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So ein Theater!

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Schätzte das aufwändige Leben: Uli Hoeneß. Foto: Archiv Schätzte das aufwändige Leben: Uli Hoeneß. Foto: Archiv
Erinnern wir uns daran, dass vor ein wenigen Jahren die kleine LIDL-Kassiererin ihren Job verloren hat, weil sie eine Packung Haselnüsse (ca. 1,32 €) gegessen und nicht gebongt hat? Sie klagte, war jedoch chancenlos auf allen Instanzen. Sie bekam daraufhin kein Arbeitslosengeld und Hartz IV nur mit Sanktionen. In Umfragen fand die Mehrheit der Deutschen dies völlig okay, denn es ist ja aktuell eher Mainstream, dass hart und gnadenlos durchgegriffen werden soll. Soweit so gut.
 
Umso erstaunlicher ist es, dass das deutsche Volk dermaßen gespalten über den Umgang mit Uli Hoeneß ist. Für jene, die es nicht mitbekommen haben (auch wenn dies kaum möglich ist): Der 1.-FC-Bayern-Guro hatte sich im vergangenen Frühjahr wegen Steuerhinterziehung in Höhe von etwa 3.500.000,00 Euro beim Finanzamt selbst angezeigt. Nicht etwa wegen innerer Einsicht, sondern weil ihm ein Journalist bereits auf der Schliche war. Die Selbstanzeige von Uli Hoeneß wurde vom zuständigen Finanzamt und somit von der Staatsanwaltschaft als unzureichend erachtet. Also landete das Ganze letzte Woche vor Gericht.
 
Hier kam zu aller Erstaunen zum Vorschein, dass es nicht um 3.500.000,00 Euro hinterzogene Steuersumme ging, sondern zunächst um 17.500.000,00 Euro, letztlich sogar um 28.500.000,00 Euro. Eigentlich konnte man nur hoffen, dass die Zahlen vom ADAC sind, so irre ist das Ganze.
 
Die Staatsanwaltschaft beantragte eine Strafe von fünfeinhalb Jahren Haft (ist nicht zur Bewährung auszusetzen). Uli Hoeneß wurde vom Gericht schließlich zu gut dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Und nun kommt der Hammer. Uli Hoeneß teilt mit, dass er aus Anstand und Haltung das Urteil annimmt und nicht in Revision geht. Nun stürmen ihm Anerkennung, Ehrenbekundungen und Respekt entgegen – nicht zuletzt vom bayerischen Ministerpräsident und von unserer Bundeskanzlerin.
 
Si tacuisses (Hättest Du geschwiegen) – der für mich absurdeste Vorgang seit Jahren, dass Staatsoberhäupter jemandem Respekt zollen, der NUR SCHEISSE gebaut und sich am Wohl des gesamten Volkes vergangen hat. Eine Strafe, die ihm Strafmaß des unteren Drittels liegt, anzunehmen und nicht auch noch auf sein Unrecht zu beharren und in die Revision zu gehen, ist ja wohl das Mindeste, was man noch erwarten kann.
 
Dem kleinen Lieschen Müller, das bei LIDL (oder wo auch immer) seinen Job wegen einer Packung Nüsse verloren hat, ist das jedenfalls nicht zu erklären.

Bilderstrecke Das sagen Promis zum Hoeneß-Urteil
Dreieinhalbjahre Haft für Steuersünder Uli Hoeneß - wir haben Reaktionen prominenter Persönlichkeiten auf das Urteil zusammengefasst. Fotos: dpa<br> Heribert Bruchhagen (Vorstandsvorsitzender von Eintracht Frankfurt): "Ich bin traurig. Es tut mir unendlich leid für Uli. Ich habe das Ganze eben im Fersehen verfolgt. Das Strafmaß kann ich nicht beurteilen. Ich war im Vorfeld völlig verunsichert nach den ganzen Prognosen der Experten. Ich glaube aber nicht, dass sich das jetzt negativ auf den Fußball auswirkt."Eberhard Gienger (ehemaliger Turn-Weltmeister und sportpolitischer Sprecher der CDU-Bundestagsfraktion): "Auf der einen Seite dürfte es für Uli Hoeneß eine Erleichterung darstellen, die Thematik vom Leib zu haben. Andererseits musste er damit rechnen, dass es zu Konsequenzen kommt. Und die Konsequenzen sind die dreieinhalb Jahre. Es wird sich jetzt zeigen, ob das Urteil Bestand hat. Wenn es eine "Lex Hoeneß" gegeben hätte, wäre das eine Unterminierung des Rechts gewesen. Das kann nicht im Sinne des Rechtsstasts sein."Anton Hofreiter, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Bundestag, spricht am 18.01.2014 in Regensburg (Bayern) bei der Auftaktveranstaltung der Grünen für den Wahlkampf zur Kommunalwahl 2014. Foto: Sven Hoppe/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
Bilderstrecke Prominente Steuerbetrüger
Uli Hoeneß geriet mit seiner Selbstanzeige in die Schlagzeilen. Ihm wird vorgeworfen 3,5 Millionen Euro Steuern hinterzogen zu haben. Jetzt sollen es über 18 Millionen Euro sein. In unserer Bilderstrecke stellen wir Ihnen weitere prominente Steuersünder vor. 
Foto: Sven Hoppe/dpaViele Jahre hatte die Frauenrechtlerin Alice Schwarzer ein Konto in der Schweiz. 2013 erstattete sie Selbstanzeige beim Finanzamt. Nun sind für die vergangenen Jahre 200 000 Euro an Steuern plus Säumungszinsen fällig. Aufgrund des freiwilligen Gangs zur Behörde droht ihr sonst keine weitere Strafe. Foto: Paul Zinken/dpaDer Tennisstar Boris Becker wurde 2002 wegen 1,7 Millionen Euro hinterzogenen Steuern verurteilt. Das Landgericht München  sprach eine Haftstrafe von zwei Jahren auf Bewährung und eine Geldstrafe von insgesamt 500.000 Euro aus. Foto: Joe Castro (AAP)
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