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Film-Blog: „Wenn Sie sich unterhalten wollen...“

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Frankfurt.  Schon klar, eigentlich soll man ja gelassen durchs Leben gehen, die Fehler und Unachtsamkeiten Anderer nach Möglichkeit ignorieren und sich nicht aufregen. Aber seien wir ehrlich: Wie oft klappt das schon? Wenn sich im Supermarkt mal wieder jemand vordrängelt oder an der Kasse stundenlang nach passendem Kleingeld wühlt oder, noch schlimmer, überhaupt erstmal in Ruhe einpackt und dann erst anfängt, das Portemonnaie zu suchen – kann gerade noch so klappen. Wenn man fast von einem rücksichtslosen Fahrradfahrer umgenietet wird, der auf Dübelkommraus noch ganz unbedingt an einer engen Stelle an dir vorbei jagen muss oder man selbst auf dem Fahrrad unterwegs ist und einem ein Fußgänger, die Augen aufs Smartphone geheftet, in den Weg torft – schon schwieriger. Wenn jemand in der U-Bahn aus Rücksichtslosigkeit, Unüberlegtheit oder was auch immer nicht in der Lage ist, den extrem breiten Rucksack abzunehmen und dir damit zielsicher bei einer Bewegung 30 kg Gepäck ins Gesicht donnert – quasi unmöglich.

Auch das Kino ist ein Ort, an dem viele harte Geduldsproben lauern: Und gemeint ist nicht lautes Popcorn-Schmatzen und Rascheln, das muss man wohl in Kauf nehmen, so unangenehm es sein mag. Es nervt aber, dass die Smartphoneisierung der Gesellschaft offensichtlich inzwischen so omnipräsent ist, dass es Leute nicht einmal mehr schaffen, in einem abgedunkelten Raum, in dem jede fremde Lichtquelle eine deutliche Störung für alle anderen darstellt, für die Länge des Films ihr Phone in der Tasche zu lassen, sondern parallel mit ihrem privaten Second Screen herumleuchten müssen. Bedenklich in Bezug auf Aufmerksamkeitsspannen? Vielleicht. Schlichtweg rücksichtslos und eine echte Belästigung aller anderen Kinobesucher, die sich lieber auf den Film konzentrieren möchten als von Geleuchte um sich herum gestört zu werden? JA!

Aber eine Sache gibt es, die schlägt das noch um Längen: Das Gesehene kontinuierlich zu kommentieren! Zwar ist es in sozialen Netzwerken üblich, immer alles in Echtzeit zu bewerten, doch im Kino ist es doch sehr irritierend, wenn jemand hinter, vor oder neben dir permanent vor sich hin schwatzt! Und gemeint ist nicht ein kurzer, geflüsterter Satz an einen Sitznachbarn in einer bestimmten Filmsituation. Gemeint ist ein kontinuierlicher Wortschwall, der jede Regung auf der Leinwand in Zimmerlautstärke begleitet! Da muss man sich doch fragen: Was denken sich die Leute? Dass sie auch in der analogen Welt Privatsphäre-Einstellungen vornehmen können, wodurch sie nur für die hörbar sind, für die ihr Geplapper bestimmt ist? Oder ist es inzwischen soweit gekommen, dass manche Leute nur noch durch Reagieren rezipieren können? Nebenbei bemerkt zieht sich dieses Phänomen durch alle Altersgruppen! Und es betrifft nicht nur Blockbuster-Vorstellungen sondern sogar sehr exquisite Kulturkinoveranstaltungen wie Stummfilme mit Live-Orchesterbegleitung.

„Das hier ist ein Kino, wenn Sie sich unterhalten wollen, bleiben Sie zu Hause!", sollte man vorschlagen – aber dazu bin ich wohl zu höflich. 
Vielleicht wäre ja auch ein „Psst“-Piktogramm wie in den Fernverkehrszügen der DB an jedem Kinoeingang eine Idee? Sich so daran zu stören, dass man vor Wut nichts mehr vom Film mitbekommt, kann jedenfalls nicht die Lösung sein. Also bleibt dann wohl doch nur tief durchzuatmen und sich ganz der Leinwand hinzugeben – und sich an Situationen zu erinnern, in denen man selbst sich nicht so ganz sozialkompatibel verhalten hat…
 
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