Lade Login-Box.
E-Paper
Abo & Service Immo Stellen Trauer

So ein Theater!

Von Im Gemalten Haus ging's heute zum 11.11. wieder richtig vorwärts - Hellau!
Heute fiel der Startschuss zur aktuellen Kampagne. (Foto: dpa) Heute fiel der Startschuss zur aktuellen Kampagne. (Foto: dpa)
Heute um 11 Uhr 11 war es wieder soweit. Die fünfte Jahreszeit, die närrische Saison beginnt. Überall in den Fastnachtshochburgen sind die Menschen auf den Straßen, in den einschlägigen Kneipen und veranstalten Eröffnungsfeiern in den lokalen Sälen. Prinzenpaare werden vorgestellt, Würdenträger mit ersten Orden ausgezeichnet, und es wird vor allem eines: Viel, viel Alkohol getrunken.

Ich persönlich war traditionell am heutigen Tag mit meinem Carneval Club Laternche, von seinen Frankfurter Freunden kurz „CCL“ genannt, traditionell im Gemalten Haus, wo ab spätestens 11 Uhr 11 die Feierei so richtig losgeht. Doch gibt es überhaupt noch genug Anlass zum Feiern? Wohl leider nein – denn die Schwerpunkte der Gesellschaft haben sich sehr verlagert.

1975 geboren gehöre ich noch zu jener Generation, die ein Fernsehprogramm bestehend aus drei Sendern kennt: ARD, ZDF und eben das „Dritte“, der Hessische Rundfunk. Wenn man Glück hatte, kamen später der Südwestfunk und Bayern dazu. Kabelfernsehen gab es in Hessen spät, etwa erst ab 1987.

Zu meiner Kindheit war die Übertragung der Mainzer Sitzung am Fastnachtsfreitag ein Jahres-Highlight. Großeltern, Nachbarn wurden zum gemeinsamen Gucken eingeladen. Es wurde sich schick gemacht. Mein Opa trug eine Silberfliege. Es gab Sekt aus Sekt-Schalen. Jede Menge Knapper- und Naschzeug stand auf dem Wohnzimmertischen. Für uns Kinder ein Schlaraffenlandtag, obwohl wir viele der eher politischen Reden der damaligen Zeit (Dieter Brand als Till Eulenspiegel z.B.) nicht verstehen konnten. Wir spürten aber dennoch, dass es sich hierbei um ein großes Gesellschaftsereignis handelte.

Was ist davon übrig geblieben? – Leider gar nichts. Neben der „Kölner Fastnacht“ und „Hessen lacht zur Fasenacht“, die schnell hinzukamen, hat sich im Fernsehen in den letzten 30 Jahren eine Art Fastnachts-Inflation entwickelt. Auf jedem Sender gibt ab 10. Januar bis Aschermittwoch pro Abend mindestens eine Fastnachtssitzung von irgendeinem Kuhkaff, ein Männerballett-Tanzabend oder eine Schunkel- und Witz-Show mit dem Ergebnis, dass die Menschen so übersättigt sind, dass sie, bis es dann eigentlich soweit ist, gar keine Lust mehr haben.

Und Schlimmer noch: Satirische, lustige, die Regierung veralbernde Vorträge gibt es nicht nur zu Fastnacht. Nein! Es gibt ganzjährig ebenfalls senderübergreifend Quatsch-Comedy-Clubs, Comedy-Nights, Stand-Up-Comedian-Shows, etc. mit dem Ergebnis, dass man auf die fünfte Jahreszeit kaum noch zu warten braucht, wenn man mal lachen will.

Witze werden heute kaum noch an Stammtischen erzählt, sondern kommen optisch voll animiert via eMail von Bekannten durch kleine Verteilerkreise in alle Haushalte.

Ein schweres Los für jene, denen die Fastnacht alles bedeutet. Der Zeitwandel macht also auch vor dieser Tradition keinen Halt. Und ein weiteres Mal muss ich konstatieren: Wir, die Deutschen (oder zumindest die Deutschen der Karnevals-Regionen) haben es nicht genug gepflegt. Es sind maßgeblich die Bürger mit Migrationshintergrund, die Volksfeste, Straßenfeste und Traditionen mögen – und ohne sie wäre der Frankfurter Fastnachtsumzug leer.

Ich aber zumindest bleibe optimistisch und werde mich auch weiterhin dafür einsetzen, dass mein „Laternche“ die Nr. 1 in Frankfurt bleibt mit sieben identischen ausverkauften Sitzungen. Folglich hatte ich allen Grund, heute um 11 Uhr 11 im Gemalten Haus einen Calvados zu trinken. Vielleicht sind es auch zwei geworden.

Hellau!

Bilderstrecke Narren nehmen Tebartz-van Elst auf den Arm
Die Narren starten in die fünfte Jahreszeit: In Köln, Mainz oder Düsseldorf zogen Tausende Menschen kostümiert durch die Straßen. Nach dem Skandal um den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst erschienen viele Narren als Kirchenmänner. Alle Fotos. dpaEin Karnevalist aus Limburg nahm den Limburger Skandalbischof Franz-Peter Tebartz-van Elst auf den Arm: Er klebte sich einen 1000 Mark-Schein mit einem Porträt des Limburger . . .. . . Bischofs auf die Stirn. Dieser . . .


Die Meinungen unserer Blogger sind Privatsache und spiegeln nicht die Haltung der FNP wieder. Diskutieren Sie mit unserem Blogger! Wenn Sie sich noch nicht registriert haben, können Sie das kostenlos nachholen: Klicken Sie dafür einfach unter dem Kommentarfeld am Seitenende auf den beige hinterlegten Reiter „Für nicht registrierte Nutzer“. Dort können Sie sich ganz unkompliziert mit einem Benutzernamen Ihrer Wahl, einem Passwort und Ihrer E-Mail-Adresse anmelden. Anschließend erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink, den Sie nur noch anklicken müssen – und schon können Sie kommentieren. Natürlich werden Ihre persönlichen Daten nur intern verwendet und nicht ohne Ihre Zustimmung an Dritte weitergegeben. Unsere Blogger freuen sich auf Ihre Beiträge!
Zur Startseite Mehr aus Thorsten Wszolek - So ein Theater!

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2016 Frankfurter Neue Presse