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Film-Blog: Hidden Oscars

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Ein bisschen rumplig verlief sie dieses Mal ja schon, die Oscar®-Verleihung, nicht nur wegen der inzwischen unerträglich breitgetretenen Panne am Ende, auch wegen der eher schlechten Witze, die Moderator Jimmy Kimmel die ganze Zeit vom Stapel ließ, und zu denen der bedauernswerte Matt Damon stundenlang gute Miene machen musste.
Natürlich gäbe es noch viel mehr zu meckern. Schließlich ist man immer fundamental unzufrieden mit den Entscheidungen der Academy-Mitglieder. So ist als erstes die Frage zu stellen: Warum hat Jeff Bridges für seine herausragende Darstellung des Texas Rangers Marcus Hamilton in HELL OR HIGH WATER (US 2016, R: David Mackenzie) nicht den Oscar® gekriegt? Warum ist HELL OR HIGH WATER nicht Best Picture geworden? Warum hat der großartige Mainstream-Hollywoodfilm HIDDEN FIGURES (US 2016, R: Theodore Melfi) so gar keine Auszeichnung bekommen? Warum hat Natalie Portman für JACKIE (US; CL, FR 2016, R: Pablo Larrain) keinen Goldjungen kassiert? Warum, ja warum ist TONI ERDMANN (DE/AU 2016, R: Maren Ade) nicht Bester fremdsprachiger Film geworden?

Und warum schießt einem HIDDEN FIGURES eigentlich so direkt ins Herz? Das sind nicht nur die Reflexe der klassischen Heldinnengeschichte. Obwohl HIDDEN FIGURES natürlich eine ist. Das liegt natürlich an den großartigen Schauspielerinnen, die die so galligen wie humorstrotzenden Dialoge des Drehbuchs mit Leben füllen. Kostüm und Ausstattung sind so stimmig und zuweilen bonbonfarben, dass man sich geradezu ersehnt, selbst in den 60er Jahren erwachsen gewesen zu sein, um diese tollen Kleider zu tragen, und in türkisfarbenen Chevys durch die Gegend zu schaukeln. Wäre da nicht die desolate politische Lage, ein eiskalter Krieg, die Kubakrise und die Rassentrennung, um die es in HIDDEN FIGURES ja verschärft geht.

Ein wenig lachhaft ist, dass sich der Rassismus der US-amerikanischen Gesellschaft hier 100 Jahre nach der Sklavenbefreiung an Lächerlichkeiten festmacht, wie einem eine Dreiviertelstunde entfernten Klo für schwarze Mathematikerinnen. Schließlich gab es zur gleichen Zeit auch jede Menge Ku-Klux-Klan-Tote.
Trotzdem: Auch so etwas scheinbar Nebensächliches wie ein meilenweit entferntes Klo ist halt nicht lustig, wenn es einem passiert. Und natürlich in der Tat extrem lächerlich. Wir jubilieren, wenn Kevin Costner als spröder Hart-aber-fair-Chef persönlich zum Vorschlaghammer greift, um die Rassentrennung auf den Klos zumindest in den Gebäuden der NASA abzuschaffen.

Natürlich geht es auch ans Herz, wenn Katherine (Taraji P. Henson) als verwitwete Mutter von drei Kindern, die tagtäglich von morgens bis abends erdulden muss, was heutzutage ein glasklarer und verschärfter Mobbing-Fall wäre, trotz endloser Überstunden nie den Mut zu verlieren scheint und schließlich nicht nur als Mathematikerin triumphiert, sondern auch noch privat in die Glücksschatulle greift und vom reizenden Jim Johnson (Mahershala Ali) vor den Traualtar geführt wird.
HIDDEN FIGURES ist ein Hollywood-Movie im besten Sinne: Politisch bewegend, emotional berührend, visuell reizvoll und dramaturgisch mitreißend. Ein gelungener Kinobesuch in jeder Hinsicht – auch ohne Oscar®!
 

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