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Film-Blog: Poor naming – Über die Kunst, Filmen einen deutschen Titel zu geben

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Es ist eine Mischung aus Ärger, Scham und Belustigung: Im Film A MONSTER CALLS (US/ES/UK 2016, R: Juan Antonio Bayona) schlägt die Uhr gerade 12:07 Uhr Mittag und das namensgebende Monster betritt die Bühne. Wie passend, dass der Film auf Deutsch SIEBEN MINUTEN NACH MITTERNACHT heißt. Da stellt sich mir die Frage, ob die zuständigen Personen den Film überhaupt gesehen haben. Eine direktere Übersetzung, etwa „Der Ruf des Monsters“, wäre auch wirklich zu einfach gewesen. Natürlich ist diese Kreation des deutschen Verleihs kein Einzelfall. In einschlägigen Foren ist ein regelrechter Kult um „schlechte deutsche Filmtitel“ entstanden. Zurecht: Wenn man schon nichts dagegen tun kann, sollte man sich wenigstens darüber lustig machen. Das funktioniert auch hervorragend. Ein besonderes Beispiel für eine wortwörtliche Übersetzung liefert die Komödie MO‘ MONEY (US 1992, R: Peter MacDonald). Auf Deutsch hielt man es für einen guten Einfall, den Film MO‘ MONEY – MEH‘ GELD zu nennen. Etwas meh‘ Hirn hätte nicht geschadet. Für mich persönlich war es besonders hart, feststellen zu müssen, dass einer der großen Filme meiner Jugend, WHITE MEN CAN’T JUMP (US 1992, R: Ron Shelton), hierzulande WEISSE JUNGS BRINGEN‘S NICHT heißt. Der zuständige deutsche Verleih brachte es scheinbar auch nicht. Gerne werden dem englischen Originaltitel zur besseren Verständlichkeit für das deutsche Publikum Untertitel hinzugefügt. So entstehen etwa Stilblüten wie HOT FUZZ – ZWEI ABGEWICHSTE PROFIS (GB 2007, R: Edgar Wright) – oder für besonders Begriffsstutzige: FINAL CALL – WENN ER AUFLEGT, MUSS SIE STERBEN (DE/US 2004, R: David R. Ellis). Schließlich erreicht das Kuriosum seinen Höhepunkt, wenn englische Titel für das deutsche Publikum durch einen anderen englischen Titel ersetzt werden. Aus dem Fußballmärchen BEND IT LIKE BECKHAM (GB/DE 2002, R: Gurinder Chadha) wird so KICK IT LIKE BECKHAM und der Actionstreifen CRADLE 2 THE GRAVE (US 2003, R: Andrzej Bartkowiak) heißt plötzlich BORN 2 DIE. Wird dem deutschen Kunden nur das einfachste Vokabular und auf keinen Fall die Verwendung eines Wörterbuchs zugetraut? Beliebt ist auch die Variante, einen deutschen Titel zu kreieren, trotzdem aber das englische Original nachzuschieben. So etwa bei Cronenbergs EASTERN PROMISES (GB 2007) aka TÖDLICHE VERSPRECHEN – EASTERN PROMISES oder DER BLENDER – THE IMPOSTER (GB/US 2012, R: Bart Laytons). Ist der englische „blender“ auf Deutsch nicht ein Küchenmixer? Genug geärgert – oder geschmunzelt – und noch zwei Worte zu A MONSTERS CALL: Ganz nachvollziehen kann ich die Lobeshymnen nicht. Die Idee, eine recht übliche Handlung in einen fantastischen und zu Teilen gruseligen Rahmen zu packen, gefällt mir, und die Bilder transportieren eine enorm dichte Stimmung. Jedoch blieb für mich die charakterliche Tiefe des Baum-Monsters leider auf dem Niveau eines Transformers, und sein Verhältnis zu dem Jungen Conor erscheint wie eine traurige Version von Baumbart und den Hobbits. So hatte ich wohl Zeit, ausgiebig über den Filmtitel nachzudenken – warum heißt ZOOTOPIA (US 2016, R: Byron Howard, Rich Moore) bei uns eigentlich ZOOMANIA?
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