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Auszeit-Blog

Von Pia Rolfs beim Klassentreffen: Eine Nacht, um 25 Jahre aufzuholen.
Ganz so antik wie dieses Bild von 1946 sehen Klassenfotos von Pia Rolfs (Abi-Jahrgang 1988) immerhin noch nicht aus. (Symbolbild: dpa) Ganz so antik wie dieses Bild von 1946 sehen Klassenfotos von Pia Rolfs (Abi-Jahrgang 1988) immerhin noch nicht aus. (Symbolbild: dpa)
Es gibt doch eine Zeitmaschine. Manchmal verbirgt sie sich hinter dem schnöden Namen ICE und fährt zum Ort eines Klassentreffens. Genauer gesagt (Achtung! Rückschlüsse auf mein Alter sind für Mathematik-Genies jetzt möglich!) zum Treffen "25 Jahre Abitur". Und ist das erholsam? Eine schwierige Frage.
 
Schon Wochen vorher habe ich Alpträume. Nicht, weil die Schulzeit so schrecklich war. Sondern weil ich den Zeitsprung fürchte. Wird es sein, als seien 25 Jahre wie weggewischt? In meinen Träumen muss ich noch einmal Abitur machen, irgendein Fach wurde versehentlich nicht geprüft, ich bin in der nordwestdeutschen Heimatstadt und der Vergangenheit gefangen, kann nicht mehr zurück. Ein schrecklicher Gedanke.
 
Und als es so weit ist, bin ich tatsächlich gefangen. Aber nur hinter einem Café-Tisch, an den sich so viele frühere Mitschüler gequetscht haben. Ich sitze mit ihnen erst dort, dann in einem Restaurant, dann nachts in einer Bar. Wir reden, reden, reden – für ein kurzes Lebens-Update nach 25 Jahren (und keine Sorge, Christian Sch., ich nenne keine Namen). Viele sehe ich zum ersten Mal wieder. Denn anders als die Facebook-Smartphone-Generation haben wir uns zwischendurch nicht über die Ereignisse und Belanglosigkeiten unseres Lebens ausgetauscht. Wir haben uns manchmal aneinander erinnert, das hat uns gereicht.
 
Das Wiedererkennen war trotzdem nicht schwer. Die Schnapszahl unseres Abiturjahrgangs 88 hat uns offenbar gut konserviert. Die meisten sehen fast so aus wie früher, nur um ein paar Augenfältchen bereichert – und um viele Lebenserfahrungen. Wo früher Cliquen und Coolness-Grade eine Rolle spielten, überwiegen jetzt die Gemeinsamkeiten. Wir sind die Generation, die noch Klassenfahrten ins geteilte Berlin machte, die Tätowierungen blöd findet und Zeitungen auf Papier lesen will. Wir sind "Old School" und damit altmodisch glücklich.
 
Als dann in der Kneipe um 2 Uhr nachts plötzlich "Our House" von "Madness" gespielt wird, lasse ich den Zeitsprung geschehen. Ich bin wieder Teenager, aber mit dem Wissen und Selbstbewusstsein von heute. Was für ein Gefühl.
 
Am nächsten Morgen blicke ich in den Spiegel. Ein schwerer Fehler. Denn was mir dort müde entgegenblickt, ist definitiv kein Teenager. Die kurze Nacht hat ihre Spuren hinterlassen, ein weiteres Augenfältchen scheint sich seinen Weg am Tränensack vorbei durch mein Gesicht zu bahnen. Aber, gestählt von der Zeitreise, kann ich das jetzt sogar positiv sehen: Ich bin einfach so alt und so cool, dass ich mir meine Erholung äußerlich nicht mehr anmerken lasse.
 
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