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Film-Blog: Typecasting – Hollywood aus der Schublade

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Schiefer Blick, schmierige Haare, eine ebensolche Persönlichkeit und irgendwie asymmetrische Gesichtszüge – klar, das muss der Böse sein. Der Gute hingegen: breite Schultern, eine geschwollene Brust und ein markantes Kinn. Das kommt einem doch bekannt vor.

Oder: Sie trägt eine Brille, hat lange, meist zum Zopf gebundene Haare und wenn sie nicht gerade im weißen Kittel über Laborflure huscht, verhüllen khakifarbene Hosen ihre Beine – eine typische Wissenschaftlerin!

Dann gibt es da noch den schusseligen, zuweilen leicht reizbaren Typen, der gerne mal einen über den Durst trinkt, im Allgemeinen wenig auf die Reihe kriegt, durch einen Schicksalsschlag dann aber doch sein Leben in gelenkte Bahnen bringen muss; er geht leicht gebeugt, macht einen wenig souveränen Eindruck und seine Mimik kommt der eines getretenen Hundes gleich. Schon mal gesehen? Dann kennen Sie auch den Nerd: Er ist blass, dicklich oder sehr schlaksig, in jedem Fall körperlich unscheinbar. Auch er trägt eine Brille, unabhängig von der Außentemperatur gerne Shorts, ein kariertes, bis oben zugeknöpftes Hemd oder den Fan-Pulli seiner Lieblings-Metalband. Haben Sie es vor Augen? Stereotypen, die einem in Film und Fernsehen beinahe tagtäglich begegnen. Im wahren Leben ist es nicht immer ganz so einfach!

Nerds in NAPOLEON DYNAMITE (US 2006, R: Jared Hess) Bild-Zoom
Nerds in NAPOLEON DYNAMITE (US 2006, R: Jared Hess)

Nerds in NAPOLEON DYNAMITE (US 2006, R: Jared Hess)Viele Filme nutzen die Tatsache, dass Menschen dazu neigen, in  Schubladen zu denken – manche spielen dabei mit  Erwartungen und täuschen die Kinobesucher/innen geschickt. Genauso wie die beschriebenen Schablonen für Filmcharaktere, gibt es auch viele Darsteller/innen, die in ihrer Laufbahn immer wieder ähnliche Charaktere verkörpern. Ein eher unbeabsichtigtes Phänomen, das im Filmjargon unter dem Begriff „Typecasting“ bekannt ist. Vielleicht hatten Sie den ein oder die andere bei den obigen Beschreibungen auch im Kopf? Ein paar Beispiele.

Als Urvater und gleichermaßen erstes Opfer von Typecasting gilt der ewige Dracula, Bela Lugosi. Er bleibt den Zuschauern als Fürst der Finsternis oder durchgeknallter Wissenschaftler, aber immer als das Böse in Person, im Gedächtnis – unabhängig davon, welche Rollen er darüber hinaus spielte.
Unvergessen auch die Auftritte von Christopher Lee, für Jüngere seinerseits der ewige Dracula, der in seiner Karriere in der Folge ein ums andere Mal den Schurken mimte: Ob als legendärer Dr. Fu Man Chu, der mit immer verrückteren Ideen versucht, die Weltherrschaft zu erlangen oder als Zauberer Saruman, der dem Reiz dunkler Mächte ebenso wenig zu widerstehen weiß wie Count Dooku in STAR WARS: EPISODE II (USA 2002, R: George Lucas).

Es sind Rollen, die unsere Erinnerung an einen Schauspieler prägen, wie etwa jene des charmant trotteligen Briten, der in Sachen Frauen eher unbeholfen, schlussendlich dank seines Hundeblicks aber doch erfolgreich ist. Natürlich ist die Rede von Hugh Grant. Oft genug litten und lachten wir mit ihm, zum Beispiel in FOUR WEDDINGS AND A FUNERAL (GB 1994. R: Mike Newell), NOTTING HILL (UK/US 1999. R: Roger Michell) oder LOVE ACTUALLY(US/UK 2003. R: Richard Curtis).

Die Liste könnte beliebig weitergeführt werden. Für Schauspieler/innen ist es meist eine unerwünschte Entwicklung, auf einen bestimmten Rollentypus festgelegt zu werden, da sie die weiteren beruflichen Möglichkeiten stark einschränken. Und vor allem auch aus politischen Gründen sollten Typecasts heute eigentlich der Vergangenheit angehören, denn häufig handelt es sich um Entscheidungen, bei denen Rollen einer speziellen Ethnie besetzt werden – für einen Film wird eine Asiatin gesucht? Lucy Liu. Man braucht eine Latina? Jennifer Lopez. Den mexikanischen Kleinganoven/Polizisten? Michael Peña. Das ist  vor allem auch eine Frage von Authentizität, jedoch erleben diese Schauspieler/innen häufig, dass sie aufgrund ihrer Ethnie bei Castings für andere Rollen diskriminiert werden. Oder haben Sie schon mal einen asiatischen Spiderman, einen russischen Bilbo Beutlin oder einen afroamerikanischen James Bond gesehen? Aber zumindest letzteres wird ja bereits diskutiert…
 
 
 
 

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