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Geheimrezept

Von Er schrieb den Schauspielern ihre Rollen auf den Leib: Danke, Wolfgang Kaus!
FNP-Blogger Thorsten Wszolek (links) zusammen Wolfgang Kaus und Margit Sponheimer. (Foto: Wszolek) FNP-Blogger Thorsten Wszolek (links) zusammen Wolfgang Kaus und Margit Sponheimer. (Foto: Wszolek)
Es war einmal ein Volkstheater… Damit könnte der Blog-Beitrag eigentlich enden. Tut er aber nicht! Weshalb nur? Am Samstag schloss sich am Volkstheater – Liesel Christ im großen Hirschgraben der Vorhang für immer. Was viele nicht wissen: Das war mein erster Arbeitsplatz. Ich hatte das große Glück, in den Jahren 1989/90 zunächst als Praktikant, später als Mini-Rollendarsteller (ich war damals 15!) neben den Menschen lernen und arbeiten zu dürfen, die lange Jahre mit ihrer Persönlichkeit das Volkstheater nach außen präsentiert haben.

Allen voran Liesel Christ persönlich und all die Publikumslieblinge, die sie im Laufe der Jahre zusammen mit ihrem künstlerischen Leiter, Wolfgang Kaus, aufgebaut hatte: Hans Zürn, Walter Flamme, Charlotte Mohr, Kurt Kirch, Dieter Schmiedel und Erich Walther. Viele davon waren niemals richtige, ausgebildete Schauspieler, aber sie hatten Charme, Charisma und spürbare Leidenschaft. Und sie hatten eines: Die wundervollen, ihnen auf den Leib geschriebenen Bearbeitungen von Wolfgang Kaus. Kein anderer kannte sie so gut wie er.

Was viele niemals bemerkt haben und nie bemerken konnten, ist folgendes Geheimrezept: Wolfgang Kaus übertrug die Theaterstücke nicht nur ins Frankfurterische und färbte die Rahmenhandlung mit lokalen Bezügen. Nein, so einfach war es nicht. Er muss vorher wochenlang nachgedacht haben, wer wohl aus seinem ihm zur Verfügung stehenden Ensemble welche Rolle übernehmen könnte. Auf deren Leib schrieb er dann jeden einzelnen Part mit dem Ergebnis, dass das Publikum die Menschen auf der Bühne als äußert natürlich empfand. Großartige Qualitäten in Bezug auf Menschenführung, bei den Darstellern das zu formen und fördern, was sie ohnehin sind und gut können.

Viel zu viele Dinge im Leben scheitern daran, dass es andere Menschen besser gekonnt hätten als man selbst. Darüber hinaus deckte Wolfgang Kaus mit der Auswahl seiner Stücke überhaupt ein Spektrum ab, das sein Beispiel sucht. Da konnte innerhalb einer Saison sowohl ein Schwank von Arnold und Bach, etwa „Die spanische Fliege“, auf dem Programm stehen, dann etwas Zeitgenössisches wie „Stinkwut“ von Fitsgerald Kusz, und im Sommer Openair ein Goethe, Shakespeare oder Goldoni, gefolgt von der Lokalposse „Alt-Frankfurt“ von Stoltze. Einige Zuschauer sahen alles, andere wiederum fanden genau ihre Sparte irgendwo im Spielplan.

Mit dem Tod vieler der oben genannten Schauspieler und schließlich dem Ende der Kaus-Ära vor mehreren Jahren hat eigentlich der Abschied vom Volkstheater begonnen – auf Raten! Alles, was danach kam, war der verzweifelte Versuch, das Thermometer herunter zu reiben, um behaupten zu können, das Fieber sei weg. Was bleibt ist, danke zu sagen. Danke, Liesel Christ, für diese wundervolle Idee, und ganz besonders: Danke, Wolfgang Kaus! Ich habe viel von Dir gelernt.

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