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IS und so

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Eigentlich hängt einem das alles ja längst zum Hals heraus. Leider hilft es nicht, den Kopf in den Sand zu stecken, die Nachrichten abzuschalten und die Probleme der Welt zu ignorieren. Der IS bleibt trotzdem da, so leid es uns tut, ebenso wie Trump, Erdogan, und Putin.

Und natürlich schwemmt die Weltpolitik auch in die Filmszenarien. Sogar Aki Kaurismäki liefert einen politisch hochaktuellen Film. Nachdem er sich ja bereits vor einigen Jahren in LE HAVRE (FL/FR/DE 2011) mit der Flüchtlingsproblematik auseinandergesetzt hat, legt er dieses Jahr nach. Selbes Thema – völlig anderes Setting: TOIVON TUOLLA PUOLEN (Die andere Seite der Hoffnung, FL 2016). Ein Film, auf den ich mich richtig freue, der Trailer ist vielversprechend und Kaurismäki ja immer eine sichere Bank. Vor allem gefällt mir, dass er sich was traut: Nicht jeder hätte den Mumm dazu, dass Flüchtling und Finne sich erst einmal ordentlich eins auf die Nase geben – bevor sie im Anschluss Seit‘ an Seit‘ in den Sonnenuntergang oder so ähnlich...

Marie-Castille Mention-Schaar hatte schon in ihrem Film LES HÉRITIERS (Die Schüler der Madame Anne, FR 2014) ein sicheres Händchen beim Casting. Zwei der jungen Talente, Noémie Merlant und Naomi Amarger hat sie auch in ihrem neuesten Werk, LE CIEL ATTENDRA (Der Himmel wird warten, FR 2016), der das Anwerben französischer Teenager durch Islamisten thematisiert, besetzt. Die beiden jungen Schauspielerinnen brillieren durch ihr einfühlsames Spiel und die zarte Mimik, mit der beide ihre heftigen Gefühlsstürme gekonnt nach außen tragen.

Merlant spielt die 17-jährige Sonia, die von einer Anti-Terror-Einheit kurz vor einem geplanten Anschlag des IS in ihrem Elternhaus zunächst festgenommen und schließlich unter Hausarrest gestellt wird. Sie ist zutiefst verstrickt in das Denksystem des IS und glaubt mit beängstigender Intensität, dass ihre Familie dem Untergang geweiht ist, sofern sie selbst das als Gotteskriegerin nicht verhindert. Nur langsam und schmerzhaft befreit sie sich mit Hilfe ihrer Mutter aus den Gedankenfesseln, die sie fast in eine Psychose gleiten lassen.

Mention-Schaar verschränkt Sonias Geschichte einer Befreiung gekonnt mit der Mélanies, die als patentes katholisches Mädchen mit vielen Freund/innen langsam in die selbstgewählte Isolation rutscht, als sie sich im Internet in einen Anwerber des IS verliebt. Dieser beeinflusst das junge Mädchen so subtil und geschickt, dass sie sich von sämtlichen Freunden lossagt, ihr geliebtes Cellospiel aufgibt, heimlich einen Niqab trägt. Am Ende bricht sie nach Syrien auf und lässt eine vollkommen desolate Mutter zurück, die ähnlich wie Sonias Mutter von den schwerwiegenden Veränderungen, die in ihrer Tochter vorgingen, nichts mitbekommen hatte.
Der Film ist stets sehr nahe bei den jungen Frauen und macht beinahe intuitiv deutlich, wie leicht sich in einer globalisierten und vernetzten Welt junge, in Industrienationen sozialisierte Menschen von geschickten Indoktrinatoren auf die andere Seite ziehen lassen.
 
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