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Mein Leben in Schanghai

Raphael Iltisberger studiert in Schanghai - und spielt dort auch Fußball gegen die chinesischen Freunde.
Mittlerweile bin ich schon seit nahezu zwei Monaten in Shanghai, allerdings kommt es mir viel kürzer vor. Das Wetter wird jetzt langsam kälter, obwohl tagsüber noch immer Temperaturen von deutlich über 20 Grad erreicht werden, und der Aufwand für die Universität wird immer höher. Die Abgabetermine für zahlreiche Essays, Hausarbeiten und Präsentationen rücken näher, auch die Klausuren stehen bald an. Trotzdem sind in den letzten Tagen wieder viele tolle Sachen passiert, ich habe viel erlebt und gelernt.

Ein ganz besonderes Highlight war sicherlich das Fußballspiel zwischen deutschen Studenten und chinesischen Studenten aus Hongkong. Vor einigen Wochen kamen einige Kommilitonen mit diesem Vorschlag auf uns zu, den wir natürlich sofort begeistert annahmen. Wir erwarteten anfangs ein Fußballspiel in kleinem Rahmen, aber was unsere Mentoren zur Vorbereitung auf das Spiel unternahmen, hat meine kühnsten Vorstellungen übertroffen.

Zunächst besorgten sie uns Deutschland-Trikots mit unseren chinesischen Vornamen, dann druckten sie zahlreiche Plakate und Flyer und schließlich wurde das Spiel sogar in einem lokalen Radiosender beworben. Natürlich waren wir am Spieltag entsprechend motiviert, da ungefähr 200 Zuschauer gekommen waren. Selbst die Nationalhymnen wurden vor dem Spiel gespielt. Trotz zahlreicher Torchancen auf beiden Seiten gab es erst im Elftmeterschießen eine Entscheidung.

Glücklicherweise verlieren deutsche Mannschaften recht selten ein Elfmeterschießen und so konnten wir den eigens angefertigten Pokal kurz darauf in die Höhe stemmen. Selbstverständlich musste dieser Sieg entsprechend gefeiert werden, was wir im Paulaner Brauhaus taten, wo an diesem Abend ein Oktoberfest mit bayrischer Band und bayrischen Bier stattfand. Da auch die Gäste überwiegend Deutsche waren, kam ich mir beinahe wie in der Heimat vor.

Nach diesem Abend voller deutscher Kultur war es am nächsten Tag wieder Zeit, tiefer in die chinesische Kultur einzutauchen, was wir mit einem von der Universität organisierten zweitägigen Ausflug nach Hangzhou taten. Hangzhou, das ungefähr 200 Kilometer südlich von Schanghai entfernt liegt, ist bekannt für den zum UNESCO-Weltkulturerbe zählenden Westsee, der mit zahlreichen Inseln, auf denen sich Pagoden, Gärten und Teiche befinden, lockt.

Als erstes bestiegen wir dort die fast 60 Meter hohe „Six harmonies pagoda“. Von dieser Pagode, die im 10. Jahrhundert erstmals von buddhistischen Mönchen angelegt wurde, um sie als Leuchtturm benutzen zu können, hat man einen wundervollen Ausblick. Auf der einen Seite befindet sich der Fluss Qiantang mit der Skyline von Hangzhou, auf der anderen Seite ein großer Wald. Was zunächst langweilig klingt, übte auf mich allerdings eine große Anziehungskraft aus, denn dieser Wald war tatsächlich der erste, den ich seit meiner Ankunft in China gesehen habe.

Am Abend dieses Tages besuchte unsere Gruppe die „West Lake Impression“. Um den Westsee ranken sich zahlreiche Mythen und Legenden, von denen eine in der Aufführung dargestellt wird. Das Besondere an dieser Aufführung ist, dass sie fast komplett auf dem Wasser stattfindet. Die Darsteller bewegen sich, das vermute ich zumindest, über eine sich knapp unter der Wasseroberfläche befindende Plattform, so dass es aussieht, als würden sie sich über das Wasser des Sees bewegen. Wie nur mit Musik, Beleuchtung und den Bewegungen der Darsteller eine mitreißende Geschichte vor einer unglaublich idyllischen Kulisse erzählt wird, das ist große Kunst und in dieser Form wohl nirgendwo sonst zu beobachten.
 
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