ich habe eben nicht nur einen Bad Hair Day, sondern ein Bad Hair Life.
 
Seufzend bindet die Frisörin mir den Umhang um. Ich darf am Waschbecken Platz nehmen. Mit zurückgelegtem Kopf genieße ich dort die Haarwäsche. Sanft wird das fruchtig duftende Shampoo einmassiert. Die leichte Kopfhautmassage entspannt mich so, dass ich fast einschlafe. Das Beste: Ich muss nichts sagen - außer zur Wassertemperatur-Frage: "So angenehm?" Jaaa….
 
Leider dauert die Haarwäsche nicht ewig. Zurück auf dem Stuhl fühle ich mich genötigt, die Frisörin zu fragen: "Wie geht's?" Ich hätte es besser wissen sollen. Denn danach ergießt sich ein Redeschwall auf mich, der die kurze Erholung am Waschbecken wieder zunichte macht.
 
Es stimmt nämlich keinesfalls, dass alle Frauen zum Frisör gehen, um sich dort auszuquatschen. Ich würde gern schweigend die Minuten genießen, in denen ich selbst nichts tun muss. Am besten noch die Augen schließen, da ich nach dem Absetzen der Brille den Schnitt ohnehin nicht mehr kontrollieren kann. Doch das geht leider nicht.
 
Denn seit Jahrzehnten teilen meine Haarkünstler ihr Liebesleben mit mir. Die schöne Frisörin damals an meinem Studienort wurde kurz vor Silvester verlassen. Das wurde lange aufgearbeitet. In Frankfurt verlor ich einen Frisör, der wegen seiner vielen Frauengeschichten ständig Termine absagte  - er besetzte offenbar die gefragte Marktlücke "heterosexueller Haarstylist". Jetzt bin ich in den Händen einer Partnersuchenden mit Kinderwunsch. Über ihre Erlebnisse mit Männern würde ich gern fassungslos den Kopf schütteln. Aber diese Bewegung könnte mich mein Ohr kosten. Und das wird leider gebraucht. Immer noch…
 
Nach  20 Minuten intensiven Zuhörens stehen mir die Haare zu Berge. Es könnte allerdings auch am Spray liegen. Mit hochgepuschelter Frisur verlasse ich den Frisörsalon. Sobald ich außer Sichtweite bin, setzte ich meinen Fahrradhelm auf. Dabei sollte mich ein Ableben im Straßenverkehr heute eigentlich weniger schrecken als sonst. Schließlich war ich vorher noch beim Frisör.
 
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