Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Laufsport - Alles rund um den Mainova Frankfurt Marathon ... Frankfurt am Main 20°C

Film-Blog: Bilderlust statt Pendelfrust

Von Beim Zugfahren kommt so mancher auf dumme Gedanken. Ein neuer Teil der beliebten Reihe: „Wenn Filmliebhaber träumen dürfen“.

„Pendeln ist Mist“, hat Franz Müntefering einmal gesagt. Stimmt nicht? Egal, Fakt ist: Immer mehr Leute vergeuden ihre Lebenszeit in Bus und Bahn. Im ersten Halbjahr 2017 mehr als die halbe Weltbevölkerung: 5,2 Milliarden Fahrgäste, so der Verbund der Verkehrsunternehmen. Alleine in Deutschland wohlgemerkt.

Und wenn dann noch ein Gewitter dazwischen kommt, so wie am Dienstag über Frankfurt, kann es mal wieder länger dauern – und der geplante Kinobesuch fällt wegen Verspätung aus.

Nun gut, Streaming-Apps wie Netflix oder Amazon Prime rangieren im Appstore weiter ganz oben. Aber mal ehrlich: So richtig optimal ist das Seh- und Hörerlebnis von Film und Serie auf den Mini-Geräten nicht.

Deswegen folgt nun ein neuer Vorschlag aus der Reihe: „Wenn Filmliebhaber träumen dürfen“: Ein Kinosaal im Zug. Bilderlust statt Pendelfrust!
Ansätze gab es schon. In den Zügen des privaten Bahnbetreibers Locomore gab es zum Start im vergangenen Dezember sogenannte Themenwägen. Mit dabei: Weihnachtsbasteln, Fußball, Gesellschaftsspiele sowie Stricken und Häckeln. Der Plan: Gleichgesinnte über Hobbies ins Gespräch kommen lassen. Leider war die Deutsche-Bahn-Konkurrenz dann im Mai schon pleite – dumm gelaufen.

Doch jetzt wurde das insolvente Start-up vom tschechischen Unternehmen Leo Express übernommen  und steigt gemeinsam mit dem Fernbus-Unternehmen Flixbus als Vertriebspartner wieder ins Geschäft ein. Fünfmal die Woche geht es von Stuttgart über Frankfurt nach Berlin. Wäre da nicht Platz für einen Kinowagen?
Wie in einem früheren Blog-Eintrag eines Kollegen notiert, verbindet Film und Zug schließlich seit den Anfängen eine innige Beziehung.

Einer der ersten Filme der Lumière-Brüder zeigt einen ankommenden Zug. Und im amerikanischsten aller Filmgenres, dem Western, dringt er als Dampfross in den Westen vor: als Gallionsfigur der technisierten Welt. Die innigste Film-Zug-Beziehung spielt ebenfalls in den Vereinigten Staaten und wie die meisten Western auch im 19. Jahrhundert – allerdings im Bürgerkrieg: Im Stummfilm-Klassiker THE GENERAL (US 1926) verliebt sich der von Regisseur Buster Keaton gespielte Lokführer (trotz unzähliger halsbrecherischer Stunts) unsterblich in seine Dampflok.

Diese alte Liebe gilt es neu zu entfachen: für kurze Strecken Serienfolgen. Für lange Fahrten Spielfilme. Am besten noch mit thematischem Bezug. Wo könnte man beispielsweise besser in Bong Joon-hos Dystopie SNOWPIERCER (SK, US, FR, CZ 2013) eintauchen als in einem abgedunkelten Waggon? Der Film spielt während einer globalen Eiszeit. Die letzten Menschen rasen zusammengepfercht in einem Zug ohne je Halt zu machen um die Erde. Ohne Blick nach draußen. Es herrscht ein Zweiklassensystem. Und von ganz hinten, wo die Ärmsten verrecken, startet schon bald eine blutige Revolution.

Im neuen Kinozug ist Zurücklehnen und Genießen angesagt!
 

Zur Startseite Mehr aus Filmblog

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse