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Auszeit-Blog

Von Unsere Bloggerin sucht in der Natur Entspannung. Wenn das mal gut geht!
Wer hat eigentlich den Irrglauben in die Welt gesetzt, ein Herbstspaziergang sei entspannend? Das fragt sich unsere Bloggerin Pia Rolfs. (Foto: dpa) Wer hat eigentlich den Irrglauben in die Welt gesetzt, ein Herbstspaziergang sei entspannend? Das fragt sich unsere Bloggerin Pia Rolfs. (Foto: dpa)
"Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah" - wenn Gedichtzeilen wie diese von Friedrich Hebbel im Gedächtnis plötzlich aufpoppen, ist es Zeit für einen Herbstspaziergang. Vielleicht kann ich mich beim Anblick von bunten Blättern und Kastanien ja erholen, denke ich gedichtumnebelt. Was für ein Irrtum.
 
Denn der Haken am Herbstspaziergang ist: Dieser bietet sich vor allem bei schönem Wetter an, und dann kommen sehr viele Menschen auf diese Idee. Sie drängen sich in Park und Wald, und jeder hat unterschiedliche Vorstellungen vom Spazierengehen. Vor allem von seinem Tempo.
 
Als eine Frau, die beruflich hetzt und zum Ausgleich joggt, lege ich vor allem Wert auf den Wortbestandteil "Gehen". Mit flottem Schritt lege ich schließlich weitere Strecken zurück und sehe mehr. Zudem würde ein plötzliches Abbremsen der hohen Alltagsgeschwindigkeit meinen gesamten Organismus irritieren und meiner Psyche vielleicht fälschlich signalisieren, ich sei schon tot. Leider stehe und gehe ich mit meiner Meinung heute allein.
 
Die meisten Spaziergänger schlendern nämlich aufreizend langsam, verhindern jegliches Überholen und bleiben immer wieder unmotiviert stehen. Erwachsene Blätter- und Kastaniensammler knien plötzlich mitten auf dem Weg entzückt nieder, so dass ich fast über sie stolpere. Fremde Hunde mit matschigen Pfoten springen begeistert an meiner hellen Hose hoch. Und natürlich ist es lobenswert, wenn Menschen mit starkem Übergewicht überhaupt spazierengehen. Aber warum zu mehreren und nebeneinander? Möchten sie eine Mauer bilden gegen das Schlankheitsdiktat? Leider kann ich nicht fragen, denn ich komme nicht vorbei. Ich ärgere mich, will es verbergen und bin gestresst.
 
Vielleicht sollten auf Park- und Waldwegen mehrere Spuren für unterschiedliche Geschwindigkeiten eingerichtet werden. Rechts schlendern, in der Mitte flott gehen, links joggen, das müsste doch möglich sein. Zudem ist es dringend erforderlich, im Herbst ein neues Warnschild aufzustellen: "Achtung, Kastaniensammler kreuzen den Gehweg."
 
Am Ende des Herbstspaziergangs bin ich vom Müßiggang der anderen erschöpft. Das ständige Abbremsen war einfach zu anstrengend. Aber immerhin tröste ich mich mit dem Gedanken, dass ich zurücknerven kann. Denn morgen gehe ich wieder joggen – und dabei bin ich die Langsamste.

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