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Bitte nicht stören!

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Manchmal wünschte ich mir, das ganze Leben wäre ein Hotelzimmer. Nicht etwa, weil dort so aufregende Abenteuer passieren. Sondern weil der Gast an die Tür dieses Zimmers ein Schild hängen kann: „Bitte nicht stören“.

In anderen Bereichen des Lebens hat sich diese gute Sitte leider nicht durchgesetzt – obwohl sie dort viel dringender nötig wäre. Wie gern würde ich mir manchmal bei der Arbeit dieses Schild übers Ohr hängen, wenn ich gerade in einen Artikel vertieft bin. Wie schön wäre es, im Wartezimmer damit redselige Mitpatienten abzuhalten. Auch die sinnlosen Ansagen im Zug über die aktuellen kulinarischen Zumutungen im Bordrestaurant würde ich so gern damit stoppen.

Unerwünschtem Smalltalk könnte ich ebenfalls auf diese Weise vorbeugen. Manche Kunden möchten sich ja vielleicht beim Frisör, bei der Kosmetikerin oder bei einer Massage gern pausenlos unterhalten. Ich aber würde am liebsten abschalten, meinen Gedanken nachhängen und davon wieder abschalten. Sind die Haare so richtig geschnitten? Vielleicht nicht. Aber bitte nicht stören.

Sollte ich jedoch zur Abwechslung mal in Plauderstimmung kommen, bräuchte ich den Hinweis  immer noch. Denn wenn ich weit ausholend aus meinem Leben erzähle oder mal so richtig Dampf ablasse, möchten manche Mitmenschen mich irgendwann unterbrechen. Dann aber verliere ich in meinem hohen Alter von 45 leicht den Faden und kann anderen vielleicht nicht mehr effektiv auf die Nerven gehen. Ein schlimmer Gedanke! Also bitte nicht stören!  Und falls jemand meine Erholungsversuche per Hotelzimmer-Schild seltsam findet, darf er das ruhig. Allerdings nur mit Betonung auf „ruhig“.
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