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Film-Blog: Die Ankunft einer Touristin am Kino von La Ciotat

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La Ciotat, ein hübsches kleines Hafenstädtchen im Süden Frankreichs, hat zwei Kinos. Eines davon, das Eden-Théâtre, rühmt sich als ältestes der Welt. 1895 fand hier die erste Vorstellung statt, zu der die „Väter des Kinos“, Auguste und Louis Lumière, eingeladen hatten. Die Brüder verbrachten seinerzeit ihre Sommer in der Hafenstadt unweit von Marseille, am dortigen Bahnhof filmten sie jenen Film, der für die Geburtsstunde des Kinos steht: L’ARIVÉE D’UN TRAIN EN GARE DE LA CIOTAT (Die Ankunft eines Zuges am Bahnhof von La Ciotat, FR 1895. R: Louis Lumière).
Das Eden-Théâtre war Anfang des Monats Ziel und Höhepunkt einer sehr schönen Wanderung entlang der Küste, die atemberaubende Ausblicke zwischen Cassis und La Ciotat versprach. Höhepunkt? Ich wurde enttäuscht.

Ziemlich unscheinbar steht das Kino da auf einem Platz in La Ciotat, an der Fassade erinnert immerhin eine große Abbildung der Brüder Lumière daran, dass dies eine historisch bedeutungsvolle Stätte ist. Eine Infotafel oder dergleichen suche ich jedoch vergeblich. Im Inneren duftet es nach Popcorn und an der Kasse sitzt ein unmotivierter Angestellter, den die historische Bedeutung seines Arbeitsplatzes nicht die Bohne interessiert. „Broschüre? Nee. Da müssen Sie in die Bibliothek hier nebenan.“ Die Bibliothek hat geschlossen, und obendrein hat jemand an ihre Tür uriniert. Ich sehne mich zurück auf meinen Küstenweg.

Die Enttäuschung hat etwas Gutes: sie liefert ein Thema für diesen Blog. Schändliche Vernachlässigung historischer Kulturgüter, die Geschichte des Kinos und so. Leider kommt es dann aber doch anders: Bereits die ersten Recherchen über das Eden-Théâtre zeigen, dass Urheberin der herben Enttäuschung die Autorin dieses Textes ganz allein ist: Es war nämlich das zweite in La Ciotat ansässige Kino, das Cinéma Lumière, zu dem sie der nette ältere Herr, den sie bei ihrer Ankunft nach dem Weg „zum Kino“ fragte, geschickt hatte. Autsch, das ist peinlich. Alle Kolleginnen und Kollegen sind nun bereits darüber informiert, dass sich ein Ausflug zum ersten Kino der Welt nicht lohnt. Diese Behauptung nehme ich zurück, denn ich bin nie dort gewesen!
Hätte ich aufs Wandern verzichtet und wäre mit dem Zug angereist, ganz so, wie es im Lumière’schen Werk von 1895 zu sehen ist,  dann wäre mein Eindruck ein anderer gewesen. Dort dokumentieren zahlreiche Fotografien, wie die bewegten Bilder in La Ciotat ihre ersten Schritte machten, und Infotafeln über die Lumières und ihre Verdienste gibt es auch. Vielleicht sogar hätte mich ein Wegweiser von hier zum richtigen Kino geschickt.

Besucherinnen und Besucher der Dauerausstellung im Deutschen Filmmuseum können übrigens nicht nur einen originalen Cinématographe Lumière bewundern, sondern gleich daneben auch noch in einem Bedienmodell des historischen Projektors L’ARIVÉE D’UN TRAIN EN GARE DE LA CIOTAT selbst abspulen. Eine ästhetisch sehr ansprechende Dokumentation einer Alltagsszene, der ganz unbewusst ein guter Freund am gestrigen Abend mit seiner WhatsApp-Videobotschaft eine kleine Hommage lieferte:
 

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