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Film-Blog: Silvester mit Staffel

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Haben Sie Silvester ordentlich gefeiert? Es richtig krachen lassen, mit viel Gesang, Spiel und Tanz und jeder Menge Alkohol? Ach ja, und dann um 12 Uhr mit Feuer, Zeter und Mordio? Ja? Erstaunlich. Ich kenne eigentlich niemanden, der oder die das noch so macht. Muss am Alter liegen.

Silvester? FARGO. Staffel 1. Mit Billy Bob Thornton und Martin Freeman. Start 15:15 Uhr. Erschöpfungsschlaf: 01:16. Acht Folgen geschafft. Die letzten beiden mussten auf den Neujahrsnachmittag warten.

Ganz lustig. Glanzrolle für Billy Bob. Martin Freeman verharrt ein wenig nervtötend in seinen immergleichen Tics. Aber das kann auch am Serienoverkill liegen... Wer erträgt so einen speziellen Schauspieler wie Martin Freemann, noch dazu in einer so ausgeprägt nerdigen Rolle, schon zehn Stunden am Stück?

FARGO (die Serie) ist pures Nonsens-Schaulust-Glück – mit großartigen Schauspielern, grandios-leeren Schneelandschaften, viel Melancholie, verblödeten FBI-Agenten, dummen Polizisten, schlauen Polizisten, tonnenweise Blut und – trotz der kleinen Arabesken über menschliche Unwuchten – ganz wenig Ernsthaftigkeit.
Ein perfektes Gegenprogramm dazu ist I, DANIEL BLAKE (GB 2016), der in Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnete neueste Film von Ken Loach, diesem unermüdlichen und unverwüstlichen Kritiker des Systems. Seit Jahrzehnten stellt sich Loach in inzwischen dutzenden Filmen immer wieder an die Seite der Unterdrückten, der Armen, der in die Mühlen der Bürokratie, der Justiz, der Armut, der unzulänglichen Sozialunterstützung Geratenen, und attackiert „die da oben“.

So auch in I, DANIEL BLAKE, ein typischer Loach, der erzählt, wie ein schwer herzkranker Schreiner völlig verarmt, weil die Sozialbehörde ihm die Beihilfe verweigert, als er aus ihrer Sicht zu wenig Einsatz bei der Arbeitssuche zeigt. Und das, obwohl er aus medizinischer Sicht gar nicht arbeiten darf. Bei Loach folgt die Form der Funktion: In kargen, ein wenig grauen Bildern erzählt er die Geschichten dieser vom Leben ergrauten Menschen, die im zugig-verhangenen Newcastle um ihre Würde kämpfen. Bei Loach ist alles Inhalt und Message und Zorn, bei FARGO alles menschlicher Abgrund, Nonsens und Wahnwitz.

Zwei sehr weit voneinander entfernte Pole der Bewegt-Bild-Welt, die deutlich machen, wie zentral im menschlichen Kosmos die Vielfalt ist.

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