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Auszeit-Blog

Von Diesmal: Ich war naiv, zu glauben, dass der Handwerker wirklich pünktlich kommt.
Lieber selber machen: Unsere Bloggerin Pia Rolfs wartet auf den Handwerker. (Symbolbild: dpa) Lieber selber machen: Unsere Bloggerin Pia Rolfs wartet auf den Handwerker. (Symbolbild: dpa)
Früher hasste ich es, auf Handwerker zu warten. Weil ich die falsche Einstellung hatte. Dachte ich doch ungeduldig an so weltliche Dinge wie Termine, Reparaturen und Kosten. Dabei geht es um etwas ganz anderes: um erzwungenes Nichtstun. Also eine Auszeit.
 
Das klingt abstrakt und esoterisch? Na gut, ich werde konkret. Vorige Woche wartete ich morgens auf einen Handwerker. Es war bereits der dritte vereinbarte Termin zum Beurteilen eines Schadens, der durch zwei seiner Mitarbeiter sechs Wochen vorher entstanden war. Zwei Termine zwischendurch waren abgesagt worden. Immer erst am Vorabend, immer auf dem Anrufbeantworter, immer mit Bedauern. Aber jetzt sollte es klappen. Ganz bestimmt.
 
Um sicherzugehen, wollte der Handwerker zwei Stunden kommen, bevor ich selbst zur Arbeit musste. Einen Urlaubstag oder freien Tag – wie etwa für den Ableser üblich – konnte ich mir diesmal nicht nehmen. Aber der Zeitpuffer schien groß genug. Deswegen stand ich deutlicher früher auf als sonst, frühstückte lange, wurde schon wieder müde, und es geschah... NICHTS. Kein Lärmen im Flur, kein Klingeln an der Tür, kein Anruf. Die Welt stand vollkommen still. Ich rief beim Handwerker an, niemand meldete sich.
 
Immer wieder drückte ich reflexartig die Wahlwiederholung auf dem Telefon, doch ansonsten blieb ich sitzen. Völlig tatenlos. Ich traute mich nicht, zu putzen, die Wäsche auf dem Dachboden aufzuhängen oder das Altpapier wegzubringen. Denn er könnte ja doch noch kommen - und dann wäre ich schuld am verpassten Termin. Ich saß also herum, ohne irgendetwas zu tun und schließlich sogar, ohne etwas zu denken. Das habe ich in drei Jahren Yoga noch nicht fertiggebracht. Ist das schon Zen-Buddhismus?
 
Als der Handwerker zurückrief, wollte ich gerade zur Arbeit aufbrechen. Es sei wieder etwas dazwischengekommen, meinte der stets freundliche Mann. Ob jetzt noch Zeit genug sei? Ich überlegte kurz und sagte ja. Man muss die Arbeit auch mal loslassen können – genau so wie das eigene Geld, ursprüngliche Pläne und den Gedanken an eine intakte Wohnung. Und wer keinen Handwerker bestellt, lernt das eben nie.
 
Das Großartige aber ist: Für diese persönliche Weiterentwicklung gibt es immer mehrere Chancen. Denn jeder Handwerker-Besuch zieht weitere Handwerker-Besuche nach sich. Weil entweder gepfuscht wird oder neue Probleme auftauchen. Auch ich durfte, welch Glück, wieder einen neuen Termin ausmachen. Und ich warte jetzt schon sehnsüchtig aufs Warten.

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