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Film-Blog: Endlich wieder Schlange stehen

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Foto: idigitaltimes.com
Frage: “Kommt das komisch, alleine ins Kino zu gehen?„ - Antwort: „Denk' nicht an die andern. Sei stark. Es ist besser wie wenn jemand aus Mitleid mitgeht.“
Glück gehabt! Auf gutefrage.net und dessen - ohne jeden Zweifel - außerordentliche Schwarmintelligenz ist wie immer Verlass: Alleine ins Kino zu gehen, ist seit diesem richtungsweisenden Beitrag vom 30. Mai 2011 folglich ein für alle Mal bis zur letzten Vorstellung des letzten Kinos im hoffentlich noch viele Äonen überdauernden Kinozeitalter legitimiert.

Was aber, wenn man nicht nur alleine aufkreuzt, sondern darüber hinaus auch noch die einzige Person bleibt, die sich an diesem Abend für den Besuch des herzerwärmenden Sundance-Roadmovies CAPTAIN FANTASTIC (US 2016) begeistern kann? Will denn wirklich keiner dem großartigen Viggo Mortensen dabei zusehen, wie er endlich mal wieder den moralisch gefestigten Waldläufer gibt? Wie er sich mit einer Handvoll Knirpsen als Gefährten in die Welt des Bösen wagt? Wenn auch nicht als Heldenreise im rauen Mittelerde, sondern als Aussteigergeschichte in den Wäldern Washingtons, wo er sich als „world's greatest dad“ ein Utopia aufgebaut hat, sich nun aber zurückwagen muss in die konsumvergifteten Staaten Amerikas.

Nein, wirklich nicht!? Schade. „Denk' nicht an die andern. Sei stark. Es ist besser wie wenn jemand aus Mitleid mitgeht.“

Nun gut, dann gilt es eben, aus der Not eine Tugend zu machen: Stark zu sein. Selbstbewusst den Platz ganz in der Mitte einzunehmen mit der besten Sicht und dem tollsten Sound. Sich des erhabenen Gefühls bewusst zu werden, dass da hinten im Kämmerchen ein Vorführer nur für einen selbst den Projektor anwirft, den Film startet und den leeren, finsteren Saal mit dem Lichtstrahl von seiner Sinnlosigkeit erlöst. Zum Glück lässt das Personal auch noch die Eingangstür offen, sodass es nicht ganz so dunkel ist. Man weiß ja nie. Oder sind die auch schon nach Hause? Egal, sei stark! Zurücklehnen und genießen ist angesagt.

Die jähe Erkenntnis, dass man im Mainzer „Prinzess“  in einem Kinosaal sitzt, den es nur noch wenige Tage gibt, macht die Situation langsam unheimlich. Ist das hier schon bald Anarene, Texas aus Bogdanovichs THE LAST PICTURE SHOW (US 1971), wo der blutjunge Jeff Bridges als Duane Jackson im Royal Theater ein letztes Mal die Cowboys zum RED RIVER (US 1948) losziehen sieht? Dauert dieses Zeitalter des Kinos doch nicht mehr gar so viele Äonen an? Selbst gutefrage.net weiß auf diese Frage keine Antwort.

Doch die folgenden Tage bringen Erleichterung: bei LA LA LAND (US 2016) im Mainzer CAPITOL und HELL OR HIGH WATER (US 2016) im PALATIN darf der Kinogänger endlich wieder Schlange stehen. Bis raus auf die Straße in die kuschelige Januar-Wärme. Endlich wieder ausverkaufte Säle erleben mit all den Popcorn-Wühlern und geschätzten Nein-da-liegt-meine-Jacke-Grantlern. Endlich wieder Filme aus der ersten Reihe betrachten mit Genickstarre inklusive. Hach, diese Magie!

Auch Jeff Bridges ist immer noch mit von der Partie: Das halbe Jahrhundert, das seit seinem großen Durchbruch bald vergangen ist, sieht und hört man ihm im Neo-Western HELL OR HIGH WATER an. Von seiner Klasse hat er jedoch nichts verloren. Ein paar Jahre bleiben uns und unserem liebsten Zeitvertreib also bestimmt noch!
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