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Filmblog: Die Hochzeit meines besten Freundes

Von Ein Glück: In meinen lebenslangen Freund, der an diesem Wochenende mit seiner Freundin in den Ehestand treten will, bin ich nicht heimlich verliebt.
Foto: Frank Leonhardt (dpa)
Und noch ein Glück: Seine Freundin habe ich in den vergangenen Jahren sehr lieb gewonnen. Ich kann mich auf eine wunderschöne, unkonventionelle Hochzeitsfeier irgendwo in der Toskana freuen, anschließend auf eine ganze Woche Urlaub mit den Vermählten am Ort des Geschehens, und daran anschließend auf viele weitere Besuche bei meinen liebsten Berlin-Gastgebern, die genauso sein werden, wie immer: entspannt, lustig, gut – nur eben mit Ring am Finger.

Es erwarten mich also keine von plötzlichem Gefühlschaos ausgelösten dramatischen Ereignisse wie Julia Roberts, Dermot Mulrones und Cameron Diaz in MY BEST FRIEND’S WEDDING (Die Hochzeit meines besten Freundes, US 1997, R: P.J. Hogan). Auch muss ich die Hochzeit meines Freundes nicht stören, indem ich so tue, als hätte ich mich ganz zufällig in der Kirche geirrt: „Entschuldigung, ist das hier nicht die Seligman-Beschneidung?“ (Christina Applegate, abermals mit Cameron Diaz in der furchtbar platten und doch so lustigen Komödie THE SWEETEST THING, Super süß und super sexy, US 2002, R: Roger Kumble). Weil ich weiß, dass beide einander sehr lieben, und weil ich weiß, dass beide das, was sie tun, sehr bewusst tun, muss ich zudem während der Zeremonie keinen Einspruch erheben und die Hochzeit damit platzen lassen – wie der taubstumme David in FOUR WEDDINGS AND A FUNERAL (Vier Hochzeiten und ein Todesfall, GB 1994, R: Mike Newell), als der großartig von Rowan Atkinson gespielte Priester im Begriff ist, dessen Bruder Charles mit einer Frau zu verheiraten, die er gar nicht liebt.

Ich kann einfach nur da sein und mich an der Liebe zwischen zwei Menschen erfreuen, und wahrscheinlich werde ich sehr gerührt sein, obwohl ich immer behaupte, dass ich heiraten eigentlich nicht so wichtig finde. Das ging mir schon ein paar Mal so, wenn gute Freunde geheiratet haben, und oft habe ich später erzählt: „Es war wunderschön, wie im Film!“ Dabei sind viele Filmhochzeiten, zum Beispiel die oben genannten, gar nicht schön! Oft handelt es sich bei Hochzeitsfilmen ja ohnehin um Komödien, bei denen allerhand schief geht und ich glaube, noch nie hat mich eine Hochzeitsszene zu Tränen gerührt. Es gibt eben Geschichten, die das Leben doch besser schreibt, als jedes Drehbuch. Und während im Kino des Deutschen Filmmuseums noch bis Ende August Ferien auf der Leinwand zelebriert werden, mache ich Ferien von der Leinwand. Auf bald!
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