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So ein Theater!

Von "Da geh’n mer net hie", sagen sie. "Des wird aach so’n Scheiß sein!"
Die Szene stammt aus der Produktion »Lauf doch nicht immer weg!« (Farce von Philip King in 3 Akten, auf Hessisch aus der Feder unseres Bloggers), hier mit Corinna Weiß als Miss Skillon und Thorsten Wszolek als Pfarrer Humphrey. Foto: Privat Die Szene stammt aus der Produktion »Lauf doch nicht immer weg!« (Farce von Philip King in 3 Akten, auf Hessisch aus der Feder unseres Bloggers), hier mit Corinna Weiß als Miss Skillon und Thorsten Wszolek als Pfarrer Humphrey. Foto: Privat
Tja, so einfach kann das Ganze sein. Ein kleineres Theater, altbewährte Darsteller zurück auf die Bühne, mehr Augenmerk auf unseren Dialekt – und Bums: Zig ausverkaufte Vorstellungen. Das neue „Volkstheater Hessen“ beweist, was beim alten „Volkstheater – Liesel Christ“ nun einmal zu kurz kam.
 
Wir erinnern uns. Die letzten zehn Jahre war der Spielplan des Musentempels neben dem Goethe-Haus, dem Cantatesaal, den jetzt Herr Michael Quast bespielt, nicht von Rum und positivem Image geprägt. Der langjährige, enorm verdiente künstlerische Leiter Wolfgang Kaus, wurde quasi an die Luft gesetzt. Kaum ausdenken; solch eine Dummheit. Wenn einer in der öffentlichen Wahrnehmung das Volkstheater positiv repräsentiert hat, so waren es nicht die Christ-Töchter Gisela Dahlem-Christ und Bärbel Christ-Hess (die heißen jetzt anders, weil sie sich haben adoptieren lassen), sondern ausschließlich Wolfgang Kaus.
 
Michael Quast sollte an seine Stelle treten, doch dieser wollte das Traditionstheater in eine ganz andere Richtung lenken, als es den Christ-Töchtern vorschwebte. Das Ganze endete nicht ohne finanziellen Schaden fürs Volkstheater.
 
Dann wurde Heinz-Werner Kraehkamp angeheuert, das künstlerische Ruder zu steuern, doch auch dies endete im Desaster. Trennung nach „Volpone“ und einer absurden Inszenierung von „Der fröhliche Weinberg“.
 
Zwischenzeitlich mussten alt eingesessene Darsteller wie Silvia Tietz und deren Bruder Andreas Walther-Schroth nach Disput mit Gisela Dahlem-Christ gehen. Letzter war jahrelang der einzige im Haus, der sowohl schreiben, spielen UND singen konnte. Von seiner Regiearbeit einmal ganz abgesehen …
 
Finaler Notnagel war Tatortautorin und Regisseurin Sylvia Hoffmann, deren Spielpläne das Volkstheater zu einer Art „Helmer-Komödie-Light“ machten mit wenig südhessischem Einschlag. Der Rest ist Geschichte. Ständige finanzielle Sorgen, fehlender Rückhalt bei der Stadt, die Findung einer neuen Spielstätte – das Aus!
 
Wie bereits in vielen Blogs von mir beschrieben, sterben WIR Frankfurter leider aus. Wir Blonden vermehren uns weniger als die Dunkelhaarigen. Dies ist keine Kritik an den Familien mit Migrationshintergrund. Es ist eine Kritik an uns. Von den muslimischen Migranten ist nicht zu erwarten, dass sie Rippscher, Flaaschworscht oder Schäufelsche essen, gar Ebbelwoi trinken oder Volkstheater, Komödie, Rémond oder Quast besuchen. Der Kuchen wird also kleiner.
 
Das Volkstheater Hessen beweist nun, dass ein kleiner Saal (ca. 100 Zuschauer), ein Stück, das südhessischer nicht sein könnte mit einer Sprache, der man gerne zuhört, ein Ensemble, das dieser Sprache offensichtlich auch kundig ist, wohl die passende Antwort auf jene gesellschaftlichen Wandel sind, die wir gerade als Zeitzeugen erleben dürfen. Ausverkaufte Vorstellungen. Selbst Zusatzvorstellungen stehen bereits im Programm.
 
Und nun noch etwas in eigener Sache. Jahrelang wurde ich von Journalisten und Zuschauern gefragt: „Na, freut Sie’s, dass im Volkstheater wieder nur 50 Leute saßen? Die anderen, die nicht mehr dorthin gehen, kommen doch jetzt alle zu Ihnen!“
 
Genau dies ist eben Unsinn. Es gibt für mich, also das Mund Art Theater – Thorsten Wszolek, nichts Schlimmeres, wie wenn am Volkstheater, in der Komödie, im Rémond oder beim Quast ein Flopp läuft. Denn die Realität sieht anders aus. Eine 70-jährige Oma nimmt stolz ihre beiden 15- und 18-jährigen Enkel mit ins Volkstheater. Dort läuft ein Stück, das relativ schlecht und noch schlechter besucht ist. Glaubt jemand im Ernst, die Enkel hat man damit für’s Theater begeistert, und die kaufen dann fröhlich Karten für meine Produktionen? Im Lebe net! Wenn die ein Plakat lesen „Lauf doch nicht immer weg! – Boulevardkomödie in drei Akten auf Hessisch im Mund Art Theater – Thorsten Wszolek“, dann sagen die zu recht: „Da geh’n mer net hie. Des wird aach so’n Scheiß sein!“
 
Der gemeinsame Erfolg ist wichtig. Von den Misserfolgen der anderen hat man noch selten profitieren können. Gratulation an das Team um Steffen Wilhelm. Stammkunden meines Theater bescheinigen mir, dass sie nun wieder öfter ins Volkstheater gehen wollen – wenn denn alles so bleibt.

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