Lade Login-Box.
E-Paper
Abo & Service Immo Stellen Trauer

Film-Blog: Wieder und wieder und wieder

Von Manchmal scheint es, als seien der Unterhaltungsindustrie die Ideen ausgegangen. Oder wie sonst ist zu erklären, dass in Hollywood immer mehr Fortsetzungen aufkommen?
Matt Damon als Jason Bourne. Matt Damon als Jason Bourne.
Seit ein paar Wochen sind allenthalben Menschen unterwegs, die mithilfe ihrer Smartphones kleine Monster mit eigenwilligen Namen wie Shiggy, Glumanda oder Pikachu zu fangen versuchen und dabei die Nicht-„Augmented Reality“ ihrer Umgebung völlig vergessen. Und während es also auf der Straße und im Web plötzlich von Pokémon wimmelt, fragt sich so mancher vielleicht: „Gab es die nicht schon mal?“ In einer Zeit, als man Internet noch im Minutentakt bezahlte, und Mobiltelefone noch etwas für reiche Schnösel waren – auch genannt „Die 90er“?

Natürlich kann man dem japanischen Unterhaltungskonsolenhersteller Nintendo gratulieren: es ist ihm gelungen, eine eigentlich ziemlich unkreative Spieleidee – Monster suchen und fangen, dann gegeneinander antreten lassen – 15 Jahre, nachdem die erste Erfolgswelle vorbei war, den neuen Technologien und Mediengewohnheiten anzupassen, statt Sammelkarten und Konsolenspielen jetzt GPS und mobile Endgeräte... Aber noch viel mehr ist der „Pokémon Go“-Trend ein Paradebeispiel für das Phänomen, dass in der Welt der Fiktion inzwischen alles einfach schon einmal dagewesen zu sein scheint.

Der walisische Schriftsteller und Kameramann Jasper Fforde behauptet in  seinem Roman „In a Good Book“ (dt: In einem anderen Buch), es gäbe nur sieben kreative Grundhandlungen für eine Geschichte – sechs davon könne man bei Shakespeare wiederfinden, die siebte sei noch nicht gefunden. Das ist natürlich überspitzt und außerdem in einem Roman gesagt, also wohl nicht wörtlich zu nehmen.

Dennoch: Manchmal scheint es, als seien der Unterhaltungsindustrie die Ideen ausgegangen. Oder wie sonst ist zu erklären, dass in Hollywood immer mehr Fortsetzungen aufkommen: ob als Sequels, Prequels, Spin-Offs, Reboots  oder mit anderen Euphemismen beschrieben? Nicht nur, dass Dauerbrenner wie Star Wars (in diesem Jahr den neunten Kinofilm), Star Trek (dreizehnter Spielfilm) oder James Bond (2015 der 26. Film; der 24. nach offizieller Studiozählung) immer wieder nachlegen, auch „kleinere“ Franchises werden fortgesetzt. Ist die Geschichte von Spider-Man in der Trilogie von Sam Raimi (US 2002 – 2007) mit Toby Maguire in der Titelrolle zu Ende erzählt, beginnt man eben mit einem neuen Schauspieler von Neuem (THE AMAZING SPIDER-MAN; US 2012. R: Marc Webb).

Und egal, wie sehr er gealtert sein mag – 2019 wird Indiana Jones sein siebtes Kino-Abenteuer erleben, natürlich erneut gespielt von Harrison Ford. Ein anderer Held, der immer wieder zurückkehrt, ist der CIA-Meisterspion Jason Bourne. Man könnte meinen, nachdem es in der anfänglichen Trilogie (US u.a. 2002 – 2007) darum ging, dass der arme Bourne nur seine Identität zurückerlangen und untertauchen wollte, sollte man ihm dies auch gestatten, aber offensichtlich lässt das Schicksal (oder Universal Pictures) den von Matt Damon verkörperten Helden nicht in Ruhe: heute läuft der inzwischen fünfte Film über die ursprünglich von Robert Ludlum geschriebene Figur an (JASON BOURNE; US 2016. R: Paul Greengrass).

Aber vielleicht hat diese ewige Fortsetzung und Wiederholung auch ihr Gutes: Statt sich jeden Kinobesuch aufs Neue auf neue Protagonisten mit ihren (im besten Falle) individuellen Charakteristika einstellen zu müssen, setzt genau diese Art von parasozialer Beziehung ein, die dazu führt, dass man meint, Fernsehmoderatoren seit Jahren zu kennen. Es ist, als würde man im Kino alten Bekannten wiederbegegnen, sich wieder mit ihnen freuen oder mit ihnen leiden. Und wenn dann Jason Bourne wieder auf der Leinwand auftaucht, werden wir uns vielleicht sagen: „Der Jason ist ja alt geworden“, aber zugleich sind wir wieder bereit, mit ihm mitzufiebern, auf seinem endlosen Kampf gegen die korrupte Welt der Geheimdienste.
 
Zur Startseite Mehr aus Filmblog

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2016 Frankfurter Neue Presse