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Mein Leben in Schanghai

Kulturschock? An der Universität in Schanghai ist davon nichts zu spüren...
Trotz der enormen kulturellen Unterschiede zwischen Deutschland und China, die im Alltag offensichtlich sind, fällt der Kulturschock in der Universität sehr bescheiden aus. Die Anforderungen ähneln denen in Deutschland, allerdings fühlt man sich in den kleinen Klassenräumen mit winzigen Tischen und Stühlen doch etwas eingeengt. Auch das Konzept der Anwesenheitspflicht ist eher aus der Schule in Erinnerung geblieben und reflektiert die Arbeitseinstellung der meisten Chinesen.

Die Universität wird hier nicht vorrangig, wie teilweise in Deutschland der Fall, als relativ entspannter Lebensabschnitt voller neuer Erlebnisse gesehen, sondern dient zuallererst als Mittel zum gesellschaftlichen Aufstieg. Trotz des enormen Wirtschaftswachstums der vergangenen Jahrzehnte sind die meisten Chinesen noch immer stark eingeschränkt in ihren finanziellen Möglichkeiten. Dies ist sicherlich ein Grund dafür, dass chinesische Studierende die Universität sehr ernst nehmen.

Auch die Unterrichtseinheiten sind ähnlich aufgebaut wie in Deutschland in der Schule, allerdings ist ein Semester mit einer Länge von zwölf Wochen recht kurz. Der Arbeitsaufwand ist recht gleichmäßig verteilt: Während des Semesters müssen zahlreiche Präsentationen, Essays und Gruppenarbeiten absolviert werden, dafür schreibe ich am Ende des Semesters aber weniger Klausuren als in Deutschland.

Besonders interessant ist der kulturelle Austausch mit den chinesischen Studierenden. Obwohl vor allem Mädchen häufig recht zurückhaltend sind, kommt es immer wieder vor, dass wir über Leben und Kultur in Deutschland geradezu ausgefragt werden. Das empfinde ich aber keinesfalls als störend, sondern vielmehr als tolle Gelegenheit, den Chinesen einen Eindruck von deutscher Kultur und Lebensweise zu vermitteln. Im Gegenzug wird uns jede Frage, die wir zur chinesischen Kultur haben, bereitwillig und ausführlich beantwortet.

So nahmen sich meine Kommilitonen sehr viel Zeit, die verschiedenen Legenden rund um das "Mid-Autumn-Festival" anschaulich zu erklären. Hierbei handelt es sich um ein traditionelles chinesisches Erntefest, welches am 15. Tag des achten chinesischen Mondmonats (meistens im September) gefeiert wird. Wichtiger Bestandteil dieser Tradition ist das Anbeten der Mondgöttin Chang’e sowie die Zusammenkunft der Familie, um das Ende der Erntezeit zu zelebrieren.

Zu diesem Anlass haben die chinesischen Studenten für uns Gaststudenten Mondkuchen, ein während der Zeit des Mittherbstfestes besonders populäres chinesisches Gebäck mit unterschiedlichen Füllungen wie zum Beispiel Lotussamen, Melonen oder Mandeln, bereitgestellt und uns die traditionelle Bedeutung des Festes für die chinesische Kultur erklärt.
 
 
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