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Die Segel gehisst

Von Wie immer, wenn die Temperaturen nach oben klettern und die Tage länger werden, zieht es die Menschen aufs Wasser. Auch im Film lassen sich so manche Boote und Schiffe finden.
Auch wenn das vergangene Wochenende uns dahingehend im Stich gelassen hat, insgesamt zeichnet es sich doch deutlich ab: der Sommer kommt. Und wie immer, wenn die Temperaturen nach oben klettern und die Tage länger werden, zieht es die Menschen aufs Wasser. Man muss nur am Main entlang gehen und sieht Dutzende von Ruderern. Sommer und Boote, das gehört einfach zusammen. Auch im Stummfilmklassiker MENSCHEN AM SONNTAG (DE 1930. R: Robert Siodmak, Edgar D. Ulmer) entfliehen die jungen Stadtmenschen ihrem industriellen Alltag nicht nur hinaus ins Grüne, sondern eben auch hinaus aufs Wasser.

Generell haben es Boote, und ihre „großen Geschwister“, die Schiffe, ähnlich den Zügen, von denen ich vor ein paar Wochen schrieb, dem Film angetan. Der durch das Wasser begrenzte Raum an Bord eines Schiffes bildet als Mikrokosmos eine großartige Bühne für verschiedenste Arten von Filmgenres – von der Möglichkeit, durch geblähte Segel und Sonnenuntergänge über der ruhigen See das Fernweh des Publikums zu wecken ganz zu schweigen. So entfesselt Roman Polanski gleich in seinem ersten Spielfilm NÓZ W WODZIE (Das Messer im Wasser, PL 1962) eine Dreiecks-Beziehungskrise auf kleinstem Raum – auf dem Deck eines Segelschiffs. Alfred Hitchcock steckt in LIFEBOAT (US 1944) die Bühne für seine Protagonisten sogar noch kleiner ab – Schauplatz ist  ein winziges, überfülltes Rettungsboot auf offener See. Ein Rettungsboot ist auch Handlungsort von Ang Lees LIFE OF PI (US 2012), der im deutschen Titel „Schiffbruch mit Tiger“ das Schiff sogar im Namen trägt.

Auch Detektiv Hercule Poirot, der in MURDER IN THE ORIENT EXPRESS (GB 1974. R: Sidney Lumet) bereits im Zug ermitteln durfte, fährt in DEATH ON THE NILE (GB 1978) aufs Wasser hinaus (dem Titel des Films lässt sich das Gewässer bereits entnehmen) und muss an Bord des Linienschiffs einen kniffligen Mord lösen. Alle Passagiere sind verdächtig ... Man merkt sofort: Das ist MURDER IN THE ORIENT EXPRESS in der Schiffs-Version. Apropos Linienschiff: Wie könnte man von Schiff-Filmen schreiben, ohne James Camerons bildgewaltige Seifenoper über einen 1912 tragisch gesunkenes, „unsinkbares“ Schiff zu erwähnen...?

Das Paradegenre für geblähte Segel und Freiheit auf dem weiten Meer ist aber der Piratenfilm. Neben diversen Verfilmungen von Robert Luis Stevensons Abenteuerroman The Treasure Island  (der früheste Film von 1918, der jüngste von 2012), über Filme des klassischen Hollywood, wie CAPTAIN BLOOD (Unter Piratenflagge, US 1935. R: Michael Curtiz) mit Erol Flynn als Piratenkapitän oder ANNE OF THE INDIES (Die Piratenkönigin, US 1951. R: Jacques Turneur), über neuere Streifen wie CUTTHROAT ISLAND (US 1995. R: Renny Harlin) oder Disneys PIRATES OF THE CARABEAN-Reihe (US 2003-2011) haben Piraten durchgängig Konjunktur im Kino. Es geht sogar ohne Romantisierung und Segelschiffe, wie Paul Greengrass in CAPTAIN PHILLIPS (US 2013) zeigt, einem Film über die Enterung eines Containerschiffs vor der Küste Somalias, in dem vom romantischen Piratenmythos nicht viel übrig bleibt.

Und wer bei den Piraten auf hoher See bei aller Freiheit die Disziplin vermisst, für den bleibt das Genre der Marine-Filme. Der Kriegsfilm auf See wurde schon 1926/27 mit DIE VERSUNKENE FLOTTE (DE/GB, R. Manfred Noa, Graham Hewett) in Szene gesetzt und zieht sich durch die Filmgeschichte, ob heroisch wie in HAIE UND KLEINE FISCHE (BRD 1957. R: Frank Wisbar), oder als entromantisierte Leiddarstellung wie in Wolfgang Petersens DAS BOOT (BRD 1981). Und wer militärischen Drill und romantisch geblähte Segel in einem Film vereint sehen will, für den bleibt Peter Weirs MASTER AND COMMANDER (US 2003), der das Leben auf einer Kriegsfregatte während der napoleonischen Kriege schildert.

Und wem das wiederum zu ernst ist, der kann mit Blödel-Ostfriese Otto Waalkes in OTTO – DER KATASTROPHENFILM (DE 2000) zur See fahren und zusehen, wie Otto den Dampfer „Queen Henry“ auf die Freiheitsstatue zusteuert und dabei in Panik feststellt: „Ich bin am Arsch“, worauf ihm der Geist eines alten Seemanns erscheint, ihn beruhigt und  ihn hilfsbereit auffordert, das Steuerruder abzumontieren, um dann auf Ottos Frage „Und jetzt?“ zu antworten: „Jetzt bist du am Arsch“. Dann weiß man auch, warum man lieber im Kino sitzt, als selbst zur See zu fahren, kann sich nach dem Film gemütlich ans Mainufer setzen, und den fleißigen Paddlern beim Rudern zuschauen.
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