Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Laufsport - Alles rund um den Mainova Frankfurt Marathon ... Frankfurt am Main 20°C

Kino-Blog: Schön elektronisch: Der Sound of Frankfurt

Von
Dorian Gray. Omen. U60311. Im Rhein-Main-Gebiet wurde Clubgeschichte geschrieben, wie in kaum einer anderen Gegend (neben Berlin, natürlich), und mit Recht darf man Frankfurt als zentrale Geburtsstätte der Technomusik in Deutschland bezeichnen. Leider hat meine Generation die wirklich bedeutenden Zeiten dieser Bewegung nur am Rande mitbekommen. Während Sven Väth und Konsorten die ersten Technowellen durch die Boxen des Omen in der Frankfurter Innenstadt schwappen ließen, spulten wir noch unsere Fredrik Vahle Kassetten vor und zurück, und auch die legendäre Abschiedsparty des Clubs Ende der 90er Jahre, die sich wegen des riesigen Ansturms mit mehreren hundert Tanzenden vor den Clubtüren und über die ganze Junghofstraße ausweitete, verpassten wir noch, weil uns die Backstreet Boys gerade mit I Want It That Way in den Bann zogen. Schade, es hätte ein spannender Lebensabschnitt sein können.

Immerhin: Ich war 18, als Väth 2004 den Cocoon Club in Fechenheim eröffnete, und konnte nun vollkommen unbehelligt, ohne Schmuggeleien, gefälschte Ausweise und dergleichen das Frankfurter Nachtleben auschecken. Blöd nur, dass Techno jetzt eher das war, was man in meinem Freundeskreis scheiße fand. Die wenigen Besuche im Cocoon waren dann auch nicht besonders überzeugend, viel Show und Getue, wenig Persönlichkeit. Das Dorian Gray am Flughafen setzte mehr auf Blackmusic, und das U60311 machte mehr Negativschlagzeilen als Einnahmen. Der Sound of Frankfurt hatte mehr oder weniger abgedankt.

Aber er hat Geschichte geschrieben, die weit über das Rhein-Main-Gebiet hinaus bekannt ist, und war entscheidender Wegbereiter für die elektronische Musik von heute, die durchaus lebt. Mit dem Robert Johnson in Offenbach errichtete DJ Ata ihr 1999 eine bleibende Stätte, die bis heute zu den besten in Deutschland zählt – und so manche/n Frankfurter/in über die Stadtgrenze lockt, ha!

Diese Geschichte erzählt Romuald Karmakar in seiner Techno-Doku DENK ICH AN DEUTSCHLAND IN DER NACHT (DE 2017). Wir begegnen dem Frankfurter Ata Macias, dem Berliner Ricardo Villalobos, dem Darmstädter Roman Flügel. All die bedeutenden Personen der heutigen elektronischen Musikszene stehen im Film einem ebenso bedeutenden Kameramann gegenüber: Frank Griebe. Szenen in schummrigen Hinterhof-Tonstudios ebenso wie exzessive und pulsierende Clubmomente hat dieser in die typischen poetischen Bilder umgesetzt, für die ihn die Filmwelt so schätzt. Sinnlicher lässt sich das Gefühl für eine Musikrichtung und die damit verbundene Lebenseinstellung wohl kaum erzählen und erfahren.

Frank Griebe ist am Sonntag, 21. Mai, um 20:15 Uhr im Kino des Deutschen Filmmuseums zu Gast, um von seiner Arbeit mit Karmakar und entlang der Spuren des Techno zu berichten. Gerade jetzt, da Karmakar den Sound of Frankfurt als Teil einer bundesweiten Bewegung in seinem Film würdigt, verabschiedet sich einer seiner Wegbereiter: DJ Heiko MSO, langjähriger Kollege und guter Freund von Ata Macias, ist im Alter von nur 47 Jahren verstorben. Am Sonntagabend halten wir ihm einen Platz in der ersten Reihe frei.
 
Zur Startseite Mehr aus Filmblog

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse