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Film meets Food

Von
Filmszene aus "Das große Fressen". Filmszene aus "Das große Fressen".

Sämtliche Fleischesser-, Pescetarier-, Vegetarier-, Veganer-, Flexitarier- oder einfach Foodisten-Herzen schlagen höher angesichts der auf diversen Food Festivals und in der rasant wachsenden einschlägigen Restaurantszene dargebotenen, teils skurrilen Vielfalt an kulinarischen Trends und Neuheiten: vom frittierten Eis über Burger mit Ente, Bison, Angus oder rein veganen Zutaten bis zu Tofu-Hummer. Die in den vergangenen Jahren Fahrtwind aufnehmende Vegetarier- und Veganerbewegung und der daraus resultierende rege Austausch zwischen den Ernährungsfronten beweist: Essen ist ein hot topic. Kein Wunder also, dass (Fr)Essen auch im Film eine große Rolle spielt.

Gruß aus der Küche: Tatsächlich haben Filme und Essen eine Menge gemeinsam. Abgesehen davon, dass es sich bei beiden um Kulturgüter handelt, die das Leben – im Optimalfall – bereichern und ihre volle Wirkkraft am besten bei ungeteilter Aufmerksamkeit entfalten (und dabei doch so gerne kombiniert werden, insbesondere in Zeiten von Netflix & Co.), können sowohl Filme als auch Essen gleichermaßen Gefühle der Lust und des Ekels hervorrufen. Als Statement in Filmen birgt Essen, ob als Speise oder als Akt der Nahrungsaufnahme, ein enormes Kommunikationspotenzial und verrät dabei eine Menge über Filmcharaktere und zwischenmenschlichen Beziehungen im Film. Kostprobe gefällig?

Bud Spencer und eine Ration Bohnen. Bild-Zoom
Bud Spencer und eine Ration Bohnen.

Vorspeise: Zugegeben: In vielen Filmen ist Essen eher eine untergeordnete Tätigkeit, die bewusst beiläufig gehalten wird, wenn vielbeschäftigte Anwälte, Banker, FBI-Agenten oder Gangster auf dem Sprung noch schnell einen Hotdog, Bagel oder eine Pizza reinstopfen. Von Genuss kann hier kaum die Rede sein – Sinn dieser Szenen scheint lediglich zu sein, die Charaktere zu erden und sie ein bisschen menschlicher, die Handlung realistischer zu machen. Doch selbst in diesem Fall kommuniziert die Inszenierung der profanen Nahrungsaufnahme, dass es sich bei der entsprechenden Person a) weder um einen Zombie, b) noch um einen Vampir, aber c), um ein eifriges Individuum mit weitaus größeren Sorgen als der nächsten Weight-Watchers-gerechten Nahrungsaufnahme handelt. Viel spannender sind allerdings die filmisch-kulinarischen Extreme!

Hauptgang: Man nehme etwa THE HUNDRED-FOOT JOURNEY (Madame Mallory und der Duft von Curry, USA 2014, R: Lasse Hallström), eine indisch-französische Restaurantfehde mit Helen Mirren als Sterneköchin, die am 29. und 30. Juni die Helen Mirren-Reihe im Kino des Deutschen Filmmuseums abschließt. In dem koreanischen Thriller Oldeuboi (Oldboy, KR 2003, R: Chan-wook Park) signalisiert der rachewütige Ex-Häftling Oh Dae-Su (gespielt von Choi Min-sik) sein instinkthaftes Handeln und seine roboterhafte Entschlossenheit durch den stumpfen Verzehr eines noch lebendigen Tintenfischs, der sich während seines Ablebens beinahe zärtlich an Dae-Sus Faust schmiegt – eine legendäre und zumindest für westliche Zuschauer enorm einprägsame Szene, die man dem Publikum des US-amerikanischen Remakes (Oldboy, USA 2013, R: Spike Lee) nicht mehr zumuten wollte. In letzterem futtert Joe Doucett aka Josh Brolin artig frittierte Tintenfischringe, eine für den gesamten Film bezeichnende Milderung. Die schwarze Komödie The Cook, the Thief, His Wife and Her Lover (Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber, UK 1989, R: Peter Greenaway), in der Mirren als Frau des Diebes brilliert, spielt nicht nur größtenteils in einem Restaurant, sondern bietet darüber hinaus ein breites Spektrum an kulinarischen Erlebnissen: von derben Fressgelagen über die Zwangsfütterung mit Exkrementen und Papier bis hin zu einem kannibalischen Festmahl.

Doch das Paradebeispiel für die Destruktivkraft von Essen – und Maßlosigkeit – ist wohl nach wie vor der derbe Klassiker aus den 1970ern La Grande Bouffe (Das große Fressen, F/I 1973, R: Marco Ferreri), der den schmalen Grat zwischen ästhetischem Genuss und abstoßender Völlerei ganz bewusst weit überschreitet.

Dessert: Zum Abschluss noch ein paar Dolci? Selbstverständlich kann die richtige Auswahl und Zubereitung von Speisen auch Synapsen-Feuerwerke entzünden und wahre Wunder bewirken. Welch subversives und zugleich herzerwärmendes Potenzial Schokolade birgt, beweist Juliette Binoche an der Seite von Johnny Depp in dem Romantikfilm Chocolat (2000, R: Lasse Hallström). Die nahezu magisch versöhnliche und Gemeinschaft stiftende Wirkung eines aufwändigen Gastmahls wird in dem dänischen Film Babettes gæstebud (Babettes Fest, DNK 1987, R: Gabriel Axel) deutlich. Dass (die Lust auf) Essen außerdem Berge versetzen kann, beweist das Duo Wallace und Gromit in dem Animationsfilm Wallace & Gromit: A Grand Day Out (Wallace & Gromit – Alles Käse, UK 1989, R: Nick Park), in welchem die animierten Knetfiguren eine Reise zum Mond antreten, um sich dort Nachschub am ersehnten Käse zu besorgen. Auf den Geschmack gekommen? Ob den beiden dieses Vorhaben gelingt, lässt sich am 17. und 19.06. im Kino des Deutschen Filmmuseums herausfinden.
 

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