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Auszeit-Blog

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Wenn die Kellnerin gute Laune hat, wird auch der Kaffee mal nachgeschenkt. Darauf verlassen kann unsere Bloggerin Pia Rolfs sich aber leider nicht. Foto: Archiv Wenn die Kellnerin gute Laune hat, wird auch der Kaffee mal nachgeschenkt. Darauf verlassen kann unsere Bloggerin Pia Rolfs sich aber leider nicht. Foto: Archiv
Urlaub ist Erholung? Ein weit verbreiteter Irrtum. Für manche Reisenden bedeutet es Abenteuer, ein Zusammenprall der Kulturen, ein Kampf ums Überleben, ein Test für die familiäre Harmonie. Und all das nur beim Hotel-Frühstück.
 
So verschwindet der Gedanke an entspanntes Ausschlafen meistens schon am Vorabend, wenn die freundliche Dame beim Einchecken verrät: „Frühstück bis zehn Uhr.“ Das bedeutet im Klartext: Wer bis neun Uhr nicht im Frühstücksraum sitzt, hat den Kampf um knusprige Brötchen, Obst oder kleine Gebäckteilchen schon verloren. Die Konkurrenz schläft nicht. Jedenfalls nicht so lange.
 
Schlaftrunken torkele ich daher am nächsten Morgen um kurz vor neun in den Frühstücksraum, wie so oft der unattraktivste Raum des ganzen Hotels. Denn die Gäste haben hier ohnehin nur noch Augen fürs Essen. Zumal die morgendliche Mahlzeit extra bezahlt werden muss. Laut einer Umfrage von hotel.com ist das im Preis eingeschlossene Frühstück inzwischen das beliebteste Hotel-Extra. Vermutlich weil es so selten geworden ist.
 
Die Tische in strategisch günstiger Nähe zum Buffet sind natürlich längst weg, der Weg zu Aufschnitt und Bircher-Müsli lang. Meine Begleitung und ich müssen daher abwechselnd unsere Teller füllen, während der am Tisch Zurückgelassene sich um den Kaffee kümmert.
 
Das klingt leichter als gedacht. Entscheiden sich Hotels doch nur zwischen drei Möglichkeiten. Erstens: Der Kaffee wird in einem seltenen Gnadenakt gelegentlich in die Tasse gegossen, wenn die Kellnerin bei ihrem Spaziergang mal zufällig vorbeikommt. Zweitens: Eine riesige Kanne wird auf den Tisch gestellt, deren Inhalt in einem früheren Leben mal Kaffee war. Drittens: Der Gast darf versuchen, sich den Kaffee in einer hochmodernen Maschine ohne Gebrauchsanweisung selbst zuzubereiten, meistens zischt am Ende ein anderes Getränk heraus.
 
Bei diesem Stress ist es kein Wunder, dass wir uns gar nicht wirklich unterhalten können – zumal wir fast nie gleichzeitig am Tisch sitzen. Immerhin bleiben gehaltvolle Dialoge wie: „Ist inzwischen wieder Rührei da?“ – „Ach, das war Rührei?“
 
Nach fünf Buffetgängen jedoch bin ich abgehärtet - für das Schlangestehen vor Sehenswürdigkeiten, für den weiteren Umgang mit Servicepersonal, für jede Art von  Abzocke am Urlaubsort. Und ich weiß jetzt: Wen das Hotel-Frühstück nicht umbringt, den macht es stärker. Vor allem am Bauch.
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