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Kultursubventionen

Von Schon vor Jahren war mir schleierhaft, wie all die Theater mit vollen Sälen ausgelastet sein wollen.
Heinz Rühmann kannte früher jedes Kind. Heute gehen die Geschmäcker doch sehr auseinander, findet FNP-Blogger Thorsten Wszolek. (Foto: dpa) Heinz Rühmann kannte früher jedes Kind. Heute gehen die Geschmäcker doch sehr auseinander, findet FNP-Blogger Thorsten Wszolek. (Foto: dpa)
Zunächst einmal möchte ich mich bedanken für die vielen Zuschriften in Bezug auf meine Blogs. Ich bin erstaunt und erfreut, dass meine Meinung so viel Gehör und Beachtung finden.

Speziell auf meinen letzten Blogbeitrag „Kulturwüste Rhein-Main“ wurde ich häufig angesprochen mit der Bitte, nicht nur den Zustand zu beschreiben, sondern auch Vorschläge zu machen, wie Subventionen im Bereich Kultur in Zukunft aussehen müssten. Dies möchte ich mit diesem neuen Blogbeitrag gerne tun.

Kurztext für Nervöse:
a) Zu viel Angebot, b) zu hohe Gagen, bzw. Gehälter und c) immer größer werdende Geschmacksunterschiede beim Publikum.

Ausführliche Antwort für stark Interessierte:
Dass „die Kultur“ in Deutschland tief verwurzelt ist, ein Stück weit unsere Mentalität ausmacht und forderungspflichtig ist, steht (so denke ich) nirgendwo ernsthaft zur Debatte. Vielmehr geht es wohl um das „wie“.

Natürlich ist es wichtig, dass der Staat zum einen via Rundfunkabgabe (ehem. GEZ) lokale und regionale Sendeanstalten und steuerfinanzierte Opern- und Schauspielhäuser betreibt, zum anderen private Initiativen (Beispiel Claus Helmer, Gisela Dahlem-Christ, Michael Quast, etc.) unterstützt und den Bürger in nahezu jeder Gemeinde durch ein Bürgerhaus oder eine Stadthalle kulturelle Veranstaltungen vor Ort bringt. Durch das Engagement des Staates werden somit die Besuche in den sogenannten Musentempeln für die breite Masse finanziell erschwinglich gemacht.

Meines Erachtens wird aber dieses „Überangebot“ auf Dauer umgewandelt werden müssen in  ein (nennen wir es einmal) „Angebot“. Mir ist bereits vor Jahren schleierhaft gewesen, wie auf Dauer (damals stand die Schließung des Volkstheater noch nicht zur Debatte) eine Komödie, ein Fritz-Rémond-Theater, ein Volkstheater PLUS Fliegende Volksbühne (Michael Quast) PLUS die Komödien-Gastspiele in den umliegenden Stadthalle nebeneinander und parallel mit vollen Sälen ausgelastet sein wollen.  

Mein Mund Art Theater spielt jedes Stück zwischen 2 und 6 Vorstellungen in der Hugenottenhalle Neu-Isenburg und rekrutiert hierbei 500 – 700 Zuschauer pro Auftritt. Unsere Produktion DINNER FOR ONE – KILLER FOR FIVE haben an vier Tagen mit insgesamt sechs Vorstellungen 3.500 Zuschauer gesehen. Damit ist meines Erachtens die Fahnenstange erreicht. Danach gehen wir mit unseren Produktionen aufs Land, wo das Publikum sehr dankbar ist, dass wir vor Ort kommen. Gerne und häufig sind wir in Gelnhausen, Bruchköbel, Weinheim, Rodenbach, Schwalbach, Wallau, Mörfelden-Walldorf  – um nur einige wenige zu nennen.

Im Klartext: Ich bezweifele, dass man in einer Stadt wie Frankfurt nebeneinander Stücke für eineinhalb bis drei Monate spielen kann. Wo soll denn das ganze Publikum herkommen? Das Ohnsorg-Theater spielt im Jahr zwölf Produktionen, die allesamt nur vier Wochen laufen - mit dem Ergebnis, dass ausverkauft ist. Die Bühne, die einst Heidi Kabel berühmt machte, ist vor kurzem sogar in ein größeres Haus umgezogen. So geht es also auch! Am Rande sei noch erwähnt, dass Hamburg im Vergleich zu Frankfurt am Main eine Millionen-Stadt ist.

Darüber hinaus werden an den Rundfunkanstalten und an den Städtischen Bühnen Topgagen und extrem hohe Gehälter bezahlt, die in keinem Fall in Relation zum Marktwert stehen. Das Radio-Sinfonie-Orchester des Hessischen Rundfunks kostet (alle Musiker zusammen gerechnet) mehr als die Wellen hr1, hr2, h3 und h4 zusammen! Dementsprechend kosten die Orchester der Opernhäuser Frankfurt am Main, Mainz, Wiesbaden, Darmstadt und Gießen (je nach Größe).

Natürlich gönne ich jedem einzelnen Sänger, Darsteller, Musiker, Bühnenbildner, etc. seine persönliche Traumgage. Neid ist unangebracht. Ich denke, darum geht es bei dieser Debatte auch nicht. Vielmehr ist es die Tatsache, dass das alles ausschließlich funktioniert, weil es eben steuerfinanziert ist. Ansonsten müssten die Kunstschaffenden wohl kleinere Brötchen backen – wie viele andere übrigens auch.

Abschließend sei noch erwähnt, dass wir uns als Gesellschaft in den vergangenen 60 Jahren, was den Geschmack angeht, gründlich auseinander entwickelt haben. In den 30er, 40er Jahren gab es ein paar wenige Radiosender, in denen man entweder Klassik oder die damals gängigen Stars singen gehört hat. Jeder kannte Willy Fritsch, Lilian Harvey, Heinz Rühmann, Ilse Werner oder Rudi Schuricke. Die noch heute lebende Generation von damals kennt ohne Ausnahme Songtexte wie „Liebling, mein Herz lässt Dich grüßen“ oder „Wenn der weiße Flieder wieder blüht“, sowie die Theaterstücke „Der Mustergatte“ oder „Pension Schöller“.

Die heutige Generation unterteilt sich in so viele Musikrichtungen: Schlager, Pop, Techno, Volksmusik, Acid House, Rap, Soul, Funk, Hardrock, Heavy Metal, und und und… Hinzu kommen die unterschiedlichsten Bühnenshows wie Musical, Travestie, Komödie, Dinner-Krimi, etc. Wie soll der Staat eigentlich jede einzelne Richtung ausreichend sponsern? Sollen nur die alteingesessenen Institutionen das Recht haben, subventioniert zu werden, oder soll der Staat sich auch mal um neue Ideen kümmen?

Mein Fazit: Wir müssen das Angebot und die Gagen/Gehälter enorm runterschrauben. In vielen Vorstellungen in und rund um Frankfurt ist die Auslastung bei weit unter 25 Prozent. Warum soll denn der Staat dem Publikum Events subventionieren, wenn der Steuerzahler diese gar nicht sehen möchte.

Und nun bitte nicht die Debatte um „Bildungsauftrag“…

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