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Film-Blog: Muttergefühle

Von Es gibt Filme, die treffen Mütter mitten ins Herz - im negativen Sinn.

Bio, fairtrade, vegetarisch, vegan, glutenfrei, laktosefrei - der Labelwahn der Lebensmittelindustrie ist unübertroffen. Im Filmbereich hält sich die Verschlagwortung auf Etiketten noch in Grenzen, allein die gesetzlich vorgeschriebene FSK-Kennzeichnung auf DVDs und Blu-rays sticht hier hervor. Die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) hat eigens hierfür eine 33-seitige Anleitung  über die "gesetzeskonforme Kennzeichnung von Bildträgern mit Filmprogrammen und deren Verpackungen" veröffentlicht. Anders als im Lebensmittelgeschäft sind die FSK-Label für die Verleihe aber weniger Gütesiegel, sondern vielmehr ein notwendiges Übel, was nicht zuletzt dadurch klar wird, dass pünktlich zur Einführung der Kennzeichnungs-Pflicht Wendecover Einzug hielten, die es ermöglichen, das Label gleich nach dem Kauf durch Umdrehen der Hüllenpappe zu verbergen. Eine Idee vielleicht auch für die Zigaretten-Industrie, die aktuell zum Abdrucken von abschreckenden Raucherlungen- und Raucherzahn-Fotografien auf allen Zigaretten- und Tabakverpackungen verpflichtet wurde.

Vielleicht sind zusätzliche Warnhinweise auf Filmverpackungen aber gar nicht so schlecht, zumindest in einem konkreten Fall: Während die FSK-Kennzeichnung darauf abzielt, dass Kinder nur Filme sehen, die für ihr Alter freigegeben sind, denkt keiner an die armen Mütter. Vielen wäre geholfen mit einem Hinweis wie "Nicht für Mütter geeignet"? Seit ich ein Kind hab´ ertrage ich nämlich diverse Filme nicht mehr. Mit einer Warnung sollten insbesondere Filme ausgestattet sein, in denen (sorgenden, von ihrem Kind geliebten) Müttern der Kontakt zu ihrem Nachwuchs verboten wird (CAROL, GB/US 2015, R: Todd Haynes). Wenn eine junge Frau entführt und von ihrem Peiniger vergewaltigt wird, daraufhin ein Kind bekommt und mit diesem über Jahre in einem Raum eingesperrt ist, in ständiger Angst vor dem Vater des Kindes, ist das ebenfalls verwarnungswürdig (ROOM, CA/IE/GB 2015, R: Lenny Abrahamson). Vor allem aber sollten Filme gekennzeichnet werden, in denen Kinder sterben - insbesondere dann, wenn das passiert während die Eltern Sex haben (ANTICHRIST, DK/DE/FR/SE/IT/PL 2009, R: Lars von Trier).

Die Intensität von Muttergefühlen ist enorm. Jedes Kind, das mir - auch im außerfilmischen Alltag - unter die Augen tritt, ruft Erinnerungen an mein eigenes Kind hervor. Und genau das ist das Schlimme an den beschriebenen Filmen: Ich sehe diese Szenen so, als sei ich die Mutter und mein Sohn das Kind. Dieser Vorgang unterscheidet sich von der Empathie mit anderen Filmfiguren und -szenarien. Wenn in einem Film eine Großmutter, ein Freund, ein Geliebter stirbt, dann fühle ich mit den Trauernden, dann weine ich manchmal sogar im Kino. Aber ich rufe nicht nach dem Film meine Großmutter an oder fühle den Puls meines Partners neben mir im Kino, um sicherzugehen, dass es ihnen gut geht. Wenn in einem Film ein Kind stirbt, verspüre ich die tiefe Sehnsucht, meinen Sohn zu sehen und sicherzugehen, dass es ihm gutgeht. Die Flutwelle in THE DAY AFTER TOMORROW (US 2004, R: Roland Emmerich) wirkt beängstigend echt, der Impuls, eine Arche zu bauen, blieb aber aus. Wenn in einem Film ein Kind von einem Virus befallen ist und zum Zombie wird, beobachte ich ein paar Tage lang mit Misstrauen das Verhalten meines Kindes: Verfärben sich die Augen rot? Bewegt es sich normal?

Um die Mütter vor derartigen Erfahrungen zu schützen, sollten mütterverstörende Filme also dringend mit einem Warnhinweis versehen werden. Ähnliche Labels wären vorstellbar für ehemalige Raucher, die einen Rückfall fürchten ("Achtung, in diesem Film wird exzessiv geraucht!") - alternativ ist hier auch ein Raucherbein-Foto auf der Blu-ray-Hülle möglich.
 

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