Lade Login-Box.
E-Paper
Abo & Service Immo Stellen Trauer

Kohl aus Knete

Von
Foto: Photographer: Sophie Schueler
Am vergangenen Sonntag hat im Filmmuseum die neue Sonderausstellung „Die Kunst von Aardman“ eröffnet und seitdem stehen große und kleine Fans von Wallace und Gromit, dem Hahn Rocky und vor allem von Shaun dem Schaf mit glänzenden Augen vor den Vitrinen und bewundern die Exponate. Erste Erkenntnis:  Die Helden von Aardman haben viele Fans, sehr viele! Allein die deutschsprachige Facebook-Seite von Shaun dem Schaf, hat mehr als fünf Millionen Fans! Dieses Schaf ist einfach überall! Sogar auf den Großbildschirmen in den U- und S-Bahn-Haltestellen laufen Shaun-Clips... Man sieht: Die Figuren von Aardman begeistern die Massen.

Bei der Betrachtung der originalen Filmsets in der Ausstellung wird auch schlagartig klar, warum das so ist. Es ist nicht nur der Charme und der britische Humor, von dem die Handlung getragen ist. Sicher, das auch, aber es ist eben auch die ungeheure Leidenschaft und Liebe zum Detail, die aus den Sets spricht. Da ist jeder Stein, jede Kachel, ja, sogar jeder Kohlkopf handgemacht, von den aus Knete modellierten Protagonisten gar nicht zu sprechen... Die Figuren selbst sind das nächste Faszinosum. Sie werden bis heute mit klassischer Stop-Motion-Animation in Bewegung gesetzt, das heißt, in Einzelbildern aufgenommen, in denen die Figuren jeweils um winzige Millimeter weiterbewegt werden. Für eine Sekunde Film braucht es, wie beim Spielfilm auch,  24 Bilder pro Sekunde... Man rechne das mal durch: 24 Bilder in der Sekunde, das sind 1440 Bilder in der Minute, für einen fünfminütigen Shaun-Clip sind das also 7200 Bilder! Ein Langfilm von 90 Minuten Länge, wie SHAUN THE SHEEP, THE MOVIE (GB 2015. R: Mark Burton, Richard Starzak) oder WALLACE & GROMIT: THE CURSE OF THE WERE-RABBIT (GB 2005. R: Nick Park, Steve Box), hat demnach knapp 129.600 Einzelbilder, die alle einzeln modelliert und animiert werden müssen! Eine gigantische Zahl.

Dass dies in Zeiten von Willis O’Brien, der seinerzeit den Riesenaffen King Kong per Stop-Motion zum Leben erweckte (KING KONG. US 1933. R: Merian C. Cooper, Ernest B. Schoedsack) und seinem Schüler Ray Harryhausen, der sich mit dem Skelettkampf in JASON AND THE ARGONAUTS (US/GB 1963. R: Don Caffrey) als Großmeister der Stop-Motion einen Namen machte, ein gängiges Verfahren des Filmtricks war, ist eine Sache. Aber dass in Zeiten, in denen mit Computeranimation künstliche Bewegungen so viel schneller zu erschaffen wären, immer noch so gearbeitet wird, spricht für ein enormes Maß an Hingabe. Eine Form der Hingabe, die  imponiert und  solche Produktionen in einem neuen Licht erscheinen lässt. Das gilt nicht nur für die Kreativen bei Aardman in Bristol, es gilt auch für andere Stop-Motion-Produktionen, nicht zuletzt das „Sandmännchen“, das vielen Kindern seit Jahrzehnten jeden Abend im Fernsehen Gute Nacht sagt.

Wer sich selbst ein Bild von der Hingabe und Detailliebe der Macher von Wallace, Gromit, Shaun und ihrer Welt machen will, hat noch bis Oktober eine Adresse, an die er sich wenden kann: das Deutsche Filmmuseum am Schaumainkai.
 
Zur Startseite Mehr aus Filmblog

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2016 Frankfurter Neue Presse