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Film-Blog: Die Sache mit dem Popcorn

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„Entschuldigung, aber das muss ich jetzt wirklich mal sagen: Sie sind wohl der penetranteste Popcorn-Esser, mit dem ich es je in einem Kinosaal zu tun hatte!“ Meine Mutter. Eine durchaus höfliche, geduldige und unkomplizierte Frau. Lehrerin. Aber da hat es ihr dann mal gereicht. Es ist schon ein paar Jahre her, dass ich darüber gestaunt habe, wie gnadenlos ihre Schelte über unseren Sitznachbarn in einem Frankfurter Kino erging, der damals in der Tat sehr penetrant über den gesamten Film hinweg seine Popcorntüte (und dann noch die seiner Begleiterin) malträtierte. Nichts kann, wenn man sich in einen guten Film vertiefen möchte, ärgerlicher sein.

Essen ist ja so eine Tätigkeit, der man sich meiner Meinung nach immer und überall hingeben könnte – kaum etwas tue ich lieber! Aber sobald ich das Gefühl habe, ich könnte meinen Mitmenschen damit auf die Nerven gehen, macht es keinen Spaß mehr. Deshalb gilt: Popcorn gibt es in den großen Multiplexkinos, etwa dem Metropolis am Eschenheimer Turm. Die stellen den Konsum doch ohnehin an erste Stelle, und ohne einen eigenen Popcorneimer vor der Nase hält man es hier, wo der Lärmpegel während einer Filmvorführung schon leicht mal dem einer kleinen Party gleicht, auch nicht aus.

Dann gibt es die „Kompromisskinos“, etwa die Frankfurter Arthouse oder das Berger Kino. Hier gehört Popcorn zwar dazu, und manchmal genieße ich das richtig. Aber man wird auch ohne in den Saal gelassen, und in der Regel (Ausnahmen gibt es ja immer, die obige Szene spielte sich zum Beispiel in einem der Arthouse Kinos ab) trifft sich hier Kinopublikum, das dem Erlebnis auf der Leinwand durch behutsames, leises Snacken seinen Respekt zollt.  
Für wen Popcorn und Kino nicht unzertrennlich zusammengehören, der zählt auf diesem Planeten zu einer kleinen Minderheit. Alle anderen sind erst einmal irritiert, wenn sie Spielorte wie das Kino des Deutschen Filmmuseums oder auch das filmforum Höchst betreten. Hier gibt es kein Popcorn, und zwar aus Prinzip. Ich finde es gut, wenn Kinobetreiber das aus Überzeugung und nach eigener Haltung entscheiden, auch, wenn das Abstriche im Profit bedeuten mag.

Auf einer Website wurde kürzlich unser hauseigenes Kino als Alternative für Fußball-EM-Muffel empfohlen. Da hieß es: „Das Beste während der EM: nicht nur, dass die Sitzauswahl enorm ist, auch in der Schlange zum Popcorn muss man nicht lange stehen!“ Das stimmt, die Sorge um die Popcornschlange hat sich bei uns sehr schnell erledigt, denn wo es kein Popcorn gibt, da fehlt auch die entsprechende Schlange. Eine einfache Rechnung! Was aber nicht stimmt, ist das mit der Sitzauswahl: Unser Programmkino ist durchaus gut besucht, und das war es auch während der EM. Es scheint in Frankfurt eben doch eine Menge Leute zu geben, denen es in erster Linie um ein gutes Programm geht – und nicht ums Popcornessen. Vielleicht sollten wir gerade deshalb den unbewussten Seitenhieb aufgreifen und zum Werbeslogan machen:

„Bei uns müssen Sie (gar nicht erst) aufs Popcorn warten!“

P.S.: Heute in der Zeitung gelesen: es gibt auch im Multiplex Vorstellungen, bei denen Popcorn verpönt ist. Etwa wenn Richard Wagners „Parsifal“ von den Bayreuther Festspielen übertragen wird. Denn Oper und Popcorn? Das geht nun wirklich nicht zusammen!
 
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