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Filmblog: Kino im Hochsommer und Eltern-Kind-Beziehungen

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Heute ist meteorologischer Herbstanfang – merkt man aber nicht. Wenn ich Freunden bei den aktuellen Temperaturen vorschlage, mal wieder ins Kino zu gehen, ist die Standardantwort meist „Kino ist für mich eher so ein Winterding“. Sie gehen lieber in den Park, ins Schwimmbad, Grillen oder was man eben sonst so an Sommerabenden macht. Wikingerschach soll ja auch total toll sein!
Bester Kompromiss aus solchen Come-Together-After-Work-Veranstaltungen und dem Gang ins Kino, ist ein Besuch im saisonalen Freiluftkino. Daher hat es vergangene Woche mal wieder geklappt ­– mit mir und dem Kino. Bei circa 36 Grad ging das Kalkül der Veranstalter, den für 20 Uhr angesetzten Film erst um halb zehn zu starten, voll auf: Meine Begleitung und ich suchten in der Zwischenzeit mehrmalig die Bar auf – sozusagen Hopfen gegen Hitze.
Zum Film. Gezeigt wurde der deutsche Beitrag im Rennen um den Auslands-Oscar TONI ERDMANN (DE 2016, R:  Maren Ade). Für den Veranstalter der „Beste Film des Jahres“. Kann schon sein.
Das Thema ist klassisch – eine Eltern-Kind-Beziehung. Die Tochter, eine Karrierefrau wie sie im Buche steht, lebt in Bukarest und wird von ihrem Vater, einem romantischen Musiklehrer, mit einem Faible für schlechte Pointen, überraschend besucht. Die spärlichen Gespräche der beiden sind von nicht immer subtilen Vorwürfen und Differenzen geprägt, so dass sich bei mir als Zuschauer eine unangenehme innere Unruhe ausbreitete. Ein in manchen Teilen des Films fast unerträgliches Gefühl, das mich mit der Frage zurückließ, warum fühlen wir uns (ich mich) bei dieser Thematik so oft unwohl?

Schwierige Eltern-Kind-Geschichten im Allgemeinen und Vater-Tochter-Verhältnisse im Speziellen sind im Kino allgegenwärtig. Man muss anerkennen, dass sie, wie Liebesgeschichten um Charaktere, die sich nicht ausstehen können, zu den zentralen wiederkehrenden Themen des Kinos gehören. Beispiele gibt es zuhauf: STAR WARS (USA 1977, R: George Lucas), GODFATHER (USA 1972, R: Francis Ford Coppola), TAKEN (FR 2008, R: Pierre Morel), INDIANA JONES (USA 1981, R: Steven Spielberg), MOMMY (CN 2014. R: Xavier Dolan), NEBRASKA (USA 2013, R: Alexander Payne) – es ist eines dieser Dauerbrenner-Themen, weil sich der Zuschauer mit den Personen identifiziert, sich mit ihnen verbunden fühlt. Eltern-Kind – das kennen wir! Warum aber fühle ich mich dann so unwohl?

Eltern sind peinlich! Das ist zumindest der Eindruck, den sich beim Schauen vieler Filme einstellt. TONI ERDMANN ist da keine Ausnahme, vielmehr ein Extrem. Und doch: Einerseits fühlen wir mit den „Kindern“, schämen uns für ihre Eltern fremd, anderseits ist ebenso Mitgefühl für diese vorhanden. Dieses hin- und hergerissen sein, zwischen schlechtem Gewissen und Mitleid, Scham und Schuld, erzeugt ein Unwohlsein, weil man sich ertappt fühlt.

Der Abend wurde lang (162 Minuten Film) – die Nacht war kurz und zu warm. Aber: Kino im Sommer – das funktioniert! Vielleicht rufe ich gleich mal meine Eltern an?
 

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