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So ein Theater!

Von Diesmal im Hessen-Blog: Die Posse rund um den Cantatesaal neben dem Goethehaus.
Schauspieler und Theatermacher Michael Quast im August im Cantatesaal im Hof des ehemaligen Buchhändlerhauses. (Foto: Frank Rumpenhorst/dpa) Schauspieler und Theatermacher Michael Quast im August im Cantatesaal im Hof des ehemaligen Buchhändlerhauses. (Foto: Frank Rumpenhorst/dpa)
Am Mittwoch ist es soweit. Die Fliegende Volksbühne – Michael Quast eröffnet für einen wohl möglich temporär limitierten Zeitraum im „alten Volkstheater“, dem Cantatesaal direkt neben dem Goethehaus. Das Volkstheater – Liesel Christ hatte über eine Epoche von ungefähr zehn Jahren unter diversen Wechseln in der künstlerischen Leitung gelitten und zunehmend vor so wenig Publikum gespielt, dass der Pleitegeier ständig über dem Vermächtnis der Mamma-Hesselbach-Ikone Liesel Christ herum geschwebt ist.

Einer der kurzzeitig gehandelten künstlerischen Leiter war kein geringerer als Michael Quast. Es kam jedoch mit Liesel-Christ-Tochter Gisela Dahlem-Christ zu keiner Einigung über die Art Weise der Weiterführung des Traditionshauses, so dass Quast wieder absprang. Bereits damals favorisierte die Stadt Frankfurt, maßgeblich forciert durch Kulturdezernent Semmelroth, eine komplette Übernahme des Cantatesaals durch Herrn Quast. Hierbei sollte in Kauf genommen werden, dass Herr Quast seinen eigenen Stab mitgebracht hätte und sämtliche aktuellen Volkstheater-Mitarbeiter von jetzt auf gleich hinaus geflogen wären.

Zunächst musste Wolfgang Kaus gehen; wie schon gesagt – Michael Quast wollte nicht, und nach einem Fehlgriff mit Heinz Werner Kraehkamp (der laut Gisela Dahlem-Christ die Inszenierung von „Der fröhliche Weinberg“ völlig versaut hat) folgte die letzte Ära mit Sylvia Hofmann. Als die Pläne, den Cantatesaal abzureißen, immer konkreter wurden und das Volkstheater sich kaum in der Lage sah, finanziell wie auch ideell einen Umzug in neue Räume verkraften zu können, gaben Gisela Dahlem-Christ und Bärbel Christ-Hess (die andere Christ-Tochter, maßgeblich für Kostüme und Bühnenbilder zuständig) die Schließung ihres Haus bekannt.

Und nun kommt der Clou: Wie durch ein Wunder (gemäß Katja Ebstein „gibt es Wunder immer wieder“) kann Herr Quast bis kommenden Mai vorübergehend im Cantatesaal mit seiner Fliegenden Volksbühne zwischenlanden. Jetzt werden Sie sich fragen: „Ist diese Message einen Blog wert“? – Gute und berechtigte Frage. Aber die Überraschung kommt noch. Wie aus heiterem Himmel steht auf einmal zur Debatte, dass der Cantatesaal gar nicht abgerissen werden muss. Gar über eine Unter-Denkmal-Schutz-Stellung wird laut nachgedacht. Brandrechtliche und sicherheitstechnische Gründe für einen Abriss sind wie verfolgen, als wäre ein Lotto-Jack-Pott-Gewinn, von dem niemand etwas mitbekommen hat, in die Instandhaltung des Haus geflossen. Wer sich hierbei wohl etwas Böses denkt? Das Ganze klingt jedenfalls nicht nach Plan B…

Bei aller zynischen Betrachtung über den Verlauf der oben beschriebenen Chronik „Vom Volkstheater – Liesel Christ zum Volkstheater – Michael Quast“ sollte jedoch anerkennend bemerkt werden, dass Herr Quast die letzten Jahre eindrucksvoll bewiesen hat, dass bei gleich bleibender Qualität die Quantität an Publikum aufgebracht werden kann, nicht vor halb leeren (oder halb gefüllten) Reihen zu spielen – und das nachhaltig. Herr Quast ist keine Eintagsfliege, wie von ihm viele behaupten. Ob es ihm gelingt, eine feste Spielstätte an etwa 300 Tagen im Jahr zu füllen, bleibt abzuwarten.

Fazit: Die Qualitäten von Michael Quast und seiner Fliegenden Volksbühne und wie es dazu gekommen ist, dass er nun doch den Cantatesaal bekommen hat, sollten getrennt voneinander bewertet werden. Wer in der Politik nach Gerechtigkeit sucht, muss vollkommen naiv sein.

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