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Film-Blog: Zum Kotzen!

Von Es gehört zur Profession des Schauspielens, sein Innerstes nach außen zu kehren. Sarah Hujer schreibt dazu über ein Thema, das bewusst als Nichen-Interesse behandelt wird. Das Kotzen im Film.
Es gehört zur Profession des Schauspielens, sein Innerstes nach außen zu kehren. Nicht immer geschieht das dermaßen plakativ wie zuletzt in TSCHICK (DE 2016, R: Fatih Akin), VICTORIA (DE 2015, R: Sebastian Schipper) und CREED (US 2015, R: Ryan Coogler). Wie es der Zufall so will, habe ich diese drei Filme in dichtem Abstand zueinander gesehen. Was mir als Gemeinsamkeit in Erinnerung geblieben ist: Die Kotz-Szenen. Und wenn man sich einmal auf ein Thema oder ein Motiv eingeschossen hat, richtet sich die Aufmerksamkeit bekanntlich fortan verstärkt auf dieses Thema: Eine Kollegin findet etwas „zum Kotzen“, ein Kollege kocht Palak Paneer – Spinat, Tomaten und Käse – und, was soll ich sagen: es schmeckt vorzüglich. Aber haben Sie dieses Gericht schon mal gesehen?

Da kommt einem gleich die grüne, schleimige Masse in den Sinn, die Regan Teresa MacNeil in THE EXORCIST (US 1973, R: William Friedkin) dem Priester ins Gesicht röhrt. Einen schönen Farbkontrast dazu bieten die ausgeschiedenen Körperflüssigkeiten infolge des Blaubeerkuchen-Wettessens in STAND BY ME (US 1986, R: Rob Reiner). Überhaupt, das Essen: Bevor Mr Creosote in THE MEANING OF LIFE (GB 1983, R: Terry Jones) nach dem Verzehr eines Pfefferminzblättchens platzt, übergibt er sich mehrfach, was ihn nicht davon abhält, danach weiter zu essen. Immerhin bedient er sich hierfür frisch servierter Speisen und nicht des eben Erbrochenen, was John Waters nach seinem Film MULTIPLE MANIACS (US 1970) den Titel „Prince of Puke“ einbrachte – er ist der „König des Kotzens“. Und wie es sich für den Träger dieses ehrenvollen Titels gehört, hat er zu diesem Thema auch verbal etwas beizusteuern, nämlich: „Was ich nicht verstehe ist Folgendes: Weshalb übergibt sich eine Frau in einem Film, die schockiert ist, weil sie herausfindet, dass ihr Mann Sex mit einer anderen hat. Haben Sie das jemals gemacht? Ich habe davon noch nie gehört. Ich erbreche mich niemals, wenn ich wütend bin. Ich übergebe mich, wenn ich betrunken bin oder wenn ich krank bin.“

Es ist klar, was er meint, ich habe sie vor Augen, diese Szenen, in denen Protagonist/innen sich aus Enttäuschung oder Verzweiflung übergeben. Nur will mir einfach kein konkretes Beispiel einfallen. Dann schon eher wieder – wie auch in TSCHICK und VICTORIA – die Version mit der Trunkenheit und Drogensucht: Etwa Kate Winslet in CARNAGE (Der Gott des Gemetzels, FR/DE/PL 2011), Tom Gerhardt in VOLL NORMAAAL (DE 1994, R: Ralf Huettner) – das Erbrochene landet hier zielsicher auf dem Buffet – oder, um ein etwas drastischeres Beispiel heranzuziehen, der kalte Drogenentzug in Ulrich Edels CHRISTIANE F. – WIR KINDER VOM BAHNHOF ZOO (DE 1981). Oder eben doch Szenen, in denen sich eine Person übergibt, weil sie krank ist, wie Rocky in CREED.

Wer jetzt allein von den Beispielen so geekelt ist, dass er sich selbst am liebsten übergeben würde, sollte vielleicht darauf verzichten, sich RAW (FR/BE 2016, R: Julia Ducournau) oder THE WALK (US 2015, R: Robert Zemeckis) anzusehen. Zumindest kursieren zu beiden Filmen Gerüchte, die Zuschauer im Kino hätten sich angesichts des Gesehenen übergeben. Im ersten Fall aus Ekel vor dem roh verzehrten Fleisch, im zweiten aufgrund von fehlender Schwindelfreiheit. Die Sage von den Kinobesuchern des frühen Films, die vor einem einfahrenden Zug auf der Leinwand Reißaus nahmen, setzt sich so unter anderen Vorzeichen fort.
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