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Film-Blog: Von Berlin Calling bis Berlin Falling

Von Berlin ist überall. Auch im Kino ist die deutsche Hauptstadt omnipräsent: aktuell in Ken Dukens Thriller "Berlin Falling" (DE 2017). Nur an zwei Tagen läuft er diese Woche in ausgewählten Kinos.
Berlin tanzt: damals wie heute. Berlin tanzt: damals wie heute.

Eine Dampflok braust über Wiesen und Felder, vorbei an Bahnhütten und einsamen Weilern. „15 Kilometer bis Berlin“, verkündet ein Schild und ist gleich wieder aus den Augen. Im Eiltempo geht es über eine Brücke und dann – hinein in den Moloch Berlin.
„Dieser Film ‚Berlin‘ ist eine schlimme Enttäuschung“, schreibt der Filmkritiker und -theoretiker Siegfried Kracauer am 17. November 1927 in der Frankfurter Zeitung über BERLIN. SINFONIE DER GROSSSTADT (DE 1927). Trotz Kracauers harten Urteils gilt der Dokumentarfilm von Walter Ruttmann heute als Klassiker der Filmgeschichte.

Er beginnt mit einer rasanten, wild geschnittenen Zugfahrt vom Land in die Stadt. Und dokumentiert dann in Form eines Montagegewitters einen Tag aus dem Jahr 1927 in der pulsierenden Metropole.

In den 90 Jahren, die seither vergangen sind, hat die Stadt für Filmemacher nichts von ihrem Reiz verloren. Ganz im Gegenteil: Insgesamt 229 Filmprojekte wurden 2016 mit 26,5 Millionen Euro in Berlin gefördert.

Und manchmal ist sogar die Rede vom ganz eigenen „Berlin-Film“. Aber was ist das eigentlich?

So was wie Cate Shortlands Psychothriller BERLIN SYNDROM (AU 2017)? Die US-amerikanische Serie BERLIN STATION (US/DE 2016-) über einen CIA-Agenten in der Hauptstadt? Oder doch Klassiker wie BERLIN ALEXANDERPLATZ (DE 1980) von Rainer Werner Fassbinder oder DER HIMMEL ÜBER BERLIN (DE 1987) von Wim Wenders.
Vor neun Jahren startete BERLIN CALLING (DE 2008): Hannes Stöhrs Film über die Techno-Szene mit dem inzwischen weltbekannten DJ Paul Kalkbrenner in der Hauptrolle. Und in dieser Woche kommt BERLIN FALLING (DE 2017) von Regiedebütant Ken Duken in die Kinos. Bloß am Donnerstag und Freitag ist der Thriller in Multiplex-Kinos in ganz Deutschland zu sehen – danach nur noch bei Pay-TV-Sender Sky.

Darin will ein ehemaliger Elitesoldat seine Frau und Tochter abholen und fährt dafür mit dem Auto nach Berlin. Er nimmt einen Mann per Anhalter mit, der sich als Terrorist mit Bombe im Gepäck entpuppt.

Doch für einen wahren „Berlin-Film“ muss nicht der Name der Stadt im Titel vorkommen. Vielmehr muss die Arm-aber-Sexy-Anziehungskraft transportiert werden, die der ehemalige Bürgermeister Klaus Wowereit 2003 verkündete und die sich als Werbeslogan der Stadt etabliert hat – so wie  Tom Schilling als Taugenichts Niko Fischer in Jan Ole Gersters OH BOY (D 2012).

Der „Berlin-Film“ hat fast immer zwei Bausteine: die Landflucht und die Club-Szene.
Wie der Zug, der in BERLIN. SINFONIE DER GROSSSTADT in die Stadt braust, oder das Auto in BERLIN FALLING gibt es häufig Figuren, die es in die Metropole zieht. So auch in Tom Lass’ neuem Mumblecore-Film BLIND & HÄSSLICH (DE 2017), der vor zwei Wochen Premiere beim Filmfest München feierte. Darin zieht es zwei junge Menschen nach Berlin und die Großstadt lässt sie aufeinander los.

Mit einer unvergesslichen Club-Szene beginnt Sebastian Schippers VICTORIA (D 2015). Zum Beat von DJ Kozes Burn With Me tanzt noch so eine Neu-Berlinerin, Victoria, im Strobo-Licht und trifft auf Sonne, Boxer, Blinker und Fuß. Und solche Szenen findet man fast in jedem Film über junge Menschen in Berlin.

In der zweiten Hälfte von 2017 geht munter weiter mit Berlin-Filmen und -Serien: der Macher von WIR SIND JUNG. WIR SIND STARK (DE 2013), Burhan Qurbani, arbeitet an einer neuen Kino-Adapation von Alfred Döblins Roman Berlin Alexanderplatz. Und Tom Tykwer produziert derzeit für die ARD und für Sky die Serie BABYLON BERLIN (DE 2017-) und will damit die 1920er Jahre wieder aufleben lassen, wie sie schon Walter Ruttmann dokumentierte. Bleibt zu hoffen, dass das Urteil dann nicht wie bei Siegfried Kracauer ausfallen wird: „Ist das Berlin? Nein, das ist ein schauderhafter Abdruck, von einer gewissen Geistigkeit produziert, die mehr als peinlich ist.“
 

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