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Film-Blog: Ein Star sieht die Flut kommen

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"Was passiert mit unseren Gletschern? Leonardo DiCaprio mit einem Klimaforscher auf Grönland. Quelle: National Geographic" "Was passiert mit unseren Gletschern? Leonardo DiCaprio mit einem Klimaforscher auf Grönland. Quelle: National Geographic"

Erinnern Sie sich noch daran, welche Bilder in ihrem Kinderzimmer hingen? Ich blickte von meinem Bett aus auf ein Janosch-Poster: ein Frosch mit einem riesengroßen Blumenstrauß in der Hand. Ein schöner, weder auf- noch anregender Anblick. Über Leonardo DiCaprios Kinderbett erstreckte sich ein Triptychon, das den Oscar®-Preisträger schon in frühesten Kindertagen nachdenklich stimmte: Hieronymus Boschs „Garten der Lüste“, auf dem neben dem Garten Eden und dem Paradies das schreckliche Bild der Hölle wie eine Warnung gewirkt haben muss, die er bis heute nicht vergessen konnte: In ebendieser Hölle werden wir Menschen uns wiederfinden, wenn wir nicht endlich aufhören, unseren Planeten zu zerstören.

Während der Dreharbeiten zu THE REVENANT (Alejandro G. Iñárritu, US 2015) wurde Leonardo DiCaprio selbst Zeuge der verheerenden Auswirkungen des Klimawandels: Rekordbrechende Temperaturen in Nordkanada brachten das Filmset 2013 förmlich zum Schmelzen. Das 200 Kopf starke Team musste um die halbe Welt reisen, ins südlichste Argentinien, um dort den Dreh abzuschließen. Davon berichtete der Schauspieler, als er im Februar 2016 endlich den Oscar® für seine Leistung als Bester Hauptdarsteller in ebendiesem Film in den Händen hielt: „Der Klimawandel ist echt. Er passiert genau jetzt!“

Fisher Stevens‘ Dokumentation BEFORE THE FLOOD (US 2016) ist das Porträt eines US-Schauspielers, der Zeit seiner Karriere nicht nur für großartige Leistungen in Filmen wie WHAT’S EATING GILBERT GRAPE (Lasse Hallström, US 1993), TITANIC (James Cameron, US 1997) und zuletzt THE REVENANT bekannt ist – sondern auch für sein außerordentliches Engagement im Kampf gegen den Klimawandel, aufgrund dessen die Vereinten Nationen ihn 2014 zum UN-Messenger of Peace for the Climate ernannt haben. In dieser Funktion reist Leonardo DiCaprio für ein National-Geographic-Filmprojekt um die Welt, besichtigt wärmegesprengte Gletscher in Grönland, ein geflutetes Miami, heruntergebrannte Wälder in Indonesien. Gemeinsam mit seinem Team findet er beeindruckende Bilder für das bedenklich rasante Fortschreiten der Erderwärmung und will die Menschheit aufrütteln.

Viele Umweltaktivisten wollen das, aber wenige darunter gehören zu den bestbezahlten Schauspielern der Welt und sind so berühmt, dass sie mal eben bei Ban Ki-Moon, Barack Obama und Papst Franziskus anklopfen können, die sich allesamt dazu bereit erklären, vor laufender Kamera mit Leo über die Zukunft unserer Erde zu sprechen. Deshalb ist BEFORE THE FLOOD, für den kein geringerer als Martin Scorsese als ausführender Produzent mit seinem Namen steht, schon jetzt ein Erfolgsfilm. Nachdem der Film am 30. Oktober in 171 Ländern und 45 Sprachen auf dem National Geographic Channel lief, kann er bis zum 6. November kostenlos im Internet gestreamt werden. Es ist durchaus denkbar – und wünschenswert – , dass Leonardo DiCaprios Ruhm dem bewegenden Film über die bedrohlichen, menschengemachten(!) Folgen des Klimawandels zu Millionen von Aufrufen verhilft, und man kann nur hoffen, dass Zuschauerinnen und Zuschauer sich zu Herzen nehmen, was der Film vermittelt. Gerade jetzt, da den USA in nur wenigen Tagen eine weitere menschengemachte Katastrophe bevorstehen könnte: Mit Donald Trump würde das Volk einen Präsidenten wählen, der ausländerfeindlich und frauenverachtend auftritt, von Politik keine Ahnung hat – und der die reale Bedrohung durch den Klimawandel für eine Lüge hält...
 

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