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Film-Blog: Ist weniger mehr?

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Foto: Berlinle 2016
Nicht genug, dass uns die Tage bis zum neuen Jahr wie Sand durch die Finger rinnen. Bis kurz vor Weihnachten werden in unseren Breiten bekanntermaßen auch die Tage selbst kürzer. Morgens dunkel, abends dunkel – alles doof!

Doch mitten in der Tristesse schallt es erhebend durch die Nacht: „Fürchtet euch nicht! Denn weniger ist mehr!“ Der Bundesverband Deutscher Kurzfilm ruft engelsgleich die „größte Kurzfilmfeier des Jahres“ aus. Der 21. Dezember – Tag der Wintersonnenwende – ist seit einigen Jahren schon offizieller Festtag für die zuweilen stiefmütterlich behandelte Filmform – eine Form, die eigentlich mit der Zeit gewonnen hat, wo doch neue Technologien und Videoportale unsere Aufmerksamkeitsspanne langsam aber sicher pulverisieren. Beachtliche 252 Veranstaltungen sind dann deutschlandweit geplant.

In Frankfurt beteiligt sich das Kino des Deutschen Filmmuseums. Am Mittwoch um 20:30 Uhr wird dort eine Auswahl vom Deutschen Kurzfilmpreis 2015 gezeigt.
Am Tag darauf ist der Spuk dann schon wieder vorbei und die Tage werden endlich wieder länger – das Leben geht weiter.

Doch sind wir diese überbeschleunigte Welt nicht schon eine ganze Weile leid? Entschleunigung heißt in diesem Zusammenhang das Modewort. Eine neue Nische tut sich hier auch in der Filmwelt auf. Bildet der abendfüllende Langfilm die Norm, wird dieser Rahmen im Zuge des entschleunigten Kinos immer öfter gesprengt.  
En vogue sind derzeit die Marathonfilme des philippinischen Regisseurs Lav Diaz. Seit neuestem ist er Stammgast und oftmals auch Gewinner bedeutender Filmfestivals: 2014 gewann er für Von dem, was war (PHL 2014) in Locarno den Goldenen Leoparden – Dauer: läppische fünfeinhalb Stunden. Dieses Jahr präsentierte er auf der Berlinale mit A Lullaby to the Sorrowful Mystery (PHL/SGP 2016) den längsten Film aller Zeiten im Wettbewerb: und das mit ein wenig mehr als acht Stunden. Im August folgte dann auch der Gewinnerfilm in Venedig: The Woman Who LefT (PHL 2016) mit diesmal mickrigen dreieinhalb Stunden.
Trotz der Wertschätzung, die seinen Filmen auf Festivals entgegengebracht wird, bleiben sie einem Massenpublikum verwehrt. Wäre es da nicht an der Zeit, ein Pendant zum Kurzfilmtag auszurufen?

Der längste Tag des Jahres, die Sommersonnenwende, am 21. Juni könnte doch von nun an als Tag der langen Filme gelten! Ein Tag, an dem wir innehalten und uns während der langen Einstellungen von Diaz, Bela Tarr oder Tsai Ming-liang und Konsorten unserer Endlichkeit bewusst werden. Als historisches Vorbild könnte Richard Wagner dienen: Die Meistersinger wurden 1868 am 21. Juni uraufgeführt – vor bald 150 Jahren also – und verlangten dem Premierenpublikum damals mit mehr als vier Stunden ordentlich Sitzfleisch ab.

Das einzige Problem: Seit 2000 ist der 21. Juni bereits offizieller Tag des Schlafes. Aber Moment, könnten sich da vielleicht nicht sogar Kooperationen ergeben?
 
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