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So ein Theater!

Von Theater, Kulturbetriebe und sogar Kegelbahnen kämpfen heute um jeden Stammgast.
Michael Quast hat den Cantatesaal bezogen. Für Theatermacher wie ihn wird es zunehmend schwieriger, Stammpublikum zu generieren. (Foto: dpa) Michael Quast hat den Cantatesaal bezogen. Für Theatermacher wie ihn wird es zunehmend schwieriger, Stammpublikum zu generieren. (Foto: dpa)
Am 3. Oktober war es so weit. Nach ewigem Hin und Her hat Michael Quasts Fliegende Volksbühne den Cantatesaal bezogen – wenn auch nur auf zunächst einmal ein dreiviertel Jahr begrenzt. Was viele vielleicht gar nicht mehr wissen: Michael Quast war vor Jahren schon einmal knapp davor, den Cantatesaal und somit das Volkstheater – Liesel Christ zu übernehmen, konnte sich aber dann letztlich mit Liesel-Christ-Tochter Gisela Dahlem-Christ nicht einigen. Quast erklärte, er wolle einen ideellen und vor allem finanziell so maroden Laden nicht übernehmen. Gisela Dahlem-Christ entgegnete, Quast wolle das gesamte bisherige Personal rauswerfen und programmatisch alles anders machen, so dass von der Idee ihrer Mutter nichts mehr übrig bleiben würde.
 
Der Rest ist Legende und wurde von mir in voran gegangenen Blogs immer wieder von allen Seiten beleuchtet.
 
Nun jedenfalls ist die Fliegende Volksbühne von und mit Michael Quast im Cantatesaal, und es ist an der Zeit, einmal eine kleine Zwischenbilanz zu ziehen. Wie läuft eigentlich die Sache? Kann er weit bessere Zuschauerzahlen verzeichnen als das Volkstheater – Liesel Christ (wenn man von „La Cage Aux Folles“ einmal absieht)? Rechtfertigt die Quantität an Publikum den Bau einer eigenen Spielstätte am Paradieshof in Sachsenhausen?
 
Schwierig zu sagen. Wohl eher nein. Leider! Michael Quast beweist seit Jahren, dass er mehrere Wochen hinter einander ensuite mit „Barock am Main“ vor ausverkauften Rängen spielt. Die Tickets seiner Produktion von „Rendezvous im Palmengarten“ im frisch renovieren Saal im Palmengarten im Frühjahr vergangenen Jahres waren innerhalb kürzester Zeit vergriffen. Und wie ist das nun im Cantatesaal? Leider ebenso wie allzu oft im ehemaligen Volkstheater oder zum Beispiel in der Komödie.
 
Denn: Produktionen können noch so gut sein – es wird zunehmend schwieriger, Stammpublikum zu generieren. Früher, also in den 70er bis 90er Jahren, ging man einmal ins Volkstheater und wurde gegebenenfalls Fan und besuchte dann fast jedes Stück. Heute geht man mal, geht man mal nicht. Geht man mal hierhin, geht man mal dorthin. Bei jeder Inszenierung muss man sich also um „neues“ Publikum bemühen. Reine Selbstläufer sind so gut wie ausgestorben.
 
Das zieht sich durch ganz viele Bereiche unserer modernen Gesellschaft. Früher waren die Kegelbahnen in und um Frankfurt teilweise an allen Wochentagen von festen Gruppen belegt, die im Wochen- oder zwei-Wochen-Rhythmus kamen und begeistert kegelten. Häufig musste man Wochen, gar Monate warten, bis man eine feste Bahn zugewiesen bekam. Da musste ein Kegelstammtisch krankheitsbedingt aufhören oder sogar wegsterben, damit man in eine Lücke stoßen konnte. Junge Menschen gehen heute auch kegeln – aber nur „mal“. Sie wollen den festen Termin nicht alle zwei Wochen in ihrem Terminkalender stehen haben. „Geh’n wir mal kegeln?“ – „Geh’n wir mal zum Bowling?“ – „Ja, machen wir gerne. Nächsten Mittwoch!“ Und dann geht man – und dann wieder ein Jahr nicht.
 
Eine Aufgabe für Marketing- und Werbefachleute. Wie generiert man neues, junges Stammpublikum, wenn die „Alten“ wegsterben? Das ist die Frage, die zudem bald beantwortet werden sollte, denn auch die Fliegende Volksbühne hat seit Oktober 2013 schon mehrfach vor leeren Stuhlreihen gespielt.
 
Deshalb drängt sich erneut die Frage auf: Liegt’s vielleicht am Genre? Haben wir in Frankfurt noch das Publikum, eine volksbezogene Heimatbühne 12 Monate lang zu betreiben? Vermutlich leider nein…

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